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Kommentar von Tobias Wiltschek
Tobias Wiltschek kommentiert die Ereignisse in Aue © SPORT1/Imago

Mit den diffamierenden Plakaten im Stadion von Aue erreichen die Vorbehalte gegen den RB Leipzig eine neue Dimension. Der Vorfall muss vollständig aufgeklärt und geahndet werden.

Nicht erst seit seiner Ankunft im bezahlten Fußball polarisiert RB Leipzig extrem.

Die Einen begrüßen das Engagement des milliardenschweren Brauseherstellers Red Bull in der sächsischen Diaspora des Spitzenfußballs.

Für die Anderen symbolisiert RB das Horrorszenario eines grenzenlosen Kapitalismus', das es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.

Fans nötigen ihre Vereine, Testspiele gegen RB abzusagen, boykottieren Auswärtsspiele ihrer Mannschaft in Leipzig.

Und ein Jugendtrainer des Halleschen FC musste sich gar öffentlich dafür entschuldigen, dass seine Jungs bei einem Spiel beim neureichen Nachbarn Hosen mit dem RB-Logo getragen haben. Ihre eigenen hatten sie vergessen.

Das alles mag man zwar übertrieben finden, bewegt sich aber noch im Rahmen des Vertretbaren.

Die Vorfälle in Aue aber sind durch nichts zu rechtfertigen. Hier wurde eine Grenze deutlich überschritten. Daran ändert die sofortige Verurteilung der Aktion durch den Verein genauso wenig wie die entschuldigenden Gesten in Richtung der Leipziger.

Fans einer Mannschaft generell mit Nazis und einen Vereinsmäzen mit Adolf Hitler zu vergleichen, ist nicht nur geschmacklos. Es ist vor allem ein Straftatbestand, der mit einer abschreckenden Sanktion geahndet werden muss.

Das Gleiche gilt für diejenigen, die die Spieler von RB Leipzig nach dem Schlusspfiff verfolgt und bedroht haben.

Auch muss der Verein alles unternehmen, um die Vorgänge lückenlos aufzuklären.

Offensichtlich setzten die Ordner beim Einlass der Zuschauer zweierlei höchst unterschiedliche Maßstäbe an.

Während die Auer ihr Spruchband und Plakat unbehelligt ins Stadion schleppen konnten, beschwerte sich das Leipziger Aktionsbündnis "Rasenball gegen Rassismus" über Facebook, dass sie ihre Zaunfahne nicht aufhängen durften.

Der DFB-Kontrollausschuss hat bereits Ermittlungen eingeleitet. Bei der Urteilsfindung sollte es nicht darum gehen, ob der Verein bestraft wird, sondern nur, in welcher Höhe.

Dass die Fans von Erzgebirge Aue bislang vergleichsweise selten negativ aufgefallen sind, darf sich allerhöchstens mildernd auf die Strafe auswirken.

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