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Ralf Rangnick von RB Leipzig
Ralf Ragnick (r.) ist seit Juni 2012 Sportdirektor von RB Leipzig und Red Bull Salzburg. Bei den Österreichern steigt er im Sommer aus

München - Vor dem Spiel in Braunschweig (ab 20 Uhr LIVE im TV, LIVETICKER u. SPORT1.fm) erklärt Sportdirektor Ralf Rangnick bei SPORT1 Leipzigs Situation und äußert sich zu Thomas Tuchel.

Nervenaufreibende Wochen liegen hinter Ralf Rangnick. Der Sportdirektor von Red Bull Salzburg und RB Leipzig konnte sich selten zurücklehnen und das sportliche Treiben genießen - zumindest bei den Sachsen. Im Gegenteil.

Zuletzt musste Rangnick die "Notbremse" ziehen und Leipzigs Trainer Alexander Zorniger entlassen, nachdem es in der Tabelle einen Abwärtstrend zu verzeichnen gab. Vor dem Spiel von RB bei Eintracht Braunschweig am Montag (ab 19.45 Uhr LIVE im TV, Sportradio SPORT1.fm und ab 20 Uhr im LIVETICKER) stehen die "Bullen" auf Platz zehn. Es ist die letzte Chance, um vielleicht noch einmal oben anzuklopfen.

Dabei war man in das Jahr 2015 mit dem Ziel gestartet, im Aufstiegsrennen ein Wörtchen mitzureden. Doch Rangnick hakt den Aufstieg angesichts des deutlichen Rückstands auf die Spitzenplätze wohl endgültig ab.

"Es ist unrealistisch, zum jetzigen Zeitpunkt vom Aufstieg zu sprechen", sagte er im Gespräch mit SPORT1

Mit dem neuen Trainer Achim Beierlorzer, der zuletzt die U 17 in Leipzig coachte, soll es aber wieder aufwärts gehen. Dennoch hat die jüngste Vergangenheit Rangnick nachdenklich gemacht.

"Es ist ja keine Normalität und ist bei uns auch in zweidreiviertel Jahren das erste Mal gewesen. Die Woche nach der Beurlaubung von Alex Zorniger bis zum Spiel gegen Frankfurt war sicher emotional und aufregend, aber jetzt richten wir den Blick nur noch nach vorne", sagt der 56-Jährige.

Achim Beierlorzer von RB Leipzig
Folgte auf Alexander Zorniger: Achim Beierlorzer spielte in der Jugend beim 1. FC Nürnberg © Getty Images

Beierlorzer-Debüt ging daneben

Das erste Spiel unter Beierlorzer zu Hause gegen den FSV Frankfurt in der vergangenen Woche ging allerdings erneut verloren. Die Enttäuschung hielt an.

"Es ist doch klar, dass wir uns alle einen erfolgreicheren Auftakt gewünscht hätten", meint Rangnick und fügt hinzu: "Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind und sich die Mannschaft in den nächsten Wochen so entwickeln wird, wie wir das gerne sehen würden."

Das, so Rangnick, habe dann "auch gar nicht so viel damit zu tun, auf welchem Platz wir am Ende stehen", es gehe vielmehr "um Fortschritte und auch um die Integration der neuen Spieler, vor allem aber um die Weiterentwicklung der Mannschaft insgesamt."

Rangnick lobt in dem Zusammenhang noch mal die erfolgreiche Arbeit von Zorniger und erklärt mit etwas Abstand dessen Entlassung. "Es hat mit Alex Zorniger hervorragend geklappt und bis zum Herbst ging es gar nicht erfolgreicher. Die Tatsache, dass es zur Trennung kam, hatte nichts mit den Ergebnissen an sich zu tun, sondern mit dem Entwicklungsprozess."

Man habe "daher die Entscheidung getroffen, ab Sommer eine andere Lösung anzustreben." Die Zeit sei aber "extrem erfolgreich" gewesen und werde "immer mit Alex Zorniger verbunden bleiben."

Der Traum vom Aufstieg

Einer der Gründe für die Trennung war die unterschiedliche Auffassung im Hinblick auf den Aufstieg. Rangnick sagte immer, am liebsten schon in dieser Saison aufsteigen zu wollen, Zorniger hatte es damit nicht so eilig: "Ich habe gesagt, wenn es eine Saison gibt, in der niemand den Aufstieg erwartet und verlangt, in der wir nur gewinnen können, dann ist es diese."

Alex Zorniger habe nie gesagt, "dass er nicht aufsteigen will, sondern er hat betont, dass es für das Umfeld besser wäre, wenn man noch ein Jahr in der Zweiten Liga bleiben würde".

Gerade mit dieser Definition hatte Rangnick ein Problem. "Das, was ich unter dem Umfeld des Vereins verstehe, ist unter anderem die Geschäftsstelle, die Infrastruktur mit der Arena und die Trainingsbedingungen", erklärt der Sportdiektor. "Wenn ich das vergleiche mit Hoffenheim, als wir damals in die Bundesliga aufgestiegen sind, dann sind das hier in Leipzig schon ganz deutlich andere Voraussetzungen."

Rangnick lobt Trainer

Mit dem neuen Trainer ist Rangnick trotz der Niederlage gegen den FSV hochzufrieden. "Der Achim hat all das bestätigt, was ich von ihm auch schon bei uns in der U 17 gesehen habe. Er findet den richtigen Ton, hat klare Anweisungen an die Spieler und entwickelt im Training die Mannschaft weiter. Für mich hat sich die Entscheidung für ihn absolut bestätigt."

Gerüchte, dass er womöglich in die Arbeit von Beierlorzer eingreifen wolle, bügelt Rangnick ab: "Ich bin Sportdirektor und weiß ganz genau, wo die Grenzen zum Trainer sind." Beierlorzer sei "eine gestandene Persönlichkeit und braucht niemanden, der ihm die Hand hält".

Keine Verhandlungen mit Tuchel

Ein Name, der als neuer Trainer ab Sommer schon seit Monaten in Leipzig kursiert, ist Thomas Tuchel. Der frühere Coach von Mainz 05 hat sich nach SPORT1-Informationen auch schon ein Haus in der Nähe von Leipzig gekauft. Doch konkret ist offenbar noch nicht gesprochen worden.

"Es gibt noch keine Verhandlungen - weder mit Thomas Tuchel noch mit einem anderen Trainer", stellt Rangnick klar. "Natürlich ist er einer derjenigen Trainer, der eine ähnliche Vorstellung von Fußball hat wie wir."

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