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FC Cologne v Arsenal - Pre Season Friendly
Der 1.FC Köln war die letzte gemeinsame Trainerstation von Andre Trulsen (l.) und Holger Stanislawski © Getty Images

München - Vor der Partie gegen Düsseldorf analysiert Andre Trulsen bei SPORT1 die Situation seines Ex-Klubs St. Pauli. Dabei kritisiert er die letzten Trainer und bringt seinen alten Kumpel ins Spiel.

Andre Trulsen hat ein braun-weißes Herz. Der 49-Jährige hatte sich in seiner Karriere als Profi-Fußballer keinem anderen Verein so sehr verschrieben wie dem FC St. Pauli.

Der frühere Abwehrspieler mit dem Spitznamen "Truller" spielte von 1986 bis 1991, 1994 bis 2002 und in der Saison 2004/05 für den Kiez-Klub. Nach seiner aktiven Laufbahn war Trulsen für St. Pauli von 2004 bis 2011 als Trainer tätig.

Natürlich geht sein Blick auch heute noch regelmäßig zum Millerntor, auch wenn Trulsen mittlerweile nur noch die Stirn runzelt. Denn die Hamburger befinden sich in akuter Abstiegsgefahr. (Datencenter: Tabelle)

Vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf am Montagabend (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) steht das Team von Trainer Ewald Lienen auf Platz 18. Der Absturz in die Dritte Liga droht. Frust statt Lust im einstigen Freudenhaus der Liga. (Datencenter: Ergebnisse und Spielplan)

Trulsen macht sich "große Sorgen"

"Die Lage ist sehr ernst. Ich mache mir große Sorgen um den Verein", sagt Trulsen im Gespräch mit SPORT1. "Das rettende Ufer ist schon ein paar Punkte weg."

Vier Zähler Rückstand sind es auf Rang 15, um genau zu sein. Von der Einstellung her habe es zuletzt gepasst, meint Trulsen: "Aber es wurden nicht die nötigen Punkte eingefahren, und dann ist es natürlich schwer, da unten raus zu kommen. Das Restprogramm ist auch nicht ohne."

FC St. PAULI - SCHALKE 04 1:3 n.V.
Andre Trulsen bestritt 383 Ligaspiele für den FC St. Pauli © Getty Images

Es warten unter anderem noch Karlsruhe, Kaiserslautern, Leipzig und Darmstadt auf die Lienen-Elf. Allesamt Gegner, die noch um den Aufstieg ins Oberhaus spielen. Der Ex-Profi glaubt aber noch an die Rettung: "Das Team hat die Klasse, den Relegationsplatz zu schaffen und sich dann über die zwei Spiele zu retten."

Defensive macht Hoffnung

Die Tatsache, dass sich die Hamburger in den vergangenen Wochen in der Defensive stabilisiert haben, lässt Trulsen hoffen. "Es dürfen keine Geschenke mehr verteilt werden. Mit Düsseldorf kommt eine Truppe, die nach vorne spielen muss, weil sie drei Punkte auch bitter nötig hat."

Doch wie ist St. Pauli überhaupt in die prekäre Situation geraten? Trulsen nennt  einen ganz entscheidenden Punkt bei der Fehler-Analyse: "Sicherlich hatte man nicht so viel Fortune bei Personalentscheidungen."

Kritik an St. Paulis Trainern

Keinem Coach sei es gelungen, "die guten, jungen und talentierten Spieler weiterzuentwickeln. Es waren einige Trainer am Millerntor. Keiner hat es geschafft, eine erfolgreiche Mannschaft auf den Platz zu stellen"", meint der 49-Jährige.

1. FC Union Berlin v FC St. Pauli  - 2. Bundesliga
Ewald Lienen leidet seit Mitte Dezember an der Seitenlinie des FC St. Pauli © Getty Images

Auch Lienen ist es bisher nicht gelungen, aus dem Team eine Einheit zu bilden. "Ewald Lienen ist sicher ein erfahrener Trainer, der auch zu St. Pauli passt. Aber er muss am Ende auch die Punkte einfahren und eine Mannschaft formen", betont Trulsen, sagt aber auch: "Wenn du sofort im Abstiegskampf bist, ist das nicht optimal."

"Abstieg wäre eine Katastrophe"

Es müsse daher weiterhin "Woche für Woche daran gearbeitet werden, dass die Mannschaft die Fehler vermeidet, die zu Gegentoren führen, und das Offensivspiel vorantreibt, damit man Tore schießt. Denn nur Siege helfen weiter."

An den Abstieg will Trulsen gar nicht denken. "Ein Abstieg wäre eine Katastrophe. Wenn du dir in der Dritten Liga die Wirtschaftlichkeit anschaust, dann bleibt da nicht viel übrig. Der Verein musste damals schon in die Dritte Liga. Es dauerte vier Jahre, bis man wieder hoch kam und sich stabilisiert hatte."

Neuer Weg mit Stanislawski?

Einer, der bei einem Neuanfang sicher helfen würde, wäre St.-Pauli-Ikone-Holger Stanislawski. Das glaubt zumindest Trulsen. Die beiden bildeten jahrelang ein Trainergespann, bis Stanislawski eine neue Karriere als Geschäftsführer einer Supermarktkette startete.

"Grundsätzlich sollten sich die Bosse mit 'Stani' in Verbindung setzen, weil er viel geleistet hat für den Verein", sagt Trulsen. "Er kennt alle Personen. Ich glaube, er hätte Bock zu helfen, weil ihm der Verein am Herzen liegt."

Und weiter: "Man sollte ihn erst mal um Rat fragen. Es geht um keinen Posten, aber 'Stani' kann hilfreich sein für einen neuen Weg."

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