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München - Der FC Ingolstadt ist künftig erstklassig und müht sich um Anerkennung. Der Präsident wehrt sich gegen den Begriff "Werksklub".

Plötzlich Aufsteiger, plötzlich Bundesligist. Nummer 54 der ersten Liga. Beim FC Ingolstadt können sie immer noch nicht so recht wahrhaben, was ihnen da wiederfahren ist. 

"Wir sind die beste Truppe der Liga, das muss man so sagen", stellte Ralph Hasenhüttl daher erst einmal im Gespräch mit SPORT1 fest. Und fügte hinzu: "Ich hätte nie geglaubt, dass das passieren könnte."

Dabei hat der Trainer selbst ja einen enormen Anteil am Höhenflug des Klubs.

Denn der Österreicher schaffte es, den Stadt und den Verein mitzureißen. Der FCI, erst 2004 aus den Klubs MTV und ESV gegründet, wurde unter ihm ein Klub zum Anfassen. Noch vor seiner Amtszeit führte einmal ein Volkslauf am Audi Sportpark vorbei, die Profis fühlten sich damals gestört. In der Stadt wurde das verwundert registriert.

Etat von 8,5 Millionen Euro

Hasenhüttl wäre wohl selbst mitgelaufen, denn nichts geht ihm mehr gegen den Strich als Arroganz. Mit akribischer Arbeit und einigem Optimismus hat er die Möglichkeiten des Klubs ausgeschöpft, der Aufstieg glückte trotz eines nur 8,5 Millionen Euro großen Etats.

"Eine sportliche Meisterleistung", sieht daher Dr. Rainer Koch im Gespräch mit SPORT1.

Der Präsident des Bayerischen Fußballverbands hebt dabei auch die Rolle von Präsident Peter Jackwerth und Geschäftsführer Harald Gärtner hervor.

Hasenhüttl "lebt Fußball"

Gärtner selbst, macht den Aufstieg in erster Linie an Trainer Hasenhüttl fest.

"Er hat den Teamgedanken, eine klare Ansprache, ist authentisch und lebt den Fußball. Er hat der Mannschaft einen Willen gegeben, den Charakterzug der uns noch gefehlt hat. Das macht seine Arbeit aus", schwärmte der 46-Jährige bei Bundesliga Aktuell auf SPORT1.

Realistische Selbsteinschätzung

Die sportliche Kompetenz der Führung stimmt Koch zudem zuversichtlich, dass der FCI die Klasse hält.

Der oberste Fußballfunktionär Bayerns weiß, dass Ingolstadt "der kleine Verein in der Region zwischen den städtischen Zentren München, Nürnberg und Augsburg" ist. "Man wird nie mit der Südkurve beim FC Bayern konkurrieren können. Aber das muss man auch nicht, denn sportliche Erfolge sind glücklicherweise nicht nur in großen Städten erlaubt."

"Ohrfeige für Traditionsvereine"

In diesem Jahr nutzte der Klub auch die Schwäche der Konkurrenz - etwas des großen Nachbarn Nürnberg. Tradition ist eben nicht automatisch ein Erfolgsgarant.

"Ingolstadt hat mit einem Zweitliga-Kader, der nicht zu den teuersten gehört und keine Bundesliga-Stars hat, einfach eine fantastische Mannschaftsleistung gezeigt", kommentiert Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder.

Sein jüngerer Bruder Malte spielte bis 2014 für den Klub, die Metzelders kennen die 130.000 Einwohner große Stadt und ihr Umfeld genau.

Für Christoph Metzelder ist der Aufstieg des FCI zugleich eine "Ohrfeige für viele Traditionsvereine. Es machen Vereine mit weniger Tradition besser als andere."

"Wir sind kein Werksklub"

Ab August heißen die Gegner des FCI unter anderem FC Bayern, Gladbach und Borussia Dortmund.

Wie der Klub, an dem Audi 20 Prozent der Anteile der Profiabteilung hält, dort empfangen wird, ist die spannende Frage. "Wir sind kein Werksklub, und wir werden einen Etat haben wie ein Aufsteiger", betont Präsident Jackwerth.

Die Gleichung Audi gleich Ingolstadt gleich FCI, ist zu einfach. Auf der anderen Seite sind im Aufsichtsrats des Klubs durch die Anteile des Automobilkonzerns selbstverständlich auch Audi-Manager vertreten.

Der Konzern wird sein finanzielles Engagement verstärken, so viel ist klar. In Ingolstadt sind sie überzeugt davon, dass die Weltmarke Audi auf keinen Fall wieder aus der Bundesliga absteigen möchte. Und Trainer Hasenhüttl verspricht bereits jetzt: "Wir werden schnell lernen."

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