vergrößernverkleinern
Christian Beeck (l.) warnt den SC Paderborn vor einer schweren Saison © Getty / SPORT1

SPORT1-Kolumnist Christian Beeck warnt Absteiger Paderborn vor dem Absturz, die Transferpolitik sieht er zwiegespalten. Die Premier League hält er für verrückt.

Hallo Zweitliga-Freunde,

Drei Spiele, zwei Heimniederlagen, zuletzt am Wochenende 0:6 gegen Sandhausen - Paderborn hat einen klassischen Fehlstart hingelegt. Aus meiner Sicht hat der SC die Situation komplett unterschätzt. Aus der Bundesliga abzusteigen und intensiv Leistungsträger zu verlieren, das kann nicht der Plan gewesen sein. Das kann ganz schnell nach hinten losgehen.

Obendrauf hat der überraschende Abgang von Klub-Ikone Uwe Hünemeier zum englischen Zweitligisten Brighton & Hove Albion dem SC richtig wehgetan. Zwar ist mit Stürmer Nick Proschwitz ein Ex-Paderborner aus England zurückgekehrt, doch es sieht derzeit so aus, als sei er satt.

Man hat an der Pader ein paar kleine Fehler gemacht, die man hätte vermeiden können. Natürlich sind erst drei Spieltage gespielt und man soll die Jungs auch nicht verdammen. Aber die Tendenz ist so, dass der Verein wahrscheinlich wieder dort landet, wo er vor zwei Jahren hergekommen ist, nämlich im unteren Teil der 2. Liga.

Der Ausflug in die Bundesliga war eine Schwalbe im Sommer, man hatte sich offenbar verfahren - mit einem klasse Trainer wie Andre Breitenreiter und einer toll zusammengestellten Mannschaft. Da hatte man dieses Quäntchen Glück gepaart mit solidem Können. Es lief einfach. 

Trainer Markus Gellhaus, Breitenreiters Nachfolger, ist meiner Meinung nicht die optimale Variante. Einen Co-Trainer für eine solche Aufgabe zu beauftragen ist mehr als mutig. Das Trainerteam Gellhaus und Co-Trainer Rob Reekers haben in der Vergangenheit bei Jos Luhukay herausragend funktioniert.

Aber es ist ein himmelweiter Unterscheid, als Cheftrainer zu arbeiten. Das darf man nicht unterschätzen. Für beide ist diese Konstellation, als Team bei einem Absteiger zu arbeiten, eine extreme Herausforderung. Eine Mannschaft zu übernehmen, die so abgestiegen ist, in den letzten drei, vier Monaten fast nichts gewonnen hat und am Ende die wichtigsten Protagonisten verliert, ist für Neulinge als Cheftrainer ein ganz heißes Pflaster.

Präsident Wolfgang Finke, der gerne auch mal in alle Richtungen verbal zuschlägt, wird sich an die eigene Nase fassen müssen und überlegen, ob er alles richtig gemacht hat.

Die Vorbereitung war schon keine Offenbarung, selbst hier gab es schon genügend Probleme einen positiven Rhythmus zu finden. Die Leistungsfähigkeit der Truppe scheint noch lange nicht erreicht.

Es wurde zwar ein Marcel Ndjeng geholt, weil Gellhaus und Reekers ihn noch aus der Zeit mit Luhukay kennen. Das war aber weder frisch noch neu. Marcel ist ein guter Kicker, aber er ist damit überfordert, eine Mannschaft zu führen.

Der Verkauf von Hünemeier ist dem Zwang eines Zweitligisten geschuldet. Wenn du als Verein 2,7 Millionen Euro für einen durchschnittlichen Innenverteidiger kriegst, dann musst du das machen. Die Engländer sind ja verrückt. Das haben die Paderborner transfertechnisch sehr gut gemacht. Aber was hilft es dir, wenn du am Ende eine Mannschaft hast, die nicht funktioniert?

Mit der jetzigen Zusammenstellung und dem daraus resultierenden Auftreten des Kaders wird es schwierig werden, in diesen engen Spielen zu bestehen. Die Paderborner müssen jetzt ganz schnell begreifen, dass sie in der 2. Liga angekommen sind - und die ist in diesem Jahr auf gar keinen Fall ein Selbstläufer. 

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck seit dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel