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München - Ralf Rangnick will mit Leipzig begeistern, seine Doppelfunktion allerdings nur auf Zeit ausüben. Die aktuelle Lösung sei nicht optimal. Sein Team nimmt er bei SPORT1 in die Pflicht.

Eine gewisse Parallele ist nicht von der Hand zu weisen.

2008 war Ralf Rangnick Trainer von 1899 Hoffenheim, als er mit den Kraichgauern in die Bundesliga aufstieg. Damals schlug dem Klub von den gegnerischen Fans der blanke Hass entgegen. Ähnliches erlebt Rangnick bei RB Leipzig, wo der 57-Jährige seit 2012 als Sportdirektor arbeitet.

Seit dieser Saison ist er auch Trainer bei den Sachsen. Es ist für den Schwaben nach vier Jahren das Comeback als Trainer. Ein Blick zurück: Im September 2011 löste Rangnick seinen Vertrag als Chefcoach beim FC Schalke wegen eines Burnout-Syndroms mit sofortiger Wirkung auf.

Vor dem ersten Heimspiel der Saison gegen Greuther Fürth am Montag (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht Rangnick im SPORT1-Interview über RB und seine Person.

SPORT1: Herr Rangnick, der Saisonstart war trotz des Sieges beim FSV Frankfurt etwas holprig. Sind Sie dennoch zufrieden?

Ralf Rangnick: Letztlich war Frankfurt der erwartet schwere Auftakt, vielleicht sogar noch ein bisschen schwerer. Von daher bin ich zufrieden, dass wir am Ende zu Null gespielt haben und die drei Punkte mitnehmen konnten. Dass wir im spielerischen Bereich noch Luft nach oben haben, ist klar. 

SPORT1: RB ist der Topfavorit auf den Aufstieg. Ihr früherer Trainer-Kollege Eduard Geyer glaubt indes nicht an einen lockeren, souveränen Aufstieg. Wie sehen Sie es?

Rangnick: Wir sind auch zu keinem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass das ein Selbstläufer wird. Die Mannschaft hat die 2. Liga ein Jahr erlebt, wir wissen also ganz genau, dass die kommende Saison keine leichte Aufgabe wird. Wir wollen nur von Spiel zu Spiel schauen und einen Schritt nach dem anderen machen.

SPORT1: Willi Orbans Wechsel schlug in Kaiserslautern hohe Wellen, auch die Verantwortlichen waren sehr enttäuscht von der Vorgehensweise des Spielers. Wie haben Sie den Jungen überhaupt beeinflusst, dass er die 2. Liga anderen Angeboten vorzog?

Rangnick: Zu dem Zeitpunkt, wo wir uns zum ersten Gespräch mit Willi Orban getroffen haben, waren unsere Chancen auf eine Verpflichtung eher gering. Vor allem, weil er einige Angebote aus dem In- und Ausland vorliegen hatte. Seine entscheidende Frage war dann, wer in der nächsten Saison den Trainerposten bei RB Leipzig ausfüllen wird. Und als ich ihm mitgeteilt habe, dass ich das Amt übernehmen werde, hat er sich nach kurzer Bedenkzeit dazu entschieden, zu uns zu wechseln und unseren Weg mitzugehen. Er hat für sich bei uns eine sehr gute Perspektive gesehen, um sich weiterzuentwickeln.

SPORT1: Sie haben mal gesagt, dass Sie den Trainerjob bei RB nur ein Jahr machen wollen. Wie denken Sie jetzt?

Rangnick: Das habe ich gesagt und das ist Stand heute auch der Plan. Ich glaube nach wie vor, dass es für RB Leipzig einen Tick besser wäre, wenn ich mich nur um die Weiterentwicklung der strukturellen Dinge kümmere.

SPORT1: Damals in Hoffenheim wurde ein Luiz Gustavo über Ihren Kopf hinweg verkauft. So was kann nun nicht mehr passieren. Wie ist es für Sie, dass Sie jetzt in Doppelfunktion alles alleine entscheiden können? 

Rangnick: Es ist richtig, dass ich derzeit eine Doppelfunktion ausfülle, aber es entspricht nicht den Tatsachen, dass ich hier alles alleine entscheide. Für mich ist sowohl der stetige Austausch mit meinem Trainerteam als auch mit unserer Führungsebene um den Vorstandsvorsitzenden Oliver Mintzlaff wichtig.

SPORT1: Wie wollen Sie es schaffen, dass RB in der Außendarstellung besser dasteht, so dass der Hass der gegnerischen Fans weniger wird?

Marcel Sabitzer ist Teil der neuen prunkvollen Offensive von RB Leipzig © Imago

Rangnick: Das können wir in allererster Linie mit unserer Art, Fußball zu spielen, schaffen. Da sehe ich auch eine gewisse Parallele zu meiner Zeit in Hoffenheim. Dort ist es uns auch gelungen, die Zuschauer mit unserem offensiven Spielstil zu begeistern und für uns zu gewinnen. Es liegt jetzt an uns, diesen Fußball dann auch möglichst Woche für Woche auf den Platz zu bringen. Und darüber hinaus möchten wir dieses Auftreten auch mit einer neuen kommunikativen Ausrichtung flankierend unterstützen.

SPORT1: Wie haben Sie sich als Trainer verändert im Vergleich zu Ihrer letzten Tätigkeit als Chefcoach auf Schalke?

Rangnick: Das ist eine Frage, die ich nur schwer beantworten kann. Ich versuche jedenfalls, in der Hektik eines Spiels Gelassenheit und Ruhe zu bewahren, da man mit einem gewissen emotionalen Abstand bessere Entscheidungen treffen kann. Was den Fußball an sich angeht, so ist das Umschaltspiel in beide Richtungen noch einmal deutlich schneller und auch lauf- und sprintintensiver geworden. Aber da ich als Sportdirektor nicht immer nur im Büro gesessen habe, sondern nah an den Trainern und jeweiligen Mannschaften dran war, hatte ich damit jetzt kein Problem.

SPORT1: Zuletzt haben Sie Ihren Vertrag bei RB verlängert. Täuscht das Gefühl, dass da eine Liebesbeziehung zwischen Ralf Rangnick und RB entstanden ist?

Rangnick: Ich fühle mich hier wirklich sehr wohl und habe auch eine hohe Jobzufriedenheit. Wir haben vor drei Jahren einen neuen Weg eingeschlagen und sind diesen bislang sehr konsequent und nachhaltig gegangen. Daran wollen wir festhalten und uns auch zukünftig weiterhin orientieren. 

SPORT1: Wie geht man in das erste Heimspiel der Saison gegen die SpVgg Greuther Fürth, die ebenfalls erfolgreich gestartet ist?

Rangnick: Wir freuen uns auf das erste Heimspiel in unserer Arena vor wahrscheinlich gut 25.000 Zuschauern. Diese Begegnungen unter Flutlicht haben immer einen besonderen Reiz. Für mich ist die Partie gegen Fürth schon ein kleines Spitzenspiel, gerade weil beide Mannschaften mit einem Sieg gestartet sind. Natürlich wollen wir vor heimischer Kulisse wieder eine gute Leistung zeigen und am Ende auch die drei Punkte bei uns behalten.

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