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Christian Streich Flüchtlinge SC Freiburg
Christian Streich trainiert den SC Freiburg seit 2011 © youtube.com/ScFreiburg

München - Freiburgs Trainer Christian Streich wird auf das Thema Flüchtlinge angesprochen. Er antwortet mit einem eindringlichen, emotionalen Appell ans Land.

Die Flüchtlinge sind das große Thema im Land.

Der Umgang mit den Menschen in Not aus Syrien und anderen von Krieg und Elend erschütterten Regionen bewegen die Politik, die Bevölkerung, längst auch den Fußball.

Vereine aller Liga engagieren sich, spenden, suchen nach den richtigen Zeichen und den richtigen Worten.

Auch Christian Streich, Trainer des Zweitligisten SC Freiburg, wurde bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld (2:2) zum Thema befragt. Er antwortete, wie es seine Art ist: ausführlich, emotional, politisch. Es wurde ein eindringlicher Appell ans ganze Land.

Streichs Appell: Begegnen, Ängste abbauen

"Jetzt geht es darum, dass man sich den Menschen öffnet, dass man sie empfängt, dass man Ängste abbaut", sagte Streich: "Es geht oft um die Angst vor dem Anderen und die Angst vor dem Fremden. Das kann man bei sich selbst beobachten. Es geht darum, andere Denkweisen kennenzulernen."

Und auch darum, "auf einen gewissen Wohlstand für eine Zeit zwar nicht zu verzichten, ihn aber umzuverteilen. Von Menschen, die mehr haben zu Menschen, die weniger haben".

"Wir alle waren mal Flüchtlinge"

Streich wandte sich vor allem gegen diejenigen, die die Ängste vor den Geflüchteten schüren.

Das seien "wahrscheinlich zu 80 bis 90 Prozent Menschen, die eine, zwei oder drei Generationen vorher selbst Flüchtlinge oder Vertriebene waren, die aus irgendwelchen Gegenden hierhergekommen sind. Aufgrund von Krieg, Arbeitslosigkeit oder Not."

Man müsse den Leuten klar machen: "Wir waren alle mal Flüchtlinge."

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Mainz 05 lud - wie viele andere Klubs - Ende August Flüchtlinge ins Stadion ein © Getty Images

Konkrete Wünsche an die Politik

Auch vor konkreten Wünschen an die Politik schreckte Streich nicht zurück. Man müsse "die Menschen, die zu uns kommen, arbeiten lassen. Und alles dafür tun, dass wir diese Menschen integrieren können. Denn wir brauchen diese Menschen unbedingt."

Wäre er in der Situation, "wenn man mich mit 30 Jahren nicht hätte arbeiten lassen und mich eingesperrt hätte mit vielen anderen Menschen, dann wüsste ich nicht, was ich gemacht hätte. Es wäre auf jeden Fall der Aggressionspegel gestiegen, es wäre zu Auseinandersetzungen gekommen. Und ich hätte mich geschämt, weil ich meinen Kindern nicht mal einen kleinen Roller hätte besorgen können."

"Glücklich, dass ich in Deutschland bin"

Von der Hilfsbereitschaft, die in Deutschland gerade zu erleben ist, zeigte Streich sich beeindruckt.

Er sei "sehr glücklich, dass ich in Deutschland bin. Ich kann mich über vieles, das in Deutschland gerade passiert, freuen."

Streich schloss mit der Feststellung, jetzt etwas wenig über Fußball geredet zu haben: "Aber es gibt ja auch Wichtigeres."

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