vergrößernverkleinern
Der Antrag von St. Pauli wird von den Zweitligisten diskutiert
Der FC St. Pauli sorgt mit einem brisanten Antrag für Aufsehen © Getty Images

Der Zweitligist will vier Bundesligisten von den Einnahmen aus der Fernsehvermarktung ausschließen. 96-Präsident Martin Kind spricht bei SPORT1 von einer unüberlegten Aktion.

Im deutschen Profifußball hat ein Vorschlag des Zweitligisten FC St. Pauli heftige Diskussionen ausgelöst.

Der Hamburger Traditionsklub hat nach Angaben des Fachmagazins kicker am 10. November den Antrag an den Ligaverband gestellt, die vier Bundesligisten VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen, Hannover 96 und 1899 Hoffenheim von der Verteilung der Einnahmen aus der Fernsehvermarktung sowie der Gruppenvermarktung (adidas-Ligaball, Hermes-Ballbote, Krombacher) auszuschließen.

Hannover, Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg erklärten wiederum mit Schreiben vom 19. November an die Deutsche Fußball Liga (DFL), dass St. Pauli mit diesem Antrag "die Aufkündigung der Solidargemeinschaft in der Bundesliga und 2. Bundesliga" betrieben habe.

Eine offizielle Stellungnahme seitens des FC St. Pauli zu dem Antrag gibt bislang nicht. "Es gibt kein Statement und wird auch voraussichtlich am Montag keines geben", sagte St. Paulis Medienchef Christoph Pieper auf SPORT1-Anfrage.

Kind: "Unüberlegter Antrag"

Hannovers Präsident Martin Kind erklärte, es sei "ein unüberlegter Antrag ohne die Probleme und Auswirkungen wirklich zu Ende zu überlegen", sagte Kind bei SPORT1: "Rechtlich geht es nach unserer Einschätzung sowieso nicht. Alle Vereine haben eine Lizenz, sind Gesellschafter der DFL. Ich weiß nicht, wie man die davon ausnehmen will."

Ein Ausschluss hätte weitreichende Konsequenzen, erklärte der 96-Boss. "Schlimmer in den Auswirkungen wäre, dass die Zentralvermarktung nicht mehr möglich wäre. Es würde dann zur Einzelvermarktung kommen. Es würde Gewinner geben, extrem Bayern München, und es würde Verlierer geben. Das wäre insbesondere die Zweite Liga, die kaum noch Chancen hat, sich selbst zu vermarkten", ergänzte Kind.

Klaus Allofs, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH, wollte sich am Sonntagabend auf SPORT1-Nachfrage nicht zum Thema äußern.

Der kicker druckt in seiner am Montag erscheinenden Print-Ausgabe in Auszügen die Originalschreiben.

Das vierseitige St.-Pauli-Schreiben war an Ligapräsident Reinhard Rauball und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert gerichtet.

St. Pauli verweist auf OVR-Paragraph

Unter Verweis auf § 17 Nr. 1 der Ordnung für die Verwertung kommerzieller Rechte (OVR) und das Bekenntnis des Ligaverbandes zur 50+1-Regel fordert der Millerntor-Klub, Vereine, die sich durch eine Ausnahmegenehmigung nicht an diese Regel halten müssen, "von der Verteilung der Einnahmen aus der Vermarktung von Spielen nach § 9 Nr. 1 auszuschließen".

Im ersten Zug wären die Werksklubs Wolfsburg (VW) und Leverkusen (Bayer) sowie Hoffenheim mit Eigner Dietmar Hopp betroffen. Ab 2017 wäre davon auch Hannover bedroht, das nach dem Engagement von Präsident und Unternehmer Kind über dann 20 Jahre von der 50+1-Regel auf entsprechenden Antrag hin ausgenommen werden kann.

Die betroffenen Klubs richteten wiederum ein dreiseitiges Schreiben an die DFL. "Sollte dieser Antrag – tatsächlich – ernst gemeint sein", brachten die Klubs ihr Erstaunen und ihr Unverständnis zum Ausdruck.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel