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Markus Kauczinski darf sich über den ersten Saisonsieg freuen
Markus Kauczinski ist seit März 2012 Cheftrainer beim Karlsruher SC © Getty Images

München - Vor dem Spiel in Nürnberg spricht der scheidende KSC-Trainer Markus Kauczinski im SPORT1-Interview über seine Zukunft und eine Parallele zum Abschied von Jürgen Klopp.

Markus Kauczinski arbeitet nun schon im 15. Jahr beim Karlsruher SC. Nachdem er für die Badener lange Zeit in der Jugendarbeit und mehrmals als Interimstrainer tätig war, hat er seit dem 26. März 2012 den Cheftrainer-Posten inne.

Doch damit ist bald Schluss. Der 45-Jährige verkündete zuletzt überraschend, dass er nach dieser Saison eine neue Herausforderung suchen will und den KSC verlassen wird. Vor dem Spiel beim 1. FC Nürnberg (ab 19.45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm, LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) spricht Kauczinski bei SPORT1 erstmals nach seiner Abschiedsankündigung über seine Zukunft und eine gewisse Parallele zum Abschied von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund.

SPORT1: Herr Kauczinski, der KSC ist seit fünf Spielen ungeschlagen, zuletzt gab es zwei Siege. Was ist der Hauptgrund für den Aufschwung?

Markus Kauczinski: Harte Arbeit. So einfach ist das. Man muss nicht viel, aber das richtige tun. Die Mannschaften des KSC haben sich in der Vergangenheit immer entwickelt. Von unseren Voraussetzungen und Möglichkeiten hier waren wir immer in der Mitte. Wir haben eine junge Mannschaft, hatten im Sommer einen Umbruch im Team, dann müssen die Dinge eben zusammen passen und es muss sich Stück für Stück entwickeln. Bei unseren Spielen kam immer ein Puzzleteil hinzu - und das ist jetzt nicht viel anders.

SPORT1: Was ist Ihr Ziel mit der Mannschaft?

Kauczinski: Man kann das nicht an Platzierungen ausmachen. Ich will die Leute einfach mit unserem Fußball begeistern und wünsche mir, dass wir das bis zum Sommer gemeinsam durchziehen. Ich will die 15 Jahre beim KSC zu einem richtig guten Ende bringen. Das wäre klasse. Das Ziel lautet guten und erfolgreichen Fußball zu spielen und den Weg, den wir gerade wieder eingeschlagen haben, weitergehen.

SPORT1: Inwieweit sehen Sie einen Zusammenhang zwischen den beiden Siegen und Ihrer Ankündigung, das im Sommer Schluss ist? Gibt es da einen Klopp-Effekt?

Kauczinski: Ob da ein Zusammenhang besteht, kann ich schwer sagen. Ich schließe es aber auch nicht aus. Es kam vieles zusammen, einiges hat am Saisonbeginn nicht gepasst, es war eine emotional schwierige Situation nach dem verpassten Aufstieg und der kurzen Sommerpause. Alle waren etwas erschöpft, Spieler gingen, neue kamen, die Erwartungen waren extrem hoch und von daher war es schwer, wieder reinzukommen. Meine Verkündung hat gezeigt, dass alles ein Ende hat und ich konnte ein Gefühl dafür wecken, dass es etwas Besonderes war. Mit einigen der Jungs arbeite ich schon drei Jahre zusammen, da wurde ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl wachgekitzelt und sensibilisiert.

SPORT1: Wie fühlen Sie sich jetzt, nachdem es alle wissen?

Kauczinski: Ich fühle mich durch die Ankündigung nicht befreit und auch nicht entspannt. Ich bin aber froh, dass jetzt klare Verhältnisse herrschen und jeder weiß, wo er dran ist, das finde ich ganz wichtig. Es kommt jedoch auch ab und an Wehmut hoch, weil wir einfach richtig gute geile Typen in der Truppe haben. Wenn ich sehe, wie sich z.B. ein Grischa Prömel entwickelt, dann weiß ich, dass das Team einen tollen Charakter hat.

SPORT1: Wie blicken Sie auf die Zeit in Karlsruhe zurück?

Kauczinski: Der Verein und die Stadt sind für mich Heimat geworden. Wenn ich zurückdenke an die Zeit, als ich damals von Schalke kam, dann weiß ich heute, dass der KSC und ich zusammen gehören. Es war ein langer und emotionaler Weg. Mein Sohn ist in Karlsruhe groß geworden. Er war zweieinhalb, als wir hier her kamen. Der KSC und die Stadt sind mehr als nur Arbeit und Arbeitsstätte. Ich habe einige kommen und gehen sehen, und ich hatte immer das Gefühl, dazuzugehören.

SPORT1: Gibt es schon konkrete Zukunftspläne?

Kauczinski: Im Jugendbereich sehe ich mich nicht wieder. Im Profifußball gibt es so spannende Aufgaben und je größer die Herausforderung, umso mehr kitzelt es mich. Ich habe aber noch keinen Plan, was ich ab Sommer machen werde. Es muss einfach passen für mich. Ich mache das von meinem Gefühl abhängig. Es muss vom Verein so rüberkommen, dass man mich mit Haut und Haaren wirklich will. Ich bin nach allen Seiten offen.

SPORT1: Sie wirken aber nicht so, als dass Sie sich auf Abschiedstour befinden.

Kauczinski: Der Alltag beim KSC und die Entwicklung der Mannschaft sind noch so spannend und wir sind in einer so guten Phase, wir haben sehr gute Dinge eingeleitet, das macht gerade total Spaß zu schauen, wo der Weg hingeht. Mich hat immer am meisten gereizt, aus einer schwierigen Situation herauszukommen und etwas Neues zu entwickeln - die Jungs da an die Hand zu nehmen, ist klasse.

SPORT1: Sie haben sich gewehrt gegen das Gerede, dass die Siege zuletzt gegen schwache Gegner zustande kamen.

Kauczinski: Das Gerede kann ich nicht mehr hören. Gegen jeden Gegner, gegen den wir gewonnen haben, heißt es oft, dass man gegen den gewinnen muss. Und wenn wir verloren haben, sind wir "zu blöd". Gegen Lautern haben wir ein konzentriertes Spiel gemacht mit wenig Räumen. Wir haben es dem FCK einfach schwer gemacht. Gegen uns ist es nicht leicht zu spielen, es liegt nicht immer nur an der Schwäche des Gegners, sondern das ist unsere Stärke, sich gut auf den Gegner einzustellen und als Mannschaft zu agieren und zu verteidigen. Das haben wir Stück für Stück entwickelt. Das war zu Beginn der Saison weggebrochen, jetzt ist es wieder da.

SPORT1: Nürnberg dürfte nicht ganz leicht werden, oder?

Kauczinski: Nürnberg wird eine schwere Aufgabe, aber jedes Spiel hat seine Tücken und Eigenheiten. Ich beschäftige mich aber nicht so sehr mit dem Club. Ich habe sie mir abgeschaut, um zu wissen, wie wir uns einstellen müssen - aber ich kann nicht sagen, inwieweit Nürnberg hinter ihren Erwartungen zurück hängt. Ich beschäftige mich mit meinem Team, will einen Plan entwickeln.

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