vergrößernverkleinern
Wer schafft den Aufstieg? (v.l.) Gertjan Verbeek (VfL Bochum), Torsten Lieberknecht (Eintracht Braunschweig), Rene Weiler (1. FC Nürnberg), Ralf Rangnick (RB Leipzig), Christian Streich (SC Freiburg), Ewald Lienen (FC St. Pauli) und Alois Schwartz (SV Sandhausen) © SPORT1-Grafik: Gabriel Fehlandt/Getty Images/Imago

München - Die Zweite Liga erwacht aus dem Winterschlaf, das Rennen um die ersten drei Plätze ist eng wie nie. Vorm Neustart spricht SPORT1 mit den Trainern der Aufstiegskandidaten.

Es geht wieder los! Am Freitag erwacht die erstklassige Zweite Liga, so das Motto bei SPORT1, aus dem Winterschlaf.

Gleich zum Start (ab 18.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) geht es mit einem Hit los, wenn der Sechste VfL Bochum den Tabellenzweiten SC Freiburg empfängt.

Vor dem Neustart standen die Trainer der sieben aussichtsreichsten Aufstiegsanwärter SPORT1 im Interview Rede und Antwort. 

SPORT1: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die restlichen 15 Saison-Spiele?

Christian Streich (SC Freiburg): Die Leute sollen gern zu uns ins Stadion kommen und hinterher sagen, nächstes Mal bin ich wieder da. Wenn uns das gelingt, sind wir auch sportlich auf einem guten Weg. Wir müssen noch kompakter werden, die Balance zwischen Defensive und Offensive besser hinkriegen. (Die Tabelle der Zweiten Liga)

Torsten Lieberknecht (Eintracht Braunschweig): Wir wollen versuchen, unseren großen zu Saisonbeginn eingeleiteten Umbruch positiv fortzuführen.

Ralf Rangnick (RB Leipzig): Wir müssen in jeder Partie eine Top-Leistung abrufen. Es gab in der Hinrunde enge Spiele, die wir mit nur einem Tor Differenz gewonnen haben. Auch in den verbleibenden Begegnungen wird es kein Selbstläufer. Wir wissen, dass uns nichts geschenkt wird.

(Ergebnisse und Spielplan der Zweiten Liga)

Gertjan Verbeek (VfL Bochum): Meine Erfahrungen in Deutschland haben gezeigt, dass die meisten Vereine nach der Winterpause aufs pure Ergebnis spielen wollen. Insofern erwartet uns viel Arbeit, zumal unser Auftaktprogramm nicht ohne ist: gegen Freiburg, in Nürnberg und bei 1860, dazwischen das Pokalspiel gegen Bayern.

SPORT1: Herr Rangnick, RB ist großer Favorit auf den Aufstieg. Haben Sie Sorge, dass es am Ende doch noch schief geht?

Rangnick: Wir beschäftigen uns nicht mit negativen Szenarien, sondern konzentrieren uns voll und ganz auf den Start. Wir haben uns eine gute Ausgangposition erarbeitet. Nun geht es darum, diese zu verteidigen und sogar noch auszubauen. Die Entwicklung unserer jungen Mannschaft stimmt mich absolut positiv, aber auch hier sind wir noch nicht am Limit"

SPORT1: Trennen den Sportclub nur noch 15 Spiele von der Bundesliga, Herr Streich?

Streich: Man wird von mir nicht den Satz hören: Wir müssen unbedingt aufsteigen. Ich empfinde den Druck auch nicht übergroß. Das hängt auch mit unseren Erfahrungen im Abstiegskampf der ersten Liga zusammen, wo es in jedem Spiel immer hart an der Kante ist für uns.

SPORT1: Auch der Club darf vom Aufstieg träumen, Herr Weiler...

ReneWeiler (1. FC Nürnberg): Der dritte Platz ist eine schöne Momentaufnahme, mehr nicht. Ich sehe noch sechs bis sieben weitere Teams, die sich darum bemühen, oben anzuklopfen. Bis zu einem möglichen Aufstieg ist es noch ein weiter Weg.

SPORT1: Einen guten Weg hat auch St. Pauli eingeschlagen, Herr Lienen. Was macht Hoffnung, dass es mit dem Aufstieg klappt?

Ewald Lienen (FC St. Pauli): Die Frage suggeriert, dass ich mich mit dem Aufstieg beschäftige. Wir sind froh über die aktuelle Tabellensituation und werden alles tun, um weiter erfolgreich zu sein. Ich glaube, es ist kontraproduktiv ist, wenn man drüber spricht - ob es klappt oder nicht.

SPORT1: Welche Erwartungen hegen Sie dann?

Lienen: Wir wollen so schnell wie möglich 40 Punkte holen. Mit Erwartungen tue ich mich schwer. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit und auf die Dinge, die ich beeinflussen kann.

SPORT1: Herr Schwartz, der SVS war die Überraschung in den ersten 19 Spielen. Was sind nun Ihre Vorgaben?

Alois Schwartz (SV Sandhausen): Wir wollen an das Jahr 2015 anknüpfen, weiter als Mannschaft auftreten und versuchen, immer nahe an 100 Prozent heranzukommen. Wenn uns das gelingt, dann wird sich das in den Ergebnissen spiegeln.

SPORT1: Der Aufstieg war nie das erklärte Ziel in Bochum. Die ersten beiden Plätze scheinen mit RB Leipzig und Freiburg vergeben zu sein. Wäre der VfL reif für Platz drei?

Verbeek: Das wird man sehen. Dass wir eine Mannschaft haben, die um die oben mitspielen kann, hat man schon in der Hinrunde gesehen. Wir haben die Qualität, um es mit jeder Mannschaft aufzunehmen. Ein Rückstand von fünf Punkten auf Platz drei ist noch aufzuholen. Und wenn es am Ende noch zwei Spiele mehr werden sollten, werden wir die genauso angehen.

SPORT1: Sie gehen mit großen Personalsorgen ins Rennen, Herr Streich.

Streich: Nils Petersen ist am ersten Tag des Trainingslagers umgeknickt, Maximilian Philipp und Marc-Oliver Kempf am vorletzten Tag. Mike Frantz wurde operiert, Kapitän Julian Schuster auch. Dazu kommen die Ausfälle von Lukas Kübler, Mats Möller-Daehli oder Tim Kleindienst. Aber wir müssen jetzt damit umgehen und in kurzer Zeit Lösungen finden.

SPORT1: Inwieweit kann Havard Nielsen Petersen ersetzen?

Streich: Es ist sehr wichtig, dass Havard dazu gekommen ist. Er ist ein ehrgeiziger Typ, hatte aber zuletzt keine so gute Zeit in Salzburg. Wir müssen jetzt Ruhe ausstrahlen und ihm Zeit geben. Das gilt natürlich auch für Florian Niederlechner, der uns mit seiner Robustheit gut tun kann. Grundsätzlich ging es bei den Verpflichtungen aber auch darum, den Kader nicht aufzublähen, das ist gefährlich für die Gruppe.

SPORT1: Herr Weiler, wo sehen Sie Stärken und Schwächen?

Weiler: Entscheidend für unsere Serie zuletzt war, dass wir defensiv stabil standen und wenige Gegentore zugelassen haben. Dies gilt es aufrechtzuerhalten und auch offensiv unberechenbar für unsere Gegner zu sein. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben.

SPORT1: Mit Alessandro Schöpf wechselte Ihr Top-Mann zum FC Schalke.

Weiler: Grundsätzlich freuen wir uns, wenn wir eine junge Karriere beim 1. FC Nürnberg entscheidend begleiten dürfen. Wir wussten von Anfang an, dass sein Fehlen nicht von heute auf morgen kompensiert werden kann. Man kann die Aufgaben aber auf mehrere Schultern verteilen.

SPORT1: Was soll Freiburger Trumpfkarte sein?

Streich: Die positive Vorrunde war nicht unbedingt zu erwarten. Wir haben oftmals gut gespielt, das Sozialverhalten innerhalb der Mannschaft ist außergewöhnlich, es macht Freude, mit diesen Charakteren zu arbeiten . Wir haben eine sehr junge und lernwillige Mannschaft.

SPORT1: Welches Ass haben Sie im Ärmel, Herr Verbeek?

Verbeek: Wir werden von unserer Spielphilosophie nicht abweichen und weiter auf Offensive und Ballbesitz setzen. Wenn man einen klaren Plan hat und den festen Willen zu gewinnen, ist man unglaublich schwer zu besiegen.

SPORT1: Wie lautet der Plan?

Verbeek: Wir haben in der Winterpause einige Dinge verändert. Im Trainingslager hatten wir einen Sportpsychologen dabei. Die Mannschaft hat sich klar positioniert, will mit aller Macht noch mal oben angreifen.

SPORT1: Was ist die große Stärke Ihrer Mannschaft, Herr Lienen?

Lienen: Unsere Stärke war es im Klassenkampf des Vorjahres, als Einheit aufzutreten. Da haben wir gesehen, was möglich ist. Das haben wir uns bewahrt.

SPORT1: Und in Leipzig?

Rangnick: Wir haben einen sehr guten Teamspirit und Zusammenhalt, wie ich ihn noch nicht oft erlebt habe. Alle sind erfolgshungrig, spielfreudig und wollen aufsteigen

SPORT1: Das Zauberwort im Hardtwald heißt sicherlich mannschaftliche Geschlossenheit.

Schwartz: Unsere große Trumpfkarte ist und bleibt, dass wir eine charakterstarke Mannschaft haben.

SPORT1: Was soll weiter die große Trumpfkarte in Braunschweig sein?

Lieberknecht: Unsere Spielidee und deren Weiterentwicklung sowie Mannschafts- und Vereinszusammenhalt.

SPORT1: Und was ist mit dem Aufstieg?

Lieberknecht: Wir befinden uns in einer Tabellenregion, die viele Menschen davon träumen lässt. Wir wollen allerdings nicht zu den Träumern gehören.

SPORT1: Wer sind also die Favoriten auf den Aufstieg und wer könnte noch eine Überraschung sorgen?

Weiler: Leipzig und Freiburg spielen sehr stabil und werden aufsteigen. Das Feld dahinter liegt sehr dicht beieinander. Es wird bis zuletzt spannend bleiben, wer am Ende ganz oben steht.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel