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Der Präsident des SC Paderborn begründet die Entlassung von Trainer Stefan Effenberg mit bemerkenswerten Worten. Auch seine eigene Rolle sieht er äußerst kritisch.

Zweitligist SC Paderborn hat sich mit sofortiger Wirkung von Trainer Stefan Effenberg (47) getrennt. "Die Situation war unerträglich", erklärte Präsident Wilfried Finke am Donnerstag auf einer Pressekonferenz: "Ich habe das Fass überlaufen gespürt." 

Effenberg, der das Amt Mitte Oktober übernommen hatte, war am Mittwochabend in einem Gespräch mit Finke über die Entscheidung informiert worden. "Die Symbiose Effenberg-Paderborn ist nicht gelungen", sagte der Klub-Präsident, "die Ergebnisse, die wir erwartet haben, sind nicht gekommen."

Vor allem die mediale Berichterstattung setzte dem Boss stark zu. "Ihr werdet es kaum glauben - ich habe nachgedacht. Die mediale Begleitung auf den nicht-sportlichen Feldern war für mich zum Schluss unerträglich. Die Inhalte waren alle negativ. Angefangen von Penis-Affäre, Führerschein-Entzug, fehlende Trainer-Lizenz. Ich konnte das nicht mehr ertragen, dass der SC Paderborn so dasteht."

Als Nachfolger präsentierte Paderborn am Donnerstagnachmittag Rene Müller, bislang Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Der 41-Jährige, schon zweimal Interimstrainer, soll nicht nur am Samstag (ab 12.45 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm) gegen die SpVgg Greuther Fürth, sondern langfristig auf der Bank sitzen. In einer ersten Amtshandlung holte Müller den von Effenberg suspendierten Mahir Saglik in den Kader zurück.

Nach einem positiven Start mit Siegen gegen Eintracht Braunschweig und bei Union Berlin (beide 2:0) blieben unter Effenberg die Ergebnisse allerdings aus, dem Scheitern in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Borussia Dortmund (1:7) folgten zwölf Ligaspiele ohne Sieg. Am Dienstag war der SCP nicht über ein 0:0 beim Karlsruher SC hinausgekommen.

Dem früheren Bundesligisten Paderborn droht damit mehr denn je der Absturz in die 3. Liga. Nach 24 Spieltagen belegt der Klub als Tabellen-17. (19 Punkte) einen direkten Abstiegsplatz.

Finke hatte Effenberg noch im Februar den Rücken gestärkt und dem früheren Nationalspieler eine Jobgarantie sogar für den Abstiegsfall ausgesprochen. "Wir halten an ihm fest. Dafür nehmen wir notfalls auch den Abstieg in Kauf", hatte Finke nach dem 1:1 im Ostwestfalenderby bei Arminia Bielefeld am 21. Februar gesagt.

Auch seine eigene Rolle hinterfragte Finke kritisch: "Ich habe mich in der Art meiner Außendarstellung nicht ganz wohl gefühlt. Die Job-Garantie habe ich ihm gegeben, damit er in Ruhe arbeiten kann. Wenn ich aber eine Woche später mit dem nächsten Problem - fehlende Trainer-Lizenz - konfrontiert werde, habe auch das Recht, diese Garantie zurückzuziehen. Ich denke, das ist legitim.“

Effenbergs Amtszeit war neben der sportlichen Erfolglosigkeit auch von Negativ-Schlagzeilen abseits des Rasens begleitet. Im Januar hatte die "Penis-Affäre" um Stürmer Nick Proschwitz im Trainingslager im türkischen Belek für Wirbel gesorgt. Erst Anfang der Woche wurde bekannt, dass Effenberg aktuell nicht über die gültige Trainerlizenz verfügt.

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