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Hätte nach Meinung von Christian Beeck früher gehen müssen, Kaiserslauterns Vorstandschef Stefan Kuntz © SPORT1 Grafik: dpa Picture-Alliance

In seiner Kolumne analysiert SPORT1-Experte Christian Beeck die chaotische Situation beim 1. FC Kaiserslautern. Für ihn kam die Entlassung von Stefan Kuntz zu spät.

Hallo Zweitliga-Freunde,

beim 1. FC Kaiserslautern regiert das Chaos: Die Saisonziele haben die Pfälzer bereits verfehlt, und auch abseits des Platzes rumort es ordentlich. Das Durcheinander gipfelte nun in der vorzeitigen Entlassung von Vorstandchef Stefan Kuntz.

Der Aufsichtsrat hatte sich im Januar mit Kuntz auf eine Trennung zum Saisonende geeinigt. Nun hat man jedoch ganz offensichtlich festgestellt, dass es wenig Sinn macht, so lange zu warten. Wäre Kuntz tatsächlich bis zum Ende der Spielzeit geblieben, hätten die Lauterer nicht richtig für die nächste Saison planen können.

Im Grunde kommt Stefan Kuntz' Entlassung sogar zu spät. Denn wenn du weißt, dass du in der neuen Saison nicht mehr zusammenarbeitest und der Verein aktuell keine großen Ziele mehr erreichen kann, ist eine Zusammenarbeit nicht mehr zielführend. Man hätte den Schnitt schon früher wagen sollen.

Die Einsetzung eines kommissarischen Vorstandchefs sehe ich zwiegespalten: Auf der einen Seite hat die Führungsriege nun genügend Zeit, einen dauerhaften Nachfolger für Stefan Kuntz zu finden. Andererseits muss sich der Aufsichtsrat ranhalten, weil die Planungen für die kommende Saison eigentlich schon längst hätten anlaufen müssen.

Unsicher bin ich mir darüber, wie Lautern in der kommenden Zweitligasaison abschneiden wird. Auch wegen der Übergangslösung auf dem Posten des Vorstandchefs und den daraus resultierenden Schwierigkeiten bei der Planung glaube ich nicht, dass sich der FCK auf eine erfolgreichere Saison einstellen kann. Ich glaube sogar fast, dass es vom Ergebnis her noch ein bisschen schlimmer wird als in der aktuellen Spielzeit.

Um sportlich wieder in die Spur zu finden, muss eine klare Aufgabenstruktur her. Es braucht einen starken Sportlichen Leiter und einen unanfechtbaren Trainer - gerade in der Pfalz. Es muss eine Mannschaft zusammengebaut werden, die zwar große Qualität hat, aber dennoch nicht den finanziellen Rahmen sprengt. Anschließend muss Vollgas gegeben werden - vom ersten bis zum letzten Tag.

Ob Konrad Fünfstück der richtige Trainer für einen Neuanfang ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu beurteilen. Nach dem Aus von Stefan Kuntz wird es darauf ankommen, wie viel Rückhalt er von den neuen Protagonisten bekommt, um dann wieder als gestärkte Person mit der Mannschaft zu arbeiten.

Entscheidend ist, dass die Mannschaft immer alles gibt. Wenn der Trainer jedoch in der öffentlichen Wahrnehmung angeschlagen dasteht, wird das immer schwieriger. Deshalb ist es wichtig, dass die Verantwortlichen Fünfstück nun intensiv den Rücken stärken, das Vertrauen aussprechen und ihn in die Planungen einbeziehen.

Passiert das nicht, wird es schwierig für ihn, sich dauerhaft als Chefcoach in der Pfalz zu behaupten.

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck das Geschehen rund um die Zweite Liga.

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