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So jubelt ein erfolgreicher Trainer: Olaf Janßen hat beim VfB Stuttgart einen Vertrag bis 2018

München - Olaf Janßen schafft als Interimscoach des VfB zwei Siege aus zwei Spielen und muss dennoch für Hannes Wolf Platz machen. Jetzt spricht Janßen bei SPORT1.

Olaf Janßen hat alles richtig gemacht.

Nach dem Chaos-Rücktritt von Jos Luhukay beim VfB Stuttgart übernahm der 49-Jährige die Mannschaft in einer schwierigen Situation.

Aus zwei Spielen holte Janßen zwei Siege. Dennoch musste er seinen Platz wieder räumen. Sein Nachfolger: Hannes Wolf.   

Im SPORT1-Interview spricht Janßen über seine Mission bei den Schwaben, Luhukay, Wolf - und seine Zukunft. 

SPORT1: Herr Janßen, wie blicken Sie auf die vergangene Woche zurück?

Olaf Janßen: Mit großer Freude. Es war eine nicht zu steigernde Stess-Situation. Für mich als Trainer, aber noch viel mehr für die Spieler. Sie wussten, es kommt eine Woche später ein neuer Trainer und trotzdem sind sie meinem Weg bedingungslos gefolgt. Dass sie das so eindrucksvoll gemacht haben, erfüllt mich mit Stolz und deshalb bleiben nur positive Gedanken an die vergangene Woche.

SPORT1: Sie sind vor der Saison erst zum VfB gekommen, wie enttäuscht sind Sie jetzt, dass es schon wieder vorbei ist?

Janßen: Gar nicht. Weil es so von Anfang an kommuniziert wurde. Es wurde mir unmittelbar nach dem Rücktritt von Jos Luhukay gesagt, dass ein neuer Cheftrainer kommt, egal was ich mit der Mannschaft erreichen werde. Es war klar abgesprochen und ich habe trotzdem versucht, unter diesen Voraussetzungen in der Kürze der Zeit das Maximale zu erreichen und meinem Nachfolger das Feld bestmöglich zu übergeben.

SPORT1: Hat Jos Luhukay auch Fehler gemacht?

Janßen: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich mir nur unter Jos Luhukay vorstellen konnte, als Co-Trainer zu arbeiten. Das hat sich in der Zusammenarbeit bestätigt. Er ist ein besonderer Mensch und Trainer. Es gab keine Sekunde, in der ich daran gezweifelt hätte, am richtigen Platz zu sein. Er hat mir immer das Gefühl gegeben, dass ihm meine Meinung besonders wichtig ist. Zum Thema Fehler: Jeder Trainer muss jeden Tag 1000 Entscheidungen treffen, keiner ist vollkommen, aber eines kann ich sagen: Jos Luhukay hat alle Entscheidungen nach besten Wissen und Gewissen getroffen, ohne sich zu wichtig zu nehmen, sondern nur unter dem Gesichtspunkt, was das Beste für die Mannschaft ist.

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SPORT1: Luhukay hat auf die Abfindung verzichtet. Zeigt das seinen starken Charakter?

Janßen: Absolut. Jos hat seine Entscheidung getroffen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was er tun müsste, um wirtschaftlich das Beste herauszuholen. Er hat in jeder Sekunde nur eines im Sinn gehabt, nämlich den VfB Stuttgart.

SPORT1: Das Verhältnis zwischen Jos Luhukay und Jan Schindelmeiser war nicht gut. Hatten Sie kein Problem hinsichtlich der Loyalität zu Luhukay?

Janßen: Niemals. Es war für mich eine Selbstverständlichkeit, nachdem Jos Luhukay sein Amt niedergelegt hatte, zuerst mit ihm zu sprechen als die Anfrage des VfB kam, ob ich es interimsmäßig machen will. Er hat mich ermutigt, diese kurze Aufgabe zu übernehmen, weil er der Meinung war, dass ich der Beste wäre in dieser Situation. Danach bin ich mit Freude an diese Aufgabe herangegangen.

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SPORT1: Sie sind ein akribischer Arbeiter, Christian Beeck lobte in seiner Kolumne Ihre Qualität. Wie sehr hat Sie die Zeit beim VfB weiter gebracht?

Janßen: Unendlich viel. Als Trainer sucht man immer nach der optimalen Lösung. Wenn ich bedenke, wo ich die Mannschaft abgeholt habe, bin ich zufrieden. Denn sie wussten, dass ich eine Woche später wieder weg sein würde und sie sind mir dennoch bedingungslos gefolgt, was mir als Mensch und Trainer das Gefühl gegeben hat, dass ich auf einem guten Weg bin. Ohne diese Woche hätte ich zwar auch kein schlechtes Gefühl gehabt, aber durch diese Woche fühle ich mich mehr als bestätigt.

SPORT1: Sie haben in der einen Woche zwei Zu-Null-Siege eingefahren. Damit haben Sie dem neuen Trainer Hannes Wolf ein ziemlich schweres Erbe hinterlassen, oder?

Janßen: (lacht) Hannes Wolf übernimmt die Mannschaft auf einem Aufstiegsplatz, sie ist auf einem positiven Weg und sie hat extreme Qualität, die sie aufgrund von verschiedenen Gründen noch nicht gänzlich zeigen konnte. Natürlich ist es so, dass Hannes Wolf auch Zeit braucht, seine Gedanken als Trainer auf diese Mannschaft zu projizieren. Aber ich bin jetzt davon überzeugt, dass am Ende der Aufstieg stehen wird.

SPORT1: Sie hatten am Mittwoch ein Gespräch mit Wolf. Wie ist Ihr Eindruck von ihm?

Janßen: Absolut positiv. Er ist motiviert und hungrig. Und er hat klare Ideen. Als Kollege hoffe ich, dass man ihm die Zeit gibt, seine Persönlichkeit in diese Mannschaft hineinzubringen. In der Ruhe liegt die Kraft, mein Trainerbauch sagt mir, dass es in eine gute Richtung gehen wird.

SPORT1: Sie haben bis 2018 Vertrag beim VfB. Wie geht es nun für Sie weiter?

Janßen: Ich werde bald 50 und weiß, dass ich Trainer durch und durch bin. Die Verantwortlichen des VfB Stuttgart haben mir mehr als eindeutig gezeigt, wie sehr sie meine Arbeit schätzen und dass man mich trotz meines Wunsches, als Trainer arbeiten zu wollen, weiter an den verein binden möchten. Das empfinde ich als große Wertschätzung. Ich bin dankbar dafür und werde bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich einen neuen Trainerjob annehmen werde, dem Verein als Scout zur Verfügung stehen. Ich fühle mich gegenüber dem Klub und den unglaublichen Fans des VfB verpflichtet. Sie haben mir in dieser extrem kurzen Zeit signalisiert, wie sehr sie meine Arbeit schätzen.

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