vergrößernverkleinern
Ewald Lienen ist seit Dezember 2014 Trainer des FC St. Pauli
Ewald Lienen ist seit Dezember 2014 Trainer des FC St. Pauli © Getty Images

Ewald Lienen ärgert die Haltung von DFB und DFL zu politischen Statements im Stadion. Der Pauli-Coach erklärt zudem, was er am liebsten mit Wutbürgern machen würde.

Für Trainer Ewald Lienen vom FC St. Pauli ist der Fußball in Deutschland zu unpolitisch. Dem 63-Jährigen missfällt, dass DFB und DFL politische Äußerungen und Banner in den deutschen Stadien kritisch sehen.

Lienen sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Mit welchem Recht will der DFB oder die DFL einem Klub untersagen, sich politisch zu äußern? Mit welchem Recht kann jemand sagen: Hier im Stadion dürfen bestimmte Plakate nicht aufgehängt werden? Es ist offensichtlich, dass dies nur aus Eigenschutz geschieht, um die wirtschaftliche Ausbeutung nicht zu gefährden. Nur deswegen will der Fußball unpolitisch sein."

"Riesengroße Verantwortung"

Der Fußball habe "eine riesengroße Verantwortung", findet Lienen: "Wir fragen uns doch: Wer interessiert sich überhaupt noch für Politik? Wer ist bereit, diese Demokratie zu verteidigen? Wie viele Jugendliche gehen noch auf die Straße? In welche Richtung geht die Gesellschaft? Und dann sagen die Verbände, wenn sich jemand politisch und demokratisch vernünftig äußern will - das wollen wir nicht!"

Der Pauli-Coach glaubt, dass in den Verbänden die finanziellen Interessen an erster Stelle stehen: "Es geht doch nur darum, dieses Produkt klinisch reinzuhalten, damit man nicht irgendein Sponsorentum gefährdet."

Lienen erklärte: "Die Verbände sind nicht nur hochpolitische Organisationen, der deutsche Fußball hat auch eine große politische Verantwortung für das eigene Land. Diese Verantwortung müssen DFB und DFL erkennen und sehen: Gesellschaftspolitisch läuft was in die falsche Richtung."

Lienen schimpft über Wutbürger

Der frühere Stürmer macht sich Sorgen über das Erstarken des Rechtspopulismus: "Überall laufen in westlichen Ländern die Rechtspopulisten rum, und wir sind gerade im Begriff, die einfachen Leute auf der Straße zu verlieren."

Video

Lienen weiter: "Es gibt Wutbürger, die ich gerne irgendwohin schicken würde, wo sie wirklich Grund hätten, Wut zu haben. Das sind Leute, die null Komma null Vorstellung davon haben, was es bedeutet, etwa in Rumänien zu leben. Oder in einem Kriegsgebiet. Denen geht es hier im Vergleich zu 80 Prozent der Menschheit gut - trotzdem sind sie auf der Straße und bereit, unsere Demokratie zu opfern."

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel