Frankfurt am Main und München - Tim Wiese geht bei der WWE in seiner Rolle auf. Noch gibt es aber nur Indizien dafür, dass er dauerhaft aufs Wrestling umsattelt.

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Von Martin Hoffmann und Martin Quast

Tim Wiese ist schon voll drin in seiner Rolle, auch nachher, hinter den Kulissen.

"Auf einmal wurde ich aufgefordert. War nicht geplant", sagte er auf SPORT1-Nachfrage zu seinem Auftritt bei der WWE in Frankfurt, seinem ersten im Wrestlingring.

Als "Gastzeitnehmer" war er angekündigt worden, doch Goldust und Stardust, die beiden Bösewichte, hatten ihn zum Kampf aufgefordert.

Also zog Wiese seine Lederjacke aus, stieg auf die Matte... aber kurz bevor es zum Äußersten hätte kommen können, waren die guten Jungs dazwischen gegangen. Also konnte Tim Wiese mit ihnen feiern, statt Hand anlegen zu müssen.

Nicht geplant? Wer's glaubt.

"Das wollen die Leute doch sehen"

Wrestling ist Show, die Kämpfe abgesprochen, jeder weiß es. Aber es ist nun mal nicht Job der Beteiligten, das auszusprechen und dem Publikum den Spaß zu verderben.

Und Tim Wiese hatte selbst eine Menge Spaß. "Es war doch eine geile Show", fand er, "das wollen die Leute doch sehen".

Tatsächlich wollten viele Leute sehen, wie der ehemalige Nationaltorhüter den Ring enterte. Die Resonanz in der Halle, im Netz, in den Medien: gewaltig.

Offen ist nur weiterhin die Frage, ob ihr Vergnügen ein einmaliges bleibt ? oder ob Wiese die Idee mit der Zweitkarriere im Ring tatsächlich durchzieht.

Diskretion bei Wiese und der WWE

"Das weiß ich noch nicht, mal schauen", sagt Wiese auf SPORT1-Nachfrage. Während die WWE bei Presseanfragen auf Wieses noch immer laufenden Vertrag mit 1899 Hoffenheim verweist - wie auch Wiese selber.

Es läuft bei der WWE also nicht anders, wie es auch bei Transfers im Fußball läuft. Offen geredet wird erst, wenn alles geregelt ist.

Bis dahin ist man diskret.

Tryout schon absolviert?

Offen redet stattdessen nur ein ehemaliger hochrangiger Angestellter der Wrestlingliga.

"Ich war bei seinem Tryout. Viel Charisma, hoffnungsvoll", twitterte am Samstag Jim Ross, früherer Talentkoordinator und Kommentator der WWE.

Stimmt das, hat Wiese sein offizielles Vorkämpfen schon hinter sich, das wäre eine Neuigkeit.

Einige Fans mutmaßen jedoch, Ross könnte sich vertan haben und Wiese mit dem früheren englischen Fußballtorwart Stuart Tomlinson verwechselt haben ? der im vergangenen Jahr bei der Liga unterschrieb, als der in Ruhestand getretene Ross noch hinter ihren Kulissen aktiv war.

Ein Zugpferd für den deutschen Markt

Ob Irrtum oder nicht: Man darf inzwischen sicher davon ausgehen, dass die WWE Wiese verpflichten will.

Deutschland ist ein wichtiger Markt für das Unternehmen, ein über die Nische hinaus bekannter Star wie Wiese wäre ein ideales Zugpferd ? wie die vielen positiven Reaktionen am Wochenende bestätigt haben.

Dass Wiese keinerlei Erfahrung im Schaukampfgewerbe hat? Aus WWE-Sicht unwichtig. Es ist ihr Selbstverständnis, jeden Anfänger so auszubilden, dass er für ihr (allgemein recht kritisches) Publikum präsentierbar wird.

Es hängt an Wiese

Es hängt also an Wiese selbst, ob er sich auf das Wagnis einlässt.

Dass er schon jetzt voll drin in der Rolle zu sein scheint, können die Fans des Showkampfs womöglich als ermutigendes Zeichen sehen.

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