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"Dann scheint es, als unterstützen sie solche Aktivitäten": Zlatan Ibrahimovic hat einen Elch erlegt
"Dann scheint es, als unterstützen sie solche Aktivitäten": Zlatan Ibrahimovic hat einen Elch erlegt © getty

Zlatan Ibrahimovic hat einen 500 Kilogramm schweren Elch erlegt. Klingt beeindruckend, wirft aber schwierige Fragen auf.

Tierschützer, muss man sagen, sind auch nicht mehr so ganz das, was sie einmal waren.

Man bekommt zumindest den Eindruck, wenn man in diesen Tagen die Meldungen studiert, die unter den Schlagzeilen stehen, die vom "Zoff mit Tierschützern" künden, den ein berühmter Fußballspieler gerade auszutragen habe.

Zlatan Ibrahimovic, erfährt man hierbei, hat jüngst einen Elch geschossen, 500 Kilo schwer, erlegt mit nur einem Schuss.

Bo Sköld, Präsident des schwedischen Jagd-Verbandes, ist begeistert, wie zu lesen ist. Camilla Björkbom, eine Vertreterin des schwedischen Tierschutzverbands, dagegen weniger. Zoff deshalb also.

Wobei die Frage ist, ob man hier wirklich von einem Zoff sprechen kann.

"Es ist immer problematisch, wenn berühmte Leute so etwas machen", hält Tierschützerin Björkbom fest: "Dann scheint es, als unterstützen sie solche Aktivitäten."

Eine recht vorsichtige Kritik, wenn man bedenkt, dass das Töten eines Elches ein vergleichsweise deutliches Zeichen dafür ist, dass Zlatan Ibrahimovic die Aktivität des Elchtötens prinzipiell zu unterstützen scheint.

Aber gut: Wer weiß, wie viel es gebracht hätte, wenn die Tierschützerin dem Pariser Stürmer etwas dare-to-zlatan-mäßiger entgegengetreten wäre.

Das Töten von Elchen ist schließlich eine Angewohnheit, die sich die Menschheit schon seit langer Zeit nicht abgewöhnen lässt.

Schon Julius Cäsar, eine Art Zlatan Ibrahimovic zu Zeiten, als der AS Rom noch ein fußballerisches Weltreich beherrschte, beschrieb in seinen Aufzeichnungen die Jagd nach den stolzen Tieren.

Elche, behauptete Cäsar, hätten keine Kniegelenke und müssten sich deshalb zum Schlafen gegen Bäume lehnen. Die Germanen würden diese Bäume deshalb ansägen, die Elche wären dann mit ihnen umgefallen und leichte Beute gewesen.

Diese Theorie ist später im sogenannten Elchtest wissenschaftlich widerlegt worden, die Jagd auf die weltgrößte Hirschart blieb aber ein Thema.

Professor Wladimir Heptner und Dr. Andrej Nasimowitsch berichten in ihrem Standardwerk "Der Elch" (Alces alces L.; Neue Brehm-Bücherei 386), dass besagte Hatz in einigen Weltgegenden einst als gefährlicher galt als die nach Bären.

Wo ein Bär vor Erfindung notfalls auch mit einem Dolch niederzustrecken war, hätte man im Nahkampf mit einem ausgewachsenen Alces alces da keine Chance: zu kräftig, zu schnell die Huf-Attacken, mit denen Elchjäger da zu rechnen hatten.

Mit der Erfindung der Schusswaffen hat sich dieses Problem relativiert, auch Zlatan Ibrahimovic hat sich dies zunutze gemacht - auch wenn sicher nicht daran zu zweifeln ist, dass Ibrahimovic auch den unbewaffneten Kampf gegen einen ausgewachsenen Elch gewonnen und ihn mit einem gezielten Fußschlag niedergestreckt hätte.

Auch in diesem Fall jedoch wäre die von den Tierschützern aufgeworfene Streitfrage unbeantwortet geblieben: Wie ist die Aktivität des Elchetötens moralisch zu bewerten?

Leichtfertig sollte man hier nicht urteilen: Elche richten in der großen Zahl, in der sie in Schweden vorkommen, schwere Schäden an der Natur an. Ihr Leben ist also abzuwägen gegen das der Lebewesen, das ansonsten von ihnen zerstört würde.

Andererseits: Der Mensch an sich hat in seiner Geschichte auch einiges an Beschädigung der Natur zu verantworten - und sanktioniert sich selbst dafür weit weniger scharf als den Elch.

Verständlich, einerseits. Andererseits hat der große Satiriker und Titanic-Mitbegründer F. W. Bernstein schon einen richtigen Punkt erfasst, als er dichtete: "Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche."

Es gibt also wie so oft viele Wege, das Problem des Elchtötens zu betrachten - einigen kann man sich am Ende wohl nur auf die Feststellung, dass man als Mensch, der es zu entscheiden hat in der glücklicheren Position ist als der, der die Folgen der Entscheidung zu tragen hat.

Selbst dann, auch diese Wahrheit muss man so aussprechen, wenn man der Elch ist, der von Zlatan Ibrahimovic in die ewigen Jagdgründe befördert wird.

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