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Sebastian Kehl im Trainingslager von Borussia Dortmund in La Manga
Sebastian Kehl beendet nach der Saison seine Karriere © getty

La Manga - Sebastian Kehl ist für Borussia Dortmund derzeit unverzichtbar. Vom beschlossenen Karriereende im Sommer rückt der Mittelfeldspieler aber nicht ab.

Aus dem Dortmunder Trainingslager in La Manga berichtet Thorsten Langenbahn

Freundlich lächelt Sebastian Kehl nach dem Training in die Handykamera eines weiblichen Fans, schreibt mit einem Handtuch um den Hals Autogramme, gibt höflich Auskunft über sein Befinden, ehe er im BVB-Mannschaftsbus verschwindet.

Der 34-Jährige befindet sich auf Abschiedstour. Die Rückrundenvorbereitung in La Manga wird die letzte sein in seiner Profi-Laufbahn, die vor 17 Jahren bei Hannover 96 begann.

Doch das letzte Trainingslager mit Borussia Dortmund hatte sich der 34-Jährige ursprünglich entspannter vorgestellt. Mit weniger Druck, als ihn die Tabellensituation des Bundesliga-Vorletzten zwangsweise mit sich bringt (DATENCENTER: Der Spielplan).

"Eigentlich wollte ich meine letzte Saison beim BVB genießen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in meiner Karriere noch einmal mit Dortmund solche Probleme durchlaufe wie in der Hinserie", erzählt Kehl an der Costa Calida.

Er kann der misslichen Lage aber auch etwas Gutes abgewinnen. "Das macht die ganze Geschichte auch ein bisschen spannend und ist eine große Herausforderung für mich."

Fünf Monate bis zum Abschied

In Südostspanien holt sich der Routinier die nötige Fitness für seine fünf letzten Monate als Fußballprofi. "Ich habe noch ein bisschen Zeit vor mir und freue mich auf das, was kommt", sagt er gewohnt optimistisch.

An der Bundesligatauglichkeit des 31-maligen Nationalspielers bestehen trotz des fortgeschrittenen Alters keine Zweifel. In der Hinrunde zählte der defensive Mittelfeldspieler zu den stabilsten Akteuren in einer verunsicherten Mannschaft.

Mit Kehl gewann das Team von Trainer Jürgen Klopp vier von 13 Spielen, in den restlichen vier Spielen ohne ihn gab es lediglich einen Punkt.

Auch wenn sich der dienstälteste BVB-Profi noch nicht uralt fühlt, gibt es an seinem Entschluss zum Karriereende 2015 nichts zu rütteln.

Klopps Versuche sind erfolglos

Schon im vergangenen Sommer hatte er diesen Schritt angekündigt. Trotz Versuchen von Sportdirektor Michael Zorc und Coach Klopp, ihn umzustimmen, blieb Kehl konsequent. So wie er es stets gewesen ist – auf und neben dem Platz.

Noch immer ist der Rat des langjährigen Mannschaftskapitäns gefragt. "Ich bringe mich immer noch ein, wenn es notwendig ist, wenn ich Dinge sehe, die abgestellt oder korrigiert werden müssen", erklärt Kehl.

Nach sechs Jahren als Spielführer wurde Mats Hummels vor einem halben Jahr sein Nachfolger. Als Ratgeber steht Kehl dem Weltmeister zur Seite, ohne ihm dabei im Weg zu stehen.

Spiele mit angebrochener Rippe

Als Vorbild taugt Kehl für die Jüngeren par excellence. Vom Spielverständnis, vom Einsatz und Willen. Kehl ist Identifikationsfigur, Motivator und Kämpfer. So wie zum Ende der Hinrunde, als er wochenlang mit angebrochener Rippe spielte.

Nun wirft sich der 1,88 Meter große Musterprofi wieder leidenschaftlich in den Abstiegskampf. "Jetzt heißt es arbeiten, sich durchbeißen", sagt Kehl über die Mission Klassenerhalt, deren Grundstein in Südostspanien gelegt wird.

Der Leitwolf weiß um die "brenzlige Situation" und warnt: "Natürlich ist es für viele Spieler eine neue Situation, in der die Erfahrungswerte fehlen, aber das ist kein Grund verkrampft zu werden." Er ist überzeugt: "Wir werden mannschaftstaktisch anders auftreten und wieder Spiele gewinnen."

Bender verletzt, Sahin mit Rückstand

Gebraucht wird er als Sechser mehr denn je: Weil Sven Bender erneut verletzt ausfällt, weil Nuri Sahin noch nicht wieder die alte Stärke hat.

Ob er nicht doch noch ein Jährchen dranhängen möchte? Er möchte nicht. Kehl schließt eine Kehrtwende kategorisch aus.

"Es wird im Sommer wohl keine Nummer fünf mehr geben, zumindest nicht mit dem Namen Kehl auf dem Rücken", sagt er mit einem leicht wehmütigen Lächeln.

Möglicherweise wird er nach seiner Karriere in anderer Funktion an den Verein gebunden.

Als Identifikationsfigur steht er nicht nur als Fotomotiv und Autogrammschreiber hoch im Kurs.

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