vergrößernverkleinern
Franz Beckenbauer im Swimming Pool
Der Swimming Pool, ein Sehnsuchtsort - Franz Beckenbauer anno 1970 © imago

Fabio Cannavaro droht Gefängnis, weil er in sein eigenes Haus einbrach, um dort im Swimming Pool zu schwimmen. Er hätte wissen können, dass dort Unheil droht. Hoffmanns Erzählungen.

Auf diese eine Extravaganz kann selbst Thomas Müller nicht verzichten.

Es kam heraus, als im vergangenen Jahr publik wurde, dass er und Ehefrau Lisa ein Anwesen in Otterfing, oberbayerischer Landkreis Miesbach, errichten würden.

Kein Protzbau, wie Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder damals im Münchner Merkur versicherte. "Nix Überzogenes" sei da geplant, alles so bodenständig, wie man es auch erwartet, wenn Thomas Müller in Otterfing, Kreis Miesbach in Oberbayern etwas baut und Bürgermeister Jakob Eglseder davon im Münchner Merkur berichtet. Ein Swimming Pool sei der einzige Luxus, den der Weltmeister des FC Bayern sich erlauben würde.

CHIO Aachen 2011 - Day 5
Lisa und Thomas Müller - der Swimming Pool als einzige Extravaganz © Getty Images

Plantschen, wann man will - so viel gönnt man sich, wenn man es an einen gewissen Punkt gebracht hat, auch dann, wenn man der Sucht nach Prunk ganz unverdächtig ist.

Man sieht da, wie mächtig die Idee ist, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts von Kalifornien aus um die Welt ging.

Von dort aus schürten die hochglänzenden Bilder der großen Hollywood-Stars mit ihren Prachtbecken die Sehnsucht nach einer Schwimmgelegenheit im eigenen Garten. Durch neue, günstigere Baumethoden wurde sie zu einem Trend, dem auch die weniger Reichen folgen konnten, folgen mussten. Das eigene Haus galt als Errungenschaft irgendwann zu banal, erst der eigene Pool drückte aus, dass man es wirklich geschafft hatte.

Die weniger schönen Seiten dieser Innovation - Wasserverschwendung, mühseliges Herumgereinige, Poolpartys mit Menschen, die man nie in Badehosen hätte sehen wollen -, sie verblassen hinter der verführerischen Vision eines schönen Ortes, in dem man seinen Sorgen einfach davonschwimmen kann.

Dass dieser Mythos einen doppelten Boden hat, wusste man aber schon immer, auch und gerade dort, wo er am wirkungsvollsten geschürt wurde: im Kino.

American Film Market
Gutes und Böses, Aufstieg und Fall - ein Swimming Pool in Hollywood © Getty Images

Boulevard der Dämmerung, ein unvergängliches Werk Billy Wilders, wurde zwar legendär dadurch, dass seine männliche Hauptfigur die Geschichte von einem Swimming Pool aus erzählte. Sie tat es nur eben als nicht mehr lebendiger Badegast.

Auch in einem modernen Klassiker wie "Swimming Pool" passieren am Schauplatz der Handlung Drama, Mord und Existenzkrisen.

Der Swimming Pool als Metapher für Gutes und Böses, für Aufstieg und Fall, für Betrug und Selbstbetrug: In der Realität funktioniert das ebenfalls.

Der Boden des Pools von Uli Hoeneß hat es vor zwei Jahren zu einer gewissen Prominenz gebracht, weil ihn ein Bulle und ein Bär zieren, die Symbole für Börse und ihr Prinzip des Auf und Ab.

Tjahaha, meinten damals die Schlaumeier unter uns: Man hätte wissen können, was da kommen würde, wäre man Uli Hoeneß' Schwimmbecken rechtzeitig auf den Grund gegangen. Nun ja.

Wie es in Fabio Cannavaros Swimming Pool aussieht, weiß man leider nicht, aber auch bei ihm ist er diese Woche ins Gerede gekommen.

Bei Italiens Weltmeisterkapitän von 2006 geht es ebenfalls um unschöne Dinge. Man liest von unkorrekt versteuerten Yachten, von einer Scheinfirma, die geldwerte Vorteile einstrich, die ihr nicht zustanden. Die Ermittler ermitteln und haben im Zuge dessen Cannavaros Haus beschlagnahmt, den Pool inklusive.

Fabio Cannavaro
Fabio Cannavaro - verurteilt zu zehn Monaten Haft, weil er in seinem beschlagnahmten Pool schwamm © Getty Images

Zehn Monate Haft drohen ihm nun, nicht wegen der Sachen an sich, sondern wegen der Art und Weise, wie er sich gegen seinen Verlust zu stemmen versuchte.

Cannavaro brach ein in das Haus, das ihm nicht mehr gehörte. Und drehte ein paar Runden im Schwimmbecken, das nicht mehr seins war.

Ein Weltmeister, gepackt von der Sehnsucht nach glor- und chlorreicheren Zeiten, der versucht den Realitäten wegzuschwimmen, die ihn hinterher unbarmherzig einholen werden. Was für ein faszinierendes, was für ein trauriges Bild das gewesen sein muss.

Man sieht einmal mehr: Der Swimming Pool mag ein schöner Ort sein, ein sehr trügerischer ist er aber auch.

Man tut, will man ihm nicht ganz erliegen, sicher nicht schlecht daran, ihn in einer Stadt wie Otterfing, Landkreis Miesbach in Oberbayern zu errichten.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel