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Nicaragua feiert den 5:0-Sieg gegen Anguilla - Hoffmanns Erzählungen
Nicaragua feiert den 5:0-Sieg gegen Anguilla © Getty Images

Dass Australien Asienmeister ist, hat den Autor überrascht. Er hat daraus gelernt - und verfolgt das Fußballgeschehen in fernen Ländern jetzt umso genauer.

Man ist diese Woche mal wieder eiskalt erwischt worden bei seiner schlechten Angewohnheit, nicht ausreichend weit über den Tellerrand zu blicken.

Joachim Löw hatte die besondere Bedeutung des Duells zwischen Weltmeister Deutschland und Asienmeister Australien kaum herausgestrichen, schon kamen die Gedanken, die einem im Nachhinein ziemlich peinlich waren.

Nanu, fragte man sich, welche geopolitische Neuordnung hat man da wieder nicht mitbekommen. Oder: Wie haben es denn nun ausgerechnet die Australier geschafft den von Sagen umwobenen asiatischen Markt, den wir Deutschen seit Jahren, bald seit Jahrzehnten erobern wollen, quasi im Handstreich für sich einzunehmen?

Nichts dergleichen ist passiert, natürlich. Australiens Fußballer, so haben wir gelernt, haben schlicht deshalb beim Nationenturnier des größeren Kontinents teilgenommen, weil sie sich einer größeren sportlichen Herausforderung als der der ozeanischen Nachbarn stellen wollten - und diese mit Bravour bestanden. Es hat nur wieder keiner mitbekommen, wie so vieles, was sich sportlich außerhalb der eurozentrischen Wahrnehmung befindet.

Australien wurde im Januar 2015 Asienmeister
Australien wurde im Januar 2015 Asienmeister © Getty Images

Eine schmerzhafte Erkenntnis - mit dem einzigen Vorteil, dass sie einen zu einem Zeitpunkt überkommt, an dem man beste Bedingungen vorfindet, es besser zu machen.

Seit kurzem laufen in den fernen Ländern ja die ersten Qualifikationsphasen für die Weltmeisterschaft 2018. Und was für Geschichten es dort zu entdecken gibt, wenn man nur ein bisschen Zeit aufbringt, sich mit ihnen beschäftigen.

Der Doppelsieg von Bhutan, dem 209. und Letzten der FIFA-Weltrangliste, gegen Sri Lanka hat sich ja längst herumgesprochen in den interessierten Kreisen.

Bhutan ist Schlusslicht der Weltrangliste
Bhutan triumphierte in Asiens erster Qualifikationsrunde über Sri Lanka © Getty Images

Fast noch mehr aber fasziniert ein Blick in die nord-, mittelamerikanische und karibische CONCACAF-Zone, die in dieser Woche losgelegt hat.

Gleich zu Beginn ja der überraschende Sieg der Amerikanischen Jungferninseln über das 66 Plätze höher eingestufte Barbados - das freilich mit einem 4:0 im Rückspiel mit Macht zurückschlagen konnte.

Dann das 0:0, das die Cayman-Inseln dem haushohen Favoriten Belize abrangen. Das 5:0 Nicaraguas über Anguilla, das damit auch nach dem neunten WM-Qualifikationsspiel seiner Geschichte immer noch auf den ersten Sieg wartet. Und schließlich die beiden furiosen 6:2-Triumphe der Sugar Boyz von St. Kitts and Nevis über die Turks- und Caicos-Inseln - obwohl St. Kitts and Nevis im zweiten Spiel Kapitän Atiba Harris fehlte, laut Ex-Nationaltrainer Leonard Harris nicht weniger als "das Gesicht des Profifußballs in St. Kitts and Nevis".

Überstrahlt wurde aber natürlich alles vom Topspiel. Bahamas - Bermuda. Was für eine Vorführung.

Schon vorab hatte der offizielle FIFA-Vorbericht ja gewarnt, dass der Druck, das Hinspiel gegen die Gombey Warriors im heimischen Nassau austragen zu müssen, schwer auf den Schultern der Bahamas lasten würde.

Wie recht er behalten sollte: Leverock, Wells, Lewis, Donawa zum ersten, Donawa zum zweiten. 5:0 hieß es am Ende gegen die bemitleidenswerten Gastgeber, die anscheinend kein Rezept gegen Bermudas berühmte Passdreiecke fanden - und auch noch ihren langjährigen Kapitän verloren.

Der Verteidiger-Routinier Happy Hall - sonst dem Vernehmen nach nicht der Typ für Frustfouls - sah kurz vor der Halbzeit wegen einer Notbremse glatt Rot.

Alles scheint entschieden vor dem Rückspiel am Sonntag. Aber wer weiß, was noch möglich ist, in dieser Partie wie in den anderen noch ausstehenden: dem zweiten Duell zwischen Dominica und den Britischen Jungferninseln (Hinspiel: 3:2), der noch komplett auszutragenden Serie zwischen Curacao (mit Trainer Patrick Kluivert) und Montserrat.

Man sollte auch diese Spiele verfolgen, wenn man weitere Geschichten erleben will, die nur der Fußball schreibt - auch und gerade der in den ferneren Ländern.

Und wer weiß: Vielleicht erlebt man dabei ja auch den kommenden Asienmeister in Aktion.

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