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München - Jörg Wontorra moderiert zum letzten Mal den Volkswagen Doppelpass. Im SPORT1-Interview zieht er Bilanz, spricht über Highlights, Gäste und seinen Nachfolger.

Am Sonntag ist nach mehr als elf Jahren Schluss.

Jörg Wontorra moderiert zum letzten Mal den Volkswagen Doppelpass (ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und in unserem Sportradio SPORT1.fm).

Im Interview spricht der 66-Jährige über die Gefühle vor seinem Abschied, das Erfolgsrezept der Sendung und erzählt Anekdoten aus seiner langen Zeit als Gastgeber des Kult-Talks.

SPORT1: Herr Wontorra, die letzte Sendung steht an. Sind sie schon ein wenig wehmütig?

Jörg Wontorra: Komischerweise noch gar nicht. Ich bin ein Mensch, der immer nach vorne schaut. Ich freue mich auf den nächsten Abschnitt. Das kann aber auch daran liegen, dass ich mich schon selber sehr lange mit dem Schritt vertraut gemacht habe. Ich habe das für mich ja schon im August entschieden. Dann bereitet man sich anders darauf vor. Man versucht in dieser Zeit, sein Leben neu zu ordnen und darauf zu schauen, was in der Zukunft liegt. Deshalb ist bisher überhaupt keine Wehmut aufgekommen - so schön die Sendung auch war. Aber ich kann mir vorstellen, dass das am Sonntag dann kommen wird. Vielleicht werden mich dann die Gefühle übermannen.

SPORT1: Der Abschied wird sicherlich emotional.

Wontorra: Das kann ich mir schon vorstellen. Beim Abschied von Udo Lattek war ich schon sehr dicht am Wasser gebaut. Ich garantiere da für nichts.

SPORT1: Was ist für Sie das Erfolgsgeheimnis der Sendung?

Wontorra: Der Doppelpass ist ein echter Stammtisch, an dem freimütig über alles diskutiert wird. Was der Fußball bedeutet, was den Fußball ausmacht. Eine Stärke der Sendung ist es, dass dort kein Blatt vor den Mund genommen wird. Es gibt auch mal eine freche Nachfrage des Moderators. Die Mischung aus Journalisten und Entscheidern der Bundesliga ist ein weiteres Erfolgsgeheimnis. Die Journalisten trauen sich eher Mal, etwas auf den Punkt zu bringen. Wenn dort nur Entscheider und Prominente sitzen würde, würden sie zu viel Rücksicht nehmen und zu viel umschreiben. Die Journalisten sind das Salz in der Suppe.

SPORT1: Was war in mehr als elf Jahren Doppelpass Ihr persönliches Highlight?

Wontorra: Es gab einige Highlights. Ein Highlight war sicherlich das Geplänkel zwischen Rudi Assauer und mir. Das ging ins Persönliche. Wir haben uns gegenseitig bezichtigt, älter auszusehen, als wir sind. Rudi Assauer hat immer Klartext geredet, das war schon sehr spannend. Wir haben sehr viele gute, journalistische Sendungen machen dürfen. Wir haben Dinge herausgefunden, die eine oder andere Trainerentlassung lief bei uns exklusiv. Das waren Highlights. Am spannendsten war es immer, wenn die Leute miteinander diskutiert und gestritten haben. Da möchte ich keine einzelne Sendung rausgreifen. Wenn der Moderator kaum eingreifen musste und die Gäste das Geschehen bestimmt haben, das war immer das Schönste. Dann hat man gemerkt, dass die Sendung spannend und lebhaft war. Davon lebt eine solche Talksendung.

SPORT1: Ein besonderer Moment war es sicherlich auch, als Udo Jürgens für Udo Lattek zum Doppelpass-Abschied ein Ständchen gesungen hat?

Wontorra: Ja. Das gehört sicherlich zu den Highlights. Zum einen, weil Udo das verdient hatte und weil er nicht mit Udo Jürgens gerechnet hatte. Zum anderen, weil Udo Jürgens nicht nur als Sänger aufgetreten ist, sondern auch als Gast der Runde. Und er hat unter Beweis gestellt, dass er sehr viel von Fußball verstand. Das war sehr schön. Aber die emotionale Seite hat natürlich überwogen. Dadurch wurde die Sendung so richtig emotional und absolut würdiger Abschied.

SPORT1: Udo Lattek hat Sie viele Jahre im Doppelpass begleitet. Wie groß war sein Einfluss auf die Sendung?

Wontorra: Udo war einer, der in der Branche gehört wurde. Was er sagte, war quasi gesetzt. Seine Ansätze wurden ernst genommen. Seine Diskussionsbeiträge wurden aufgegriffen. Er war eine absolute Respektsperson. Und genau deshalb war er das i-Tüpfelchen der Sendung.

SPORT1: Und Ihr häufigster und liebster Gast war Heribert Bruchhagen?

Wontorra: Ja, schon. Weil wir irgendwie Brüder im Geiste sind. Wir sind beide ziemlich gerade heraus. Und Heribert ist einer, der dem Ruf auch immer gefolgt ist. Auch in Notsituationen. Ich werde nie vergessen, als ich ihn einmal nach dem DFB-Pokalfinale nachts um halb eins an der Bar eingeladen habe, mich am nächsten Morgen zu begleiten. Uns war kurzfristig ein Gast ausgefallen. Heribert ist sofort eingesprungen. Er hat gesagt: Okay, dann trinken wir noch ein Glas Wein und dann fliegen wir morgen früh. Das war schon toll, so etwas vergisst man nicht. Man weiß, was für ein Opfer er gebracht hat. Denn er hätte sicherlich noch eine schönere Nacht an der Bar haben können. Aber nicht nur deshalb ist er einer meiner Lieblingsgäste gewesen, sondern auch weil er immer klare Kante gegeben hat.

SPORT1: Welchen Gast hätten Sie gerne gehabt, der nie gekommen ist?

Wontorra: Otto Rehhagel. Der ist nie gekommen, weil er gesagt hat: Das ist eine Sabbelrunde, da setze ich mich nicht rein. Er hat sich auch jeder anderen deutschen Talkshow verweigert,  bis heute. Ich hätte es spannend gefunden, weil wir so eine lange gemeinsame Vergangenheit haben. Auch in Bremen. Von daher wäre er ein gerne gesehener Gast gewesen. Er ist aber auch der Einzige, der nicht da gewesen ist.

SPORT1: Gab es eine Situation für Sie vor der Kamera, die richtig unangenehm war?

Wontorra: Eigentlich immer nur, wenn ich mit Bier überschüttet wurde. Das war das Drama dabei. Es ist mir insgesamt drei Mal passiert. Das war immer unangenehm, weil das an der Hose so klebte. Ansonsten hatte ich während der Gesprächsgestaltung eigentlich nie größere Probleme. Wenn es zu eskalieren drohte, dann habe ich doch meistens schlichten können. Von daher war es kein Stress. Für mich ist diese Runde wirklich Spaß. Es macht wirklich Spaß, über Fußball zu reden und zu diskutieren.

SPORT1: Was geben Sie Ihrem Nachfolger Thomas Helmer mit auf den Weg?

Wontorra: Ich kann ihm wenig mit auf den Weg geben. Ich weiß, dass er es gut macht. Das hat er schon mehrfach bewiesen. Wichtig ist, dass er es nicht so machen soll wie ich. Er wird seinen eigenen Weg finden und seine Persönlichkeit einbringen. Das ist das Rezept, um die Sendung weiter am Leben zu erhalten. Der Moderator muss authentisch sein. Er muss sich an niemandem orientieren, sondern sein Ding machen. Wenn Thomas mit seiner eigenen Persönlichkeit in den Doppelpass geht, wird die Sendung weiter sehr, sehr großen Erfolg haben.

SPORT1: Wie sehen Ihre Pläne für die nähere Zukunft aus?

Wontorra: Ich mache jetzt erstmal sechs Monate Pause. Wie Jürgen Klopp. Wenn Jürgen Klopp wieder anfängt, fange ich auch wieder an. Und wenn Jürgen Klopp verrät, was er macht, verrate ich es auch.

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