vergrößernverkleinern
Die WM-Qualifikation 2018 wird am Samstag in St. Petersburg ausgelost Lostopf
Die WM-Qualifikation 2018 wird am Samstag in St. Petersburg ausgelost © Getty Images

München - Deutschland ist bei der WM-Quali-Auslosung vor Wales und Rumänien sicher, vor Italien und Frankreich aber nicht. Schuld ist ein massiver Systemfehler beim FIFA-Ranking.

Zumindest Wales bleibt Joachim Löw erspart.

So viel steht schon fest, noch bevor am Samstag ab 17 Uhr die Qualifikationsgruppen für die WM 2018 in Russland ausgelost werden.

Das bewährte Lostopf-Verfahren stellt ja sicher, dass der Weltmeister den stärksten Kontrahenten entgeht: den Niederlanden, England und Spanien zum Beispiel, die sich wie Deutschland im Lostopf 1 befinden. Oder eben auch Gareth Bale und seinen Waliser Teamkollegen.

Anders sieht es zum Beispiel mit Italien und Frankreich aus: Die sind in Lostopf 2 und blühen damit den stärkeren Mannschaften - wie Deutschland, Wales oder Rumänien.

Kommt Ihnen seltsam vor? Ist es auch. Hat allerdings auch alles seine Logik.

Systemproblem der FIFA-Weltrangliste

Die FIFA-Weltrangliste ist die Grundlage für die Aufteilung der sechs Lostöpfe, ein Ranking, in dem Rumänien (Platz 8) und Wales (10) aktuell vor den Ex-Weltmeistern Italien (17) und Frankreich (22) stehen. Vor Europameister Spanien, das es als Zwölfter gerade so noch in Topf 1 geschafft hat, übrigens auch.

(FIFA veröffentlicht den Spielplan des Confed-Cup - Hier geht es zur News)

Schuld an dieser verqueren Anordnung ist die spezielle Berechnung der Rangliste, die alle offiziellen Länderspiele der vergangenen vier Jahre in ein schlüssiges System zu pressen versucht.

Dass ein WM-Finale dabei etwas anderes ist als ein Freundschaftsspiel gegen Andorra, versucht dieses System dabei auch durchaus zu berücksichtigen.

Die drei Punkte, die es auch für die Weltrangliste bei jedem Sieg gibt, werden deshalb mit mehreren Variablen verrechnet: Einem Wert I (importance) für die Bedeutung des Spiels (WM-Endrunde: 4 - Freundschaftsspiel: 1), einem Wert T (team) für die Qualität des Gegners (basierend auf der Weltranglistenposition), einem Wert C (confederation) für die Stärke des Kontinentalverbands (Südamerika und Europa thronen über dem Rest der Welt).

Systemprofiteure: Gareth Bale und seine Waliser
Systemprofiteure: Gareth Bale und seine Waliser © Getty Images

WM verpasst? Kann hilfreich sein

Klingt alles auch erstmal toll und durchdacht, hat aber eben ein paar entscheidende Schwächen.

Trotz der mathematischen Abfederung kommt man in dem System durch Siege in bedeutungslosen Freundschaftsspielen weiter als durch die Teilnahme an den großen Turnieren.

Rumänien und Wales haben eine ordentliche Länderspiel-Bilanz, profitieren aber absurderweise auch davon, dass sie EM und WM verpasst haben: Ein Gruppen-Aus dort hätte ihnen die Weltranglisten-Bilanz verhagelt. So geschehen bei Irland durch die EM 2012: Dort setzte es drei Niederlagen, die entscheidend dazu beitrugen, dass die Iren auf Rang 51 abrutschten, in einen Lostopf mit den Färöer-Inseln und Montenegro.

Auch Frankreich leidet an einem Systemfehler: Als Gastgeber der EM kann es nicht von der höheren Wertigkeit der Qualifikationsspiele profitieren - und rutschte jüngst um 13 Plätze ab.

Durch die Quali-Auslosung jetzt rücken solche Irrwitzigkeiten in den Blickpunkt, die Weltrangliste der FIFA ist - trotz bereits 2006 erfolgter Korrekturen - weiter dringend reformbedürftig. Wie so vieles beim Weltverband.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel