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Der Starpianist interpretiert bei der Saisoneröffnung des FC Bayern "Stern des Südens". Unterambitioniert? Ach was. Hoffmanns Erzählungen.

Der Fußball, die Hochkultur und alberne Wortspiele: Es gibt ja immer noch Menschen, die der Meinung sind, dass das alles so nicht zusammenpasst.

Blanker Unsinn, selbstredend: Erinnert sei hier nur an Reporter-Legende Werner Hansch und seinen Kommentar zu einem rustikalen Einschreiten des Bochumer Fußballers Olaf Dressel, verübt 1991, dem Jahr, in dem sich der Tod von Wolfgang Amadeus Mozart zum 200. Mal jährte.

"Dressels Beitrag zum Mozartjahr: Ein Foul aus dem Knöchelverzeichnis", erkannte Hansch damals. Legendär.

Legendär unsinnig natürlich auch, ganz klar. "Köchelverzeichnis", das kommt ja vom Historiker Ludwig von Köchel, der Mozarts Werke für die Nachwelt gesammelt und nummeriert hat. Und selbstredend hat es nie einen Herrn von Knöchel gegeben, der die Fouls des Fußballers Olaf Dressel gesammelt und nummeriert hätte, das wäre ja auch albern.

Trotzdem: So albern und absurd diese Vorstellung ist, so amüsant ist sie. Und weil Hansch darauf gekommen ist, sie zu entwerfen, gilt sein Wortspiel bei der Kritik als gelungen.

Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen"
Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen" © SPORT1

Noch uneins ist die Kritik, ob das aktuelle Zusammenspiel aus Fußball-, Hoch- und Wortspielkultur als ebendies gelten darf.

In seinem Zentrum steht Lang Lang, einer der wichtigsten Pianisten der musikalischen Gegenwart. Ein Mann, der von Klassik-Kennern hochgeschätzt wird, der die Klavierkonzerte von Liszt, Tschaikowsky und Rachmaninoff virtuos zu interpretieren weiß, der es nach Angaben des Fachportals Wikipedia sogar vermag, mit seinem Spiel die Acht Erinnerungen in Aquarellfarben des Komponisten Tan Dun in den unterschiedlichsten Farbnuancen leuchten zu lassen.

Besagter Lang Lang war am Wochenende zu Gast bei der Saisoneröffnung des FC Bayern München und gab dort auf einem Steinway-Flügel das Lied "Stern des Südens" zum Besten.

"Stern des Südens", das muss man dazu wissen, ist die Vereinshymne des Rekordmeisters, eine Komposition Willy Astors, der unter Kennern zwar als eine Art Lang Lang der albernen Wortspiele gilt – dessen Werk in der E-Musik-Szene aber ein Stück weit unterhalb von Liszt, Tschaikowsky und Rachmaninoff eingeordnet wird.

Einen Lang Lang mit dem Spielen gerade dieses Stücks zu beauftragen, wie es der FC Bayern auf Vermittlung eines gemeinsamen Sponsors getan hat, gilt daher als etwas unterambitioniert - in etwa so, als würde man Lionel Messi und seinen FC Barcelona engagieren, damit sie gemeinsam die schönsten Tore von Pierre-Michel Lasogga nachstellen.

Entsprechend spöttisch sprangen die Kritiker dann auch mit Lang Lang um – wobei die Klugen unter ihnen noch auf den womöglich entscheidenden Gedanken kamen: Nämlich den, dass die Gegensätze oft das sind, was die große Kunst erst ausmacht. Und dass auch ein Mozart ein verbrieftes Faible für unorthodoxe Verquickungen von U- und E-Musik-Elementen hatte.

Ein bisschen Punk muss sein, damals wie heute, ein Lied wie "Rock me Amadeus" wäre Mozart sonst wohl nie gewidmet worden. Auch er hätte sich damals vielleicht im Bayern-Trikot an den Flügel gesetzt und sich hinterher mit Maskottchen Bernie abgelichtet, wenn die Zeiten danach gestanden hätten.

Ein denkwürdiger Anblick wäre es gewiss gewesen - schade, dass Werner Hansch es nicht vergönnt war, ihn zu kommentieren.

Es wäre spannend gewesen, an welcher Stelle im Knöchelverzeichnis er ihn verortet hätte.

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