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Wenn Englands Geld den F-Jugend-Fußball erreicht - Hoffmanns Erzählungen
Wird sich auch irgendwann zwischen mehreren englischen Klubs entscheiden müssen: dieses Kind © Getty Images

Was der Profifußball vormacht, wird auch im Kleinen ankommen. Die englischen Klubs werden irgendwann auch um Ihr Kind mitbieten. Hoffmanns Erzählungen.

Man muss davon ausgehen, dass das alles auch ein Vorbote ist.

Es läuft erfahrungsgemäß ja immer so: Der große Profifußball macht etwas vor, im Kleinen wird es nachgemacht.

Der große Profifußball präsentiert eine neue, hippe Frisur - der Kleinstadtkicker grübelt nach, welche Gegenstände er sich zwischen Irokesenschnitt und Hals-Nacken-Tattoo rasieren könnte, um auch für sich als Körperkunstwerk ein schlüssiges Gesamtbild zu kreieren.

Der große Profifußball instagramt sein aktuelles Schuhwerk - der Kleinstadtsohn, der eben noch mit Verve zu begründen vermochte, warum Jungs keine rosa Sachen tragen, kann auf einmal schlüssig argumentieren, warum man für ihn den neuen Hyper Phantom Predator 3XG Pro (#Hatersgonnahate) unbedingt in einem leuchtenden Magenta-Mauve-Ton erwerben muss.

Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen"
Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen" © SPORT1

Man kann folglich davon ausgehen, dass auch der aktuelle Großtrend des Profifußballs früher oder später ebenfalls in den Alltag durchsickern wird. Und schon jetzt damit anfangen, sich mental darauf einzustellen.

Den Kleinstadtsohn mit seinem frisch erworbenen Hyper Phantom Predator 3XG Pro (#Hatersgonnahate) in leuchtendem Mauve-Magenta einfach in der F-Jugend des nächstgelegenen Kleinstadtvereins anzumelden: Das wird so in Zukunft nicht mehr möglich sein. Wenn auch hier die Engländer anfangen mitzumischen.

Der neue, lukrative TV-Vertrag, das immer kräftiger fließende Investorengeld: Auch vor Ort werden die mittelbaren Konsequenzen dieser Entwicklungen irgendwann zu spüren sein.

Und man muss abwägen, was für alle Seiten das Beste ist, wenn das Angebot des örtlichen Kleinstadtvereins von einer weit lukrativeren Offerte der F-Jugend des Stony Stratford Town FC gekontert wird.

Sicher, der (vom jetzigen Stand aus grob hochgerechnete) 1,26-Millionen-Euro-Deal, den der von einem omanischen Prinzenenkel gestützte Klub aus dem Borough of Milton Keynes bieten wird, ist weit entfernt von dem, was Nachwuchshoffnungen in Englands D- und C-Juniorenbereich bekommen werden. Aber es bringt einen doch ins Nachdenken.

Bei aller Loyalität zu den Werten des örtlichen Kleinstadtvereins: Wird man so ein Angebot ausschlagen können? Wer weiß, ob es für Deinen Jungen je wieder eines in vergleichbarer Höhe geben wird.

Sunderland v Chelsea - Premier League
Eine dumme Verletzung beim nächsten Übungsspiel, ein inoperables Knorpel-Aua - und alles kann vorbei sein © Getty Images

Es kann ja doch so viel passieren: eine dumme Verletzung beim nächsten Übungsspiel, ein inoperables Knorpel-Aua am linken, vorderen Schienbeinköpfchen, ein oberschlauer Talentsichter, der feststellt: Moment mal, der Kleine kriegt ja keinen Fuß vor den anderen - jeder große Vertrag, den ein Siebenjähriger unterschreibt, kann da der letzte sein. Er muss da folglich auch an seine Verantwortung für die Familie denken.

Man darf sich nichts vormachen: Die Zukunft des deutschen Kleinstadtjugendfußballs hängt am englischen Geldkreislauf, auch und vor allem die Ihrer Kinder.

Wie Sie es organisieren, diese dreimal wöchentlich nach Stony Stratford im Borough of Milton Keynes zu fahren, kann ich Ihnen zwar jetzt noch nicht sagen.

Aber auch dafür wird sich der große Profifußball gewiss noch Lösungen einfallen lassen.

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