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Fredi Bobic beleuchtet in seiner Kolumne die Lage bei seinem Ex-Klub Hannover 96
Fredi Bobic beleuchtet in seiner Kolumne die Lage bei seinem Ex-Klub Hannover 96 © SPORT1

SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic sieht das Problem bei Hannover 96 weniger beim Trainer denn in der Führungsetage. Markus Gisdol gibt er in der Schiedsrichter-Diskussion Recht.

Hallo Fußball-Freunde,

vor dem 6. Spieltag drohte die Bundesliga schon in Langeweile zu verfallen.

Entsprechende Ergebnisse vorausgesetzt, hätten die beiden Topteams sieben Punkte Vorsprung auf ihre Verfolger gehabt und wäre das Ende der Tabelle mit vier Teams auch schon abgerissen. Aber das Gute an der Bundesliga ist, dass es meist anders kommt als erwartet.

Dennoch: Es scheint sich in diesem Jahr ein Zweikampf an der Tabellenspitze zu ergeben. Nicht erst das 1:5 vom Dienstag zeigt, dass der VfL Wolfsburg auf längere Distanz eher nicht mit dem FC Bayern mithalten kann.

Ganz andere Sorgen als der VfL Wolfsburg hat der Nachbar Hannover 96 als Tabellenschlusslicht: Natürlich sind in erster Linie die Spieler auf dem Platz zuständig für die sportliche Entwicklung eines Vereins, doch kann sich bei Hannover 96 auch Vereinsboss Martin Kind nicht aus der Verantwortung für die missliche Lage nehmen. Ob im Sommer bei Ex-Manager Dirk Dufner oder nun bezüglich der Zukunft von Michael Frontzeck: Diese ständig in der Öffentlichkeit vorgetragene Herum-Eierei hat Einfluss auf die Spieler.

Und so müsste es eine der ersten Amtshandlungen des künftigen Sport-Geschäftsführers Martin Bader sein, dem Boss zu vermitteln, dass er sich um das Feld kümmert, wovon er zweifellos eine Menge versteht, der wirtschaftlichen Lage des Vereins, sich jedoch aus dem Sportlichen viel mehr heraushält, wofür er Fachleute angestellt hat.

Dass bei Borussia Mönchengladbach auch nach dem Rücktritt von Trainer Lucien Favre oder auch in Stuttgart nach dem verpatzten Saisonstart eben nur die sportliche Leitung in der Öffentlichkeit sprach und sonst Ruhe herrschte, könnte ein Grund dafür sein, dass nun der erste Saisonsieg gelungen ist.

Bei der Borussia kam natürlich der Fakt des oft gesehenen „Bonus des Neuen“ hinzu. Aber erst am Wochenende werden wir sehen, ob diese Siege bei beiden Teams wirklich einen Umschwung einleiten.

Natürlich kann auch ich als Ex-Mittelstürmer meine Ver- und Bewunderung über den Auftritt von Robert Lewandowski gegen Wolfsburg nicht verhehlen. Ich war nie ein Freund der Taktik mit der „falschen Neun“ und freue mich deshalb, dass neben dem Polen auch Vedad Ibisevic und Sandro Wagner mit ihren Doppelpacks ihre Teams jeweils zum Sieg geschossen haben.

Während der Münchner mit seinem 5er-Pack einmal mehr seine Extraklasse nachwies, gilt für die beiden anderen Torjäger, dass ein Mittelstürmer keine Laufstreckenrekorde aufstellen muss, dass er natürlich seine taktischen Aufgaben zu erfüllen hat, ansonsten aber da sein muss, wenn es zählt. 

Zu Markus Gisdol und seiner Verbannung auf die Tribüne beim Spiel gegen den BVB: Das ist ja der Wahnsinn! Gisdol ist überhaupt nicht als aggressiver Typ bekannt und wird für eine solche Lappalie auf die Tribüne geschickt.

Wenn dann noch ein so erfahrener Mann wie Wolfgang Stark als 4. Referee dabei steht, erwarte ich, dass er beruhigend auf die Situation einwirkt. Dass Gisdol mit seiner Kritik an der Entscheidung sogar noch Recht hat, ist das i-Tüpfelchen.

Eine Verhältnismäßigkeit im Vergleich zum Verhalten von Pep Guardiola und anderen ist sicherlich nicht mehr gegeben.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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