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FUSSBALL: PRESSEKONFERENZ zur WM 2006
Im Zuge des WM-Skandals besteht der Verdacht, dass Steuergelder womöglich zu Korruptionszwecken verwendet worden sind © Getty Images

Die 6,7 Millionen, die vom ehemaligen WM-OK an den Weltverband flossen, sollen nicht aus Steuergeldern stammen. Das bekräftigte ein Staatssekretär im Innenministerium.

Bei den ominösen 6,7 Millionen Euro, die das Organisationskomitee (OK) der Fußball-WM 2006 an die FIFA im Jahr 2005 gezahlt hat, handelt es sich nicht um Steuergelder. Das erklärte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministeriums (BM), Ole Schröder, im Sportausschuss des Deutschen Bundestages.

"Herr Schröder hat uns versichert, dass es sich bei dieser Summe nicht um Steuergelder handelte", sagte Grünen-Sportpolitiker Özcan Mutlu nach der dreistündigen Debatte. Im Zuge des WM-Skandals war zuletzt der Verdacht aufgekommen, das Geld könne vom Bund stammen, so dass Steuergelder womöglich zu Korruptionszwecken verwendet worden sein. Noch immer ist nicht abschließend geklärt, zu welchem Zweck die Zahlung vorgenommen wurde.

Weitere Fakten über die Geldflüsse rund um die WM 2006 und deren Vergabe nach Deutschland wollte das BMI bei der Anhörung durch die Sportpolitiker nicht preisgeben. Die Bundesinnenminister Otto Schily und Wolfgang Schäuble hatten als Mitglieder des Aufsichtsrates des WM-OK Einblicke in alle wichtigen Transaktionen.

"Herr Schröder hat uns gesagt, es brauche noch Zeit, weil es sich um tausende von Seiten handele. Ich habe jetzt zunächst keinen Grund, daran zu zweifeln", sagte die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag. Immerhin habe das Ministerium "die umfangreiche Akte zunächst einmal aus einer Zwischenablage holen müssen", wie Freitag erläuterte.

"Nicht unter Denkmalschutz stellen"

Von einem Null-Ergebnis der Sitzung wollte die SPD-Politikerin aber dennoch nicht sprechen. "Es hat doch gezeigt, dass wir ein hohes Interesse daran haben, was rund um die WM-Vergabe und rund um die ominösen 6,7 Millionen Euro passiert ist. Alles andere wäre ja auch ein fatales Zeichen, wenn Politik sich darum nicht kümmern würde", sagte Freitag.

Dass die Sitzung wenig Erhellendes beitragen konnte, lag in erster Linie auch an der Absage der zentralen Figuren der WM 2006 wie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach oder Schily. Grünen-Politikerin Claudia Roth forderte, dass der Ausschuss seine Aufklärung fortsetzen solle und auch Lichtgestalt Franz Beckenbauer einladen müsse. "Ich finde, wir sollten Personen, die so viel für den Fußball getan haben, nicht unter Denkmalschutz stellen", so Roth.

Andre Hahn, Sportpolitiker der Linken, hatte zuvor klare Aussagen vom BMI eingefordert. "Das BMI saß mit verschiedenen Vertretern in diversen Gremien der WM 2006. Von diesen Sitzungen muss es Protokolle geben, die wir gerne einsehen wollen. Das könnte Aufschluss über Geldforderungen der FIFA und über Zahlungen an die FIFA geben", sagte der 52-Jährige.

Für die Einberufung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Thema WM 2006 sei es nach Einschätzung von Freitag noch zu früh. "Ein Untersuchungsausschuss beschäftigt sich mit dem, was parlamentsintern oder regierungsintern fraglich ist. Im Augenblick reden wir noch von externen Dingen. Aber in dem Moment, in dem wir betroffen sind, wäre ein Ausschuss durchaus möglich", so Freitag.

Immer mehr in die Kritik rückte bei den Oppositionsparteien die Doppel-Funktion von Reinhard Grindel. Das CDU-Mitglied ist Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und 2. Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag.

"Das ist höchst problematisch", sagte Grünen-Sportpolitiker Özcan Mutlu dem SID. "Entweder sitzt er hier als DFB-Vertreter und beantwortet unsere Fragen. Oder er sitzt auf unserer Seite und stellt Fragen. Doch beides tut er nicht", sagte Mutlu vor der Sitzung. Grindel, der als Kandidat für eine mögliche Nachfolge des unter Druck stehenden DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach gilt, wollte sich zu der Kritik nicht äußern. 

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