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Dr. Rainer Koch
Dr. Rainer Koch ist aktuell der 1. Vizepräsident beim DFB © dpa Picture Alliance

München - In der Diskussion um die Nachfolge von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident bleibt das Rennen offen, wie Vizepräsident Rainer Koch SPORT1 sagte.

Die Nachfolge von Wolfgang Niersbach bleibt offen. Der 1. Vizepräsident Dr. Rainer Koch wollte einen angeblichen Rückzug von einer Kandidatur als DFB-Präsident im Gespräch mit SPORT1 nicht bestätigen.

Dies hatte der Präsident des niedersächsischen Fußballverbandes, Karl Rothmund, zuvor behauptet.

"Da Rainer Koch aber nicht kandidiert, sondern Reinhard Grindel unterstützt - das weiß ich seit zwei Tagen und das wissen viele seit zwei Tagen - glaube ich, dass Reinhard Grindel gute Chancen hat, gewählt zu werden", erklärte Rothmund mit Blick auf den aus Niedersachsen stammenden derzeitigen DFB-Schatzmeister Grindel. Grindel selber hatte die Aussagen nicht kommentieren wollen.

"Wir sprechen zuerst miteinander"

Konkret auf diese Aussage angesprochen, bestritt Koch eine solche öffentliche Festlegung: "Ich möchte mich zur Präsidentenfrage zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter äußern. Wir sprechen zuerst untereinander und miteinander - und zwar intern!"

Koch galt nach dem Verzicht des anderen 1. Vizepräsidenten Dr. Reinhard Rauball, mit dem er aktuell interimsweise den DFB führt, als Favorit bei der Suche nach einem neuen Verbandsboss.

Neben Rauball hatten auch Oliver Bierhoff und Heribert Bruchhagen abgesagt, so dass fast nur noch der CDU-Bundestagsabgeordnete Grindel übrig blieb. Der ebenfalls genannte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock gilt aufgrund des schlechten Krisenmanagements im Skandal um die WM-Vergabe 2006 als nicht mehrheitsfähig.

DFL-Vertreter Strutz überrascht

Allerdings zeigte sich Harald Strutz, der als Vertreter der DFL im DFB-Präsidium überrascht vom Vorpreschen Rothmunds. "Über diese Sache mit Herrn Grindel wurde intern noch gar nicht gesprochen, deswegen kann ich dazu momentan auch nichts Konkretes sagen", sagte der Präsident von Mainz 05 auf SPORT1-Nachfrage, wollte sich aber nicht zur Sache äußern:

"Ich kenne Herrn Grindel vom sehen, aber nicht mehr. Natürlich haben wir miteinander zu tun, mehr möchte ich dazu aber nicht sagen.  Ich bin einfach nicht dazu legitimiert eine Einschätzung zu geben, weder aus meiner Funktion heraus, noch persönlich."

Prioritäten richtig setzen

Auch Koch sieht die Hauptaufgabe derzeit in der Bewältigung der aktuellen Krise. "Wir sind gut beraten, in diesen Tagen alle anstehenden großen Themen sachlich und ruhig abzuarbeiten und dabei vor allem die Prioritäten richtig zu setzen", sagte der Präsident des Bayerischen und des Süddeutschen Fußball-Verbandes SPORT1:

"Der DFB muss auch ohne Wolfgang Niersbach weiter reibungslos funktionieren. Das geht nur, wenn Reinhard Rauball und ich gemeinsam mit Generalsekretär Helmut Sandrock eng abgestimmt vorgehen und dabei das Präsidium intensiv einbeziehen."

Und weiter: "In dieser Woche hat für mich die lückenlose und umfassende Aufklärung aller Fragen rund um die Vergabe der WM 2006 oberste Priorität. Heute und morgen geht es jetzt erst einmal um die Nationalmannschaft und ihr Spiel in Frankreich. Morgen Vormittag werde ich mich mit Reinhard Rauball und Helmut Sandrock in Frankreich weiter über die gemeinsame Leitung des DFB in den nächsten Wochen abstimmen."

Vorher wolle er sich nicht weiter zum Thema äußern. "Zunächst einmal müssen wir untereinander und miteinander sprechen. Und nicht übereinander in der Öffentlichkeit", sagte der Jurist.

Seit 2013 DFB-Schatzmeister

Offen ließ Koch, ob auch Grindel an diesen Gesprächen beteiligt sein wird. Der 54-Jährige wird in jedem Fall als Delegationsmitglied in Paris vor Ort sein.

Grindel ist seit 2011 1. Vizepräsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes und gehört erst seit Oktober 2013 als Schatzmeister zur engeren DFB-Führung. Zudem sitzt der einstige Journalist seit 2002 für die CDU im Bundestags und ist dort stellvertretender Vorsitzender im Sportausschuss.

Möglich erscheint Beobachtern, dass seine Vertrauten um Rothmund nun Druck machen, um ihren Kandidaten möglichst schnell als neuen DFB-Präsidenten zu installieren. Dazu bietet sich bereits am Dienstag die Gelegenheit, wenn das DFB-Präsidium zu einer Sitzung vor dem Länderspiel gegen die Niederlande in Hannover zusammenkommt.

"Er ist sehr präsidiabel"

"Er ist sehr präsidiabel. Er kennt den DFB jetzt seit einiger Zeit von innen und ist von seiner Persönlichkeit her absolut ein Kandidat", sagte DFB-Präsidiumsmitglied Hans-Georg Drewitz der Bild. "Wichtig ist aber, dass die Entscheidung nur in Abstimmung mit der Liga getroffen werden kann."

Die Vertreter der Profiklubs sind aber offensichtlich bisher nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden. Zwar besitzen die DFL-Delegierten auf dem Bundestag nur ein Drittel der Stimmen und sind damit die Minderheit, allerdings wurde in der Vergangenheit immer ein gemeinsamer Kandidat von Profis und Amateuren präsentiert.

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