vergrößernverkleinern
Heiko Maas ist seit dem 17. Dezember 2013 Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann / Getty

München - Justizminister Heiko Maas spricht im SPORT1-Interview über die Anschläge von Paris - und Konsequenzen. Auch die Affäre um die WM-Vergabe 2006 bewegt ihn.

Die Themen sind komplex und kompliziert: DFB-Affäre um die WM-Vergabe 2006, Anti-Doping-Gesetz - und nun der Terror von Paris am Rande des Fußball-Länderspiels zwischen Frankreich und Deutschland.

Bundesjustizminister Heiko Maas ist dieser Tage auch im Sport mehr gefragt und gefordert, als ihm lieb sein dürfte.

Im SPORT1-Interview bezieht der 49-jährige SPD-Politiker und Hobby-Triathlet Stellung zu den gegenwärtigen Brennpunkten.

SPORT1: Herr Maas, in Paris ist ein Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft indirekt zur Bühne für den Terror geworden. Das Länderspiel gegen die Niederlande findet ungeachtet dessen statt. Warum ist das für Sie die richtige Entscheidung?

Heiko Maas: Wir dürfen uns unsere Art zu leben nicht von den Terroristen kaputt machen lassen. Den Erfolg, das Spiel abzusagen, sollten wir keinem Terroristen gönnen. Deswegen bin ich den Mannschaften sehr dankbar, dass sie bereit sind zu spielen. Der Bundestrainer hat dafür auch die richtigen Worte gefunden. Natürlich müssen wir alles für die Sicherheit der Teams und Fans tun.

SPORT1: Welche Konsequenzen in Sachen Sicherheit muss der Fußball ziehen?

Maas: Es hat sich an der abstrakten Bedrohungslage in Deutschland nach den Anschlägen von Paris nichts geändert. Wenn wir jetzt in Angst und Schrecken verfallen, dann haben die Terroristen eines ihrer Ziele schon erreicht. Fußballspiele sollten weiter stattfinden, Fans sollten im Stadion weiter ihren Spaß haben. Sicherheitsmaßnahmen werden wir verstärken. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

SPORT1: Wie sicher ist die EM in Frankreich?

Maas: Als Konsequenz aus den Anschlägen von Paris jetzt die Fußball-Europameisterschaft im nächsten Sommer in Frankreich abzusagen oder in ein anderes Land zu verlegen, wäre nicht der richtige Weg. Denn dann hätten die Terroristen gewonnen. Wir werden auch im nächsten Sommer die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich feiern, wenn die Sicherheitsbehörden keine Bedenken haben.

SPORT1: Auch die Affäre um die WM-Vergabe 2006 beschäftigt den DFB. Sie haben "rückhaltlose Aufklärung" gefordert: Inwiefern sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Stand, was muss noch passieren?

Maas: Die Aufklärung ist sicher noch nicht abgeschlossen. Die Fans haben ein Recht darauf zu erfahren, was genau im Vorfeld der WM-Vergabe passiert ist. Es müssen natürlich Fragen geklärt werden: Was hat es mit dem Geld auf sich, das der Finanzierung der WM-Eröffnungsgala dienen sollte? Welche Rollen haben die einzelnen Beteiligten gespielt? Da ist jetzt auch seitens des DFB Transparenz gefordert.

SPORT1: Der Bundestag hat ein Anti-Doping-Gesetz beschlossen. Kritikern der einen Seite geht es nicht weit genug, andere wiederum sehen die Autonomie des Sports in Gefahr. Inwieweit sehen Sie den deutschen Sport nun für den Anti-Doping-Kampf gerüstet?

Maas: Das Gesetz ist eine Kampfansage gegen Doping im Spitzensport. Doping widerspricht den Grundwerten des Sports. Gedopte Sportler verstoßen gegen das Fairplay und untergraben die Integrität des Sports. Wir sind es der Mehrheit der ehrlichen Sportler schuldig, endlich zu handeln.

SPORT1: Was bedeutet das konkret?

Maas: Mit unserem Gesetz, mit dem künftig das Selbstdoping und der uneingeschränkte Besitz von Dopingmitteln unter Strafe gestellt werden, haben wir ein neues Kapitel in der Dopingbekämpfung aufgeschlagen. Nur mit einer effektiven Dopingbekämpfung kann die Glaubwürdigkeit des Sports erhalten werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Maßnahmen des organisierten Sports, insbesondere das bestehende Dopingkontrollsystem, allein leider nicht ausreichen, um den Kampf gegen diese Form der organisierten Kriminalität aufzunehmen. Daher müssen wir auch mit den Mitteln des Strafrechts reagieren. Mit unserem Anti-Doping-Gesetz gehören wir jetzt international zu den Vorreitern, und das ist gut so.

SPORT1: Der WADA-Report hat in der russischen Leichtathletik Systemdoping in gewaltigem Ausmaß festgestellt. Bislang ist nur ein vorläufiger Ausschluss aus der IAAF die Folge. Fehlt der Mut, gegen ein auch politisch mächtiges Land wie Russland härter durchzugreifen?

Maas: Die IAAF hat mit ihrer Entscheidung, die Gesamtrussische Leichtathletik-Föderation vorläufig aus dem Weltverband auszuschließen, hart durchgegriffen. Das hat es bislang in der Geschichte der IAAF noch nicht gegeben. Da der Ausschluss unbefristet ist, bedeutet das ja auch, dass Moskau bis auf weiteres keine Sportler mehr zu internationalen Veranstaltungen schicken darf – schließt also gegebenenfalls auch Olympia mit ein.

SPORT1: Was muss nun geschehen?

Maas: Russland ist nun gefordert; es muss die von der IAAF erstellte Kriterien-Liste erfüllen. Dann ist auch eine Olympia-Teilnahme wieder möglich. Das Ausmaß des organisierten Dopings in Russland zeigt doch gerade, wie richtig und wichtig es ist, im Kampf gegen Doping auch mit Mitteln des Strafrechts zu reagieren. Mit unserem Anti-Doping-Gesetz unterstützen wir auch die Olympiabewerbung Hamburgs. Ich denke, Bewerber aus einem Land, in dem es ein Anti-Doping-Gesetz gibt, sollten einen Vorteil haben gegenüber Bewerbern, bei denen es keine solchen Gesetze gibt. Unser gemeinsames Signal muss sein: Doping hat im Sport nichts zu suchen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel