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Für Sicherheitsexperte Helmut Spahn sind personalisierte Tickets in der Bundesliga nur eine Frage der Zeit. Die Forderungen nach Körperscannern sind für ihn nicht zielführend.

Sicherheitsexperte Helmut Spahn ist davon überzeugt, dass es personalisierte Tickets auch in der Bundesliga geben wird – auch wenn das nicht direkt den Terroranschlägen in Paris geschuldet sei.

"Bei der WM 2006 hatten wir einen Chip, der die Daten des Ticket-Inhabers liest. Wir müssen uns fragen, ob wir das auch in der Bundesliga brauchen. Wir werden in der Zukunft eine rasend schnelle Entwicklung von technischen Möglichkeiten haben. Diese wird sicher eine Art personalisiertes Ticket mitbringen. Aber aktuell würde es meiner Meinung nach nicht mehr Sicherheit bringen", sagte Spahn im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

Die Forderungen nach Körperscannern oder Ähnlichem sind für Spahn nicht zielführend: "Bundesliga-Fans kommen nicht drei oder vier Stunden vorher zum Spiel. Mit dem Körperscanner wäre es unmöglich, 80.000 Menschen in ein Stadion zu bekommen."

"Anschlag galt nicht dem Fußball"

Spahn, der Sicherheitschef der WM 2006 in Deutschland war, und aktuell beim International Centre for Sport Security in Doha arbeitet, warnt zudem davor alles auf den Fußball zu projizieren.

"Der Anschlag galt nicht dem Fußball, sondern uns allen, unserer Lebensweise, der westlichen Kultur. Das Anschlagsziel sind generell weiche Ziele, "soft targets". Wenn ich am Montagmorgen im Münchener Flughafen bin, habe ich Zehntausende, die in den Abflughallen sind – ohne, dass vorher eine Kontrolle stattgefunden hätte", sagte Spahn.

Der 54-Jährige weiter: "Wenn wir jetzt anfangen zu versuchen, alle unsere Lebensbereiche hundertprozentig sicher zu machen, tun wir das, was die Terroristen wollen: Wir geben nach, wir ändern unser Leben - und ich glaube, das sollten wir nicht tun."

Wendt: "Kontrollen wurden nicht neu erfunden"

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, fügte an, dass die Sicherheitsstandards in den Stadien bereits seit einiger Zeit sehr hoch sind. "Kontrollen im Stadion wurden jetzt nicht neu erfunden. Das wurde in den letzten Monaten bereits kontinuierlich verbessert und ist alles bereits sehr professionell", sagte Wendt.

Wendt, Spahn und DFB-Interimspräsident Rainer Koch sind sich einig, dass die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen noch enger werden muss – aber nicht nur dort.

"Dem Fußball wurde im Moment etwas an Leichtigkeit genommen. Wir haben aber auch deutlich gemacht, dass wir jetzt alle in der Gesellschaft zusammenhalten müssen – und der Fußball ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft", sagte Koch.

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