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Der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel geht nicht mehr von einer schnellen Aufklärung des DFB-Skandals aus. Die Vorbehalte gegen seine Person sieht er als ausgeräumt.

Der Sommermärchen-Schmutz soll erst beim Frühjahrsputz beseitigt werden: Die Aufarbeitung des Skandals um die Vergabe der Fußball-WM 2006 verzögert sich.

Der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärte am Mittwoch, dass er "frühestens im Februar" mit dem Abschluss der externen Ermittlungen der Kanzlei Freshfields rechne.

Bisher hatte die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) immer von Dezember oder Januar als Termin für die Vorlage des Berichts gesprochen.

Klärungsbedarf durch "Beckenbauer-Papier"

Offenbar brauchen die Ermittler noch mehr Zeit, um die Fragen rund um die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro und den von WM-Organisationsboss Franz Beckenbauer unterschriebenen Vertragsentwurf mit dem früheren FIFA-Funktionär Jack Warner zu klären.

Das "Beckenbauer-Papier" wird selbst von der DFB-Spitze als möglicher Bestechungsversuch gewertet - vor allem weil Warner der Korruption bereits überführt ist. Am Ende der Untersuchungen soll klar sein, ob die Endrunde 2006 gekauft worden ist oder nicht.

Dass sich die Ermittlungen verzögern, liegt wohl auch Beckenbauer. Der "Kaiser" verweigerte bisher seinem niederen Fußvolk jede Rechenschaft. In mehreren Interviews hat Deutschlands Fußball-Ikone den Ahnungslosen gegeben und kein Licht in Gestalt konkreter Auskünfte zu den ominösen Umständen des Zuschlages für die Ausrichtung des Turniers gebracht.

Von der vom DFB mit der Aufklärung beauftragten Wirtschaftskanzlei Freshfields wurde Beckenbauer bislang schon zweimal befragt.

Grindel besänftigt Kritiker

Der von den Landesverbänden als neuer Verbandsboss vorgeschlagene Grindel hatte sich am Mittwoch bei der Versammlung der Klubbosse offiziell dem Profifußball vorgestellt.

Zahlreiche Vertreter der Profivereine hatten nach dem Votum der Landes-Chefs für den CDU-Bundestagsabgeordneten heftige Kritik am Vorpreschen der Amateure geübt. Diese Spannungen sind laut Grindel nun ausgeräumt.

"Die Landesverbände wollten lediglich mit einer Stimme sprechen. Es ging nie darum, jemanden zu brüskieren. Ich denke, so wurde das nun auch verstanden. Ich habe nicht den Eindruck, dass noch Vorbehalten bestehen", sagte der 54-Jährige: "Es ist immer sehr viel besser, miteinander als übereinander zu reden."

Wahltermin noch ungewiss

Grindel ließ allerdings offen, wann seine Wahl zum DFB-Präsidenten stattfinden wird. "Als erstes müssen die Sachfragen geklärt und die Konsequenzen aus der Affäre gezogen werden, erst dann geht es um Personalfragen", äußerte der derzeitige DFB-Schatzmeister.

Der designierte Nachfolger des als Folge der WM-Affäre zurückgetretenen Wolfgang Niersbach betonte zudem, dass er für die Einheit von Profis und Amateuren im Fußball einstehe ("Das ist ein hohes Gut, das mit keinem Geld der Welt zu bezahlen ist") und an der deutschen Bewerbung um die EM-Endrunde 2024 festhalten will.

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