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Theo Zwanziger siegt vor Gericht gegen Katar
Theo Zwanziger siegt vor Gericht gegen Katar © Getty Images

Der ehemalige DFB-Präsident siegt vor Gericht gegen den Gastgeber der WM 2022. Doch auf den 70-Jährigen wartet schon der nächste Rechtsstreit. Diesmal mit Günter Netzer.

Theo Zwanziger trat noch einmal nach. Inmitten klingelnder Telefone nahm der frühere DFB-Präsident den Sieg im "Krebsgeschwür"-Prozess gegen Katar in seinem Altendiezer Büro wie eine Selbstverständlichkeit hin - und teilte wieder kräftig aus.

Nur bei der Frage nach dem brisanten Prozess gegen Günter Netzer, bei dem er am kommenden Mittwoch in Köln erneut der Beklagte sein wird, wurde er mundfaul wie selten.

"Das Wort Krebsgeschwür war eine deutliche Kritik, die aber möglich sein muss, wenn es um einen Skandal solcher Dimension geht", sagte Zwanziger nach der Urteilsverlesung im Saal 2.111 des Düsseldorfer Landgerichts am Dienstag.

WM 2022 in Katar ist "ein Witz"

Und weiter: "Dieses Land ist halb so groß wie Hessen, da herrscht eine unglaubliche Hitze, Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Dort die WM 2022 auszutragen, ist ein Witz."

Einer seiner ständigen Seitenhiebe gegen den Deutschen Fußball-Bund lautete: "Ich bin enttäuscht, dass alle Funktionäre, auch beim DFB, das als gottgegeben hinnehmen."

Die Unterlassungsklage des katarischen Verbandes QFA, vertreten durch den früheren CSU-Spitzenpolitiker Peter Gauweiler, wies das Gericht ab.

"Scharfe Aussagen sind erlaubt"

In der Begründung hieß es, das Wort "Krebsgeschwür" sei ein "beleidigendes Werturteil", überschreite aber nicht die Grenze zur Schmähkritik - ein Begriff, der in der Auseinandersetzung zwischen dem TV-Satiriker Jan Böhmermann und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine zentrale Rolle spielt.

"Scharfe Aussagen sind erlaubt, sonst kann es zu einer Lähmung des Meinungsbildungsprozesses kommen", betonte der beisitzende Richter.

Weder Zwanziger, der seine Formulierung in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk (Juni 2015) gewählt hatte, noch Gauweiler waren persönlich anwesend. Die Kanzlei Bub & Gauweiler kündigte noch am Dienstag an, in Berufung gehen zu wollen.

Katars Anwälte kündigen Berufung an

Das Gericht habe verkannt, dass "selbst im Falle an sich berechtigter Interessen eine solche die Menschenwürde verletzende Schmähkritik unter dem Grundgesetz (Art. 1 GG – Menschenwürde) nicht erlaubt sein" könne, hieß es in der Mitteilung der Kanzlei.

Katars Rechtsvertreter zweifeln außerdem die sachliche Zuständigkeit der 6. Zivilkammer des LG Düsseldorfs an - nach dem Geschäftsverteilungsplan des LG Düsseldorf sei die Kammer für Presse- und Mediensachen des Gerichts zuständig gewesen.

Von Katar muss sich der streitbare Zwanziger also zunächst weiterhin nicht den Mund verbieten lassen.

Rechtsstreit zwischen Zwanziger und Netzer

Ob Netzer dies gelingt, wird sich vor dem Landgericht Köln zeigen. Die Aufmerksamkeit wird um ein Vielfaches höher sein: Am Dienstag blieb von den neun Beobachterplätzen in Düsseldorf sogar ein Stuhl frei.

Beide Funktionäre trieben zur Jahrtausendwende gemeinsam die deutsche Bewerbung um die WM 2006 voran, Zwanziger im WM-OK, Netzer im Aufsichtsrat.

Vor Gericht geht es um ein Treffen der beiden 2012 am Flughafen Zürich. Zwanziger behauptet: Netzer habe ihm damals mitgeteilt, die Stimmen der vier Asiaten in der Exekutive des Weltverbandes FIFA für die WM-Vergabe am 6. Juli 2000 seien gekauft gewesen.

Zwanziger "in allen Dingen guten Mutes"

Netzer bestreitet vehement, dies auch nur im Ansatz gesagt zu haben. Der Ex-Nationalspieler verweist auf die Anwesenheit seiner Gattin Elvira - sie könne bezeugen, dass Zwanziger lüge.

"Ich bin in allen Dingen guten Mutes", sagte dieser nun, einen weiteren Kommentar lehnte er ab. Der 70-Jährige war aber im Dezember deutlich geworden: Elvira Netzer solle seinetwegen "ruhig den Meineid schwören. Günter Netzer geht hohes Risiko".

Selbst dieser Prozesstermin wird wohl nicht der letzte Auftritt des früheren Verwaltungsrichters Zwanziger vor der Justiz sein.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen ihn im Zusammenhang mit einer verschleierten 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des WM-OK 2005 wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

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