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FBL-FIFA-MUSEUM-INFANTINO
Gianni Infantino steht unter Druck © Getty Images

Kurz nachdem der Ex-UEFA-Generalsekretär Infantino mit den "Panama Papers" in Verbindung gebracht wird, kommt es zu einer Polizei-Razzia. Der neue FIFA-Chef begrüßt das.

Am vergangenen Freitag hätte Gianni Infantino die Briefkästen in Panama persönlich inspizieren können.

Doch der neue Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA beendete seine Südamerika-Reise lieber im Nachbarland Kolumbien. Hätte Infantino mal besser nach dem Rechten gesehen, denn nur 40 Tage nach seiner Wahl bringen die "Panama Papers" den selbst ernannten Chefreformer in arge Erklärungsnot - aber was wäre ein FIFA-Boss ohne den Vorwurf dubioser Machenschaften?

Der Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung kommt nach seiner Auswertung der Papiere zu dem Schluss, dass Infantino in seiner Zeit bei der Europäischen Fußball-Union UEFA in Geschäfte mit einer Briefkastenfirma verstrickt war. Dabei geht es um Fernsehrechte, die der Schweizer unter Wert verkauft haben soll. Der 46-Jährige wies die Vorwürfe umgehend zurück.

Umfangreiches Matrial beschlagnahmt

"Ich bin bestürzt und werde nicht akzeptieren, dass meine Integrität von bestimmten Bereichen der Medien angezweifelt wird - zumal die UEFA bereits ausführlich alle Fakten in Bezug auf diese Verträge angegeben hat", ließ der frühere UEFA-Generalsekretär verlauten: "Ich habe in dieser Angelegenheit gleich den Kontakt mit der UEFA gesucht, da ich nicht mehr für sie arbeite und sie alle Informationen zu diesen Verträgen hat."

Dennoch untersuchte die Schweizer Bundespolizei am Mittwoch die UEFA-Zentrale in Nyon. Die Behörden sichteten und beschlagnahmten umfangreiches Material.Die UEFA bestätigte in einer Pressemitteilung, dass die Beamten Einsicht in die Verträge zwischen der UEFA und der Briefkastenfirma Cross Trading verlangt hätten."Natürlich stellt die UEFA der Bundespolizei alle relevanten Dokumente in ihrem Besitz zur Verfügung und wird vollumfänglich kooperieren", hieß es in dem Statement des Europa-Verbandes.

Infantino will mit Behörden kooperieren

Infantino gab sich in einer Stellungnahme am Abend kämpferisch. "Wenn meine Entschlossenheit schon sehr stark war, den Ruf des Fußballs wiederherzustellen, ist sie jetzt nur noch stärker", ließ der 46-Jährige mitteilen.

Er begrüße die Ermittlungen in dieser Sache und werde den Behörden bei weiteren Fragen selbstverständlich zur Verfügung stehen: "Es ist in meinem Interesse und im Interesse des Fußballs, dass alles ans Licht kommt."

Im Detail geht es um einen Vertrag mit der Briefkastenfirma "Cross Trading", den Infantino als Direktor der UEFA-Rechtsabteilung unterschrieben haben soll.

Die Eigentümer dieser Firma sind die argentinischen TV-Rechtehändler Hugo und Mariano Jinkis - zwei Angeklagte im FIFA-Skandal.

Erinnerungen an FIFA-Skandal werden wach

Vater und Sohn Jinkis haben durch den Vertrag die Rechte an der Champions League für die Jahre 2006 bis 2009 erworben. Dann verkauften sie sie mit hohem Gewinn in Lateinamerika weiter. Aus den Unterlagen geht offenbar hervor, dass "Cross Trading" 111.000 Dollar für das Recht der Ausstrahlung in Ecuador bezahlt hat.

Schon zuvor hatte die Firma aber offensichtlich die gleichen Rechte für 311.700 Dollar an den Fernsehsender Teleamazonas weiterverkauft.

Die Frage ist, wie "Cross Trading" schon vor Vertragsabschluss sicher sein konnte, den Zuschlag der UEFA zu erhalten. Das Ganze erinnert an das Strickmuster des FIFA-Korruptionsskandals, bei dem Vater und Sohn Jinkis zu den Hauptbeschuldigten gehören. Beide wurden von Interpol gesucht, saßen kurzzeitig in Untersuchungshaft und warten nun auf ihren Prozess in den USA.

"Nie von Behörden kontaktiert"

Die US-Ermittler werfen ihnen vor, über ihre Firma hochrangige Fußballfunktionäre mit Millionensummen bestochen zu haben, um günstig an Fernsehrechte zu kommen – die sie dann mit Aufschlag verkaufen konnten.

Infantino bestreitet, dass er in dem nun aufgedeckten Fall persönlich in die Verhandlungen involviert war, "da die Ausschreibung von Team Marketing im Auftrag der UEFA" durchgeführt wurde: "Nur um das klarzustellen: Weder die UEFA noch ich wurden im Zusammenhang mit diesen Verträgen jemals von Behörden kontaktiert." Laut Infantino gibt es "keinerlei Anzeichen dafür, dass sich die UEFA oder ich in dieser Angelegenheit falsch verhalten hätten".

Auch die UEFA zeigte sich "bestürzt" über die Anschuldigungen und betonte ebenfalls, dass es aus ihrer Sicht keine verwerflichen Verträge gegeben habe. Dies hätten alle Überprüfungen der Vorgänge ergeben. Umso mehr sei der Verband über die aktuelle Berichterstattung verwundert.

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