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Doping-Missbrauch gibt es offenbar auch unter deutschen Fußball-Profis © Getty Images/Grafik: Paul Haenel

München - Verbotene Mittel sind offenbar auch in Deutschland gang und gäbe. In einer Studie geben Profi-Kicker Missbrauch zu. Ein Detail macht die Untersuchung brisant.

Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele scheint die Sportwelt ihr Doping-Thema gefunden zu haben. In Russlands Leichtathletik wird so offensichtlich manipuliert – da kann selbst der stets mit Argwohn betrachtete Radsport nicht mehr mithalten.

Worüber kaum gesprochen wird, wenn es um Doping geht, ist Fußball. Dabei gäbe es dafür allen Grund. Spätestens seit der Fuentes-Affäre weiß man, dass auch Profikicker bei zwielichtigen Medizinern ein und aus gehen.

Als dem spanischen Doping-Arzt der Prozess gemacht wurde und vor Gericht Patientenakten seiner Radsportkunden verlesen wurden, rief Fuentes den Ermittlern verwundert zu: "Und was habt ihr mit meinen ganzen Fußballern gemacht?"

Doping-Befragung unter Profi-Fußballern

Dopingpraktiken im Fußball werden seit jeher gerne verleugnet. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung sät jetzt erneut Zweifel, ob der Fußball tatsächlich so sauber ist, wie er vorgibt zu sein.

An der Fernuniversität Hagen ist vor kurzem eine Studie veröffentlicht worden, die das Doping-Verhalten von Profi-Fußballern analysiert. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung präsentiert jetzt erstmals Ergebnisse.

Statistisch gesehen ist demnach mindestens jeder zehnte Fußballer in Deutschland gedopt. In Schweden (14 Prozent) und Spanien (31 Prozent) ist die Wahrscheinlichkeit für verbotene Leistungssteigerung bei Profi-Fußballern sogar noch höher.

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Der Autor der Studie – und das ist interessant – ist Lotfi El Bousidi, selbst ehemaliger Profi-Fußballer. Der gebürtige Marokkaner hat seine Kontakte genutzt und 150 Berufskollegen zu deren Doping-Vergehen befragt.

Kein Gespür für verbotene Mittel

Über Landesgrenzen hinweg gab demnach knapp ein Viertel der Befragten zu, schon einmal zu verbotenen Mitteln gegriffen zu haben.

Um die Aussagekraft und den Wahrheitsgehalt ihrer Antworten zu sichern, wurde den Befragten vollständige Anonymität zugesichert – eine wissenschaftlich anerkannte Methode.

Mit demselben Verfahren ermittelte der renommierte Anti-Doping-Experte Perikles Simon in einer Studie von 2011, dass von 1800 befragten Leichtathleten etwa jeder Dritte offen Dopingkonsum eingestand.

El Bousidis Untersuchung liefert jetzt also auch einen Hinweis auf gravierende Missstände im Fußball. 43,4 Prozent der befragten Fußballer wurden demnach 2014 kein einziges Mal auf Doping kontrolliert. Weitere 50 Prozent mussten sich lediglich einem einzigem Test unterziehen.

Für den Autor der Studie ein Grund, das bestehende Testsystem im Fußball infrage zu stellen. Zumal Profifußballer kaum sensibilisiert zu sein scheinen, was den Umgang mit leistungssteigernden Mitteln angeht.

62,5 Prozent der befragten spanischen Fußballer wussten demnach nicht, welche Substanzen auf der Verbotsliste der Anti-Doping-Agentur Wada stehen. In Deutschland war das immerhin bei 37,5 Prozent der Fußballer der Fall.

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