Vor 23 Jahren starb Maurice Banach bei einem Autounfall. Sein Tod erschütterte den Fußball ähnlich wie der von Junior Malanda.

München - Auf einmal war eine schockierende Stille in der Kabine des 1. FC Köln. Die Spieler brachen nach dem Training am Geißbockheim in Tränen aus.

Dem damaligen Trainer Jörg Berger stockte die Stimme, nachdem er seiner Mannschaft an diesem 17. November 1991, einem ungemütlichen Herbstmorgen, die schlimme Nachricht überbracht hatte: Ihr Teamkollege Maurice "Mucki" Banach war auf dem Weg zum FC-Training in der Nähe von Remscheid auf der A1 mit seinem Auto tödlich verunglückt.

Jörg Berger wurde später bei "Spiegel online" zitiert: "Ich konnte nichts mehr denken, war fassungslos, musste erst mal in die Kabine und mich sammeln." Der Coach hatte auf dem Trainingsplatz zuvor Besuch von zwei Polizisten, die ihm gegen 11 Uhr die Nachricht vom Tod des Stürmers überbrachten: "Es war schrecklich. Ein absoluter Schockzustand."

Ein Schockzustand, den über 23 Jahre später, am 10. Januar dieses Jahres, auch die Mannschaftskollegen, der Trainer, der Manager und die Fans beim VfL Wolfsburg erlebten, als Junior Malanda mit nur 20 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam.

Zurück zum 17. November 1991: Ich war an diesem Sonntag Redakteur in der Kölner "Express"-Redaktion, als wir kurz nach Mittag von dem Tod des 24-jährigen "Mucki" Banach erfuhren. Die unabwendbare Frage in die Runde: Wer konnte sich um die Recherche kümmern? Wer rief bei der Frau an, die zu Hause zwei kleine Söhne hatte?

Mich traf es. Ich musste in dem Haus in Banachs Wohnort Münster anrufen.

Erst dachte ich, hoffentlich ist niemand da. Doch dann hörte ich am Telefon Banachs Frau Claudia, die auf meine Fragen mit tränenerstickter Stimme antwortete. Es fiel auch mir schwer, denn zu Hause hatte ich in den Tagen zuvor die Sorgen um meinen todkranken Schwiegervater miterlebt, was ich in dem Telefonat verdrängen musste.

Als ich dann den Telefonhörer auflegte, fühlte ich mich schlecht. Die Sinnfrage solcher Anrufe stellte sich. Maurice Banach war erst seit Stunden tot, die Familie trauerte - und ich ging ihr mit meinen Fragen auf die Nerven.

Der Tod von Maurice Banach, der einer der talentiertesten Spieler der Bundesliga war, erschütterte damals die Fußball-Welt.

Nicht nur in Köln, auch bei den anderen Klubs wurde getrauert. Trainer Falko Götz, damals Spieler bei Hertha BSC: "Mucki war bei allen sehr beliebt und wurde schnell zum Stimmungsmacher. Ich kann das alles noch gar nicht glauben, was geschehen ist."

Beim Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft drei Tage später in Brüssel gegen Belgien wurde eine Schweigeminute für Banach abgehalten. Die nächste Bundesliga-Partie des 1. FC Köln gegen Dynamo Dresden wurde abgesagt.

Erst in den Wochen und Jahren kamen einige Dinge zum Unfall und zum Verhalten des 1. FC Köln ans Licht.

Maurice Banach soll nach Angaben einiger Zeugen mit seinem Opel Omega zu schnell gefahren sein. Das rechtsmedizinische Gutachten habe ergeben, Banach sei nach einer Karnevalsveranstaltung am Abend zuvor in seiner Heimat auf dem Weg nach Köln alkoholisiert unterwegs gewesen. Die Frau und Familie zweifelten das aber vor Gericht mit Erfolg an.

Erst 18 Jahre nach dem Tod ihres Mannes trat Banachs Witwe Claudia an die Öffentlichkeit. "Ich war 25, hatte zwei Kinder, und mein Leben war ein Scherbenhaufen", sagte sie dem "Express".

Vom 1. FC Köln fühlte sie sich in dieser Situation im Stich gelassen. Auch später, bei einem weiteren Unglück: "Mein Sohn Zico fiel drei Monate später bei einem Besuch bei Frank Ordenewitz krankheitsbedingt ins Koma. Er drohte, behindert zu bleiben. Vom FC kam wieder nichts."

Trainer-Legende Udo Lattek dagegen meldete sich, wollte die Vormundschaft für die Jungs übernehmen, Klaus Augenthalers Frau schickte einen rührenden Brief. Der FC Bayern München bot Hilfe an.

Claudia Banach im "Express": "Ich habe es zum Glück auch ohne den 1. FC Köln geschafft. Toll finde ich, dass mein Mucki bei den Fans unvergessen ist. Schade nur, dass ich damals so allein war..."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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