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Jörg Wacker ist beim FC Bayern seit einem Jahr Vorstand für Internationalisierung und Strategie
Jörg Wacker ist beim FC Bayern seit einem Jahr Vorstand für Internationalisierung und Strategie © imago

Jörg Wacker spricht bei SPORT1 über die Bedeutung des WM-Titels für den FC Bayern, die USA-Reise und die Eroberung neuer Märkte.

Von Martin Volkmar

München - Am Mittwoch startet der Tross des FC Bayern seine USA-Reise. Es ist der Aufbruch zur großen Werbetour.

Auf dem Programm stehen auch die Spiele in New Jersey gegen Chivas Guadalajara aus Mexiko (Freitag, 2 Uhr MESZ) sowie an der Westküste in Portland gegen die Allstars der US-Profiliga MLS (7. August, ab 3.30 Uhr MESZ, LIVE im TV auf SPORT1 US, Wiederholung ab 22.15 Uhr bei SPORT1).

Dann werden auch Bayerns Weltmeister und übrigen WM-Teilnehmer mit dabei sein.

Vorab spricht Jörg Wacker, FCB-Vorstand für Internationalisierung und Strategie, im SPORT1-Interview über die USA-Reise, die positiven Auswirkungen des WM-Titels für den Double-Gewinner und die Eroberung neuer Märkte.

SPORT1: Sechs Bayern-Spieler im WM-Finale in der Startelf, der siebte kommt rein und macht das goldene Tor. Fühlt man sich da selbst auch ein bisschen als Weltmeister?

Jörg Wacker: Ich persönlich nicht, aber für den Verein ist das natürlich überragend - und auch für die Bundesliga. Klar, das macht einen stolz.

SPORT1: Wie wichtig ist so ein Erfolg, der ja indirekt mit dem FC Bayern assoziiert wird, aus Sicht der Marke?

Wacker: Enorm wichtig. Es ist großartig wenn man vor allem dank unserer Spieler den Weltmeistertitel holt. Das hilft natürlich, die Marke FC Bayern in die ganze Welt zu transportieren. Wenn Sie weltweit einen Fußballfan heute fragen, ob er Mario Götze, Bastian Schweinsteiger, Jerome Boateng, Manuel Neuer, Philipp Lahm oder Thomas Müller kennt, dann sagt er ja - wahrscheinlich auch im letzten Winkel der Erde. SHOP: Jetzt Bayern-Fanartikel kaufen

SPORT1: In den USA gab es eine enorme Fußball-Begeisterung während der WM. Ist das Zufall, dass der FC Bayern genau jetzt dorthin reist oder war eine solche Tendenz schon erkennbar?

Wacker: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Es gibt mehrere Fokusmärkte für den FC Bayern. Intern aber haben wir entschieden, dass wir uns im ersten Schritt auf zwei konzentrieren, nämlich die USA und China. Unsere Analysen haben gezeigt, dass die USA ein sehr großer Fußballmarkt mit hohem Potential ist. Über 300 Millionen Menschen leben dort, davon 60 Millionen Fußballinteressierte und über 15 Millionen Bayern-Sympathisanten. Das WM-Finale hatte die höchste TV-Quote im Fußball aller Zeiten in den USA. Und gerade bei den Jugendlichen ist Fußball die Sportart Nummer 1. Dass dieser Markt durch die WM noch mal so einen Boost bekommt - umso besser.

SPORT1: Wie sieht es mit den anderen Märkten aus? China haben Sie genannt, was ist mit Japan, Indien, Südamerika?

Wacker: Wenn ich im Jahr 50 Millionen Euro Marketingbudget hätte, dann würde ich ganz schnell ganz viele Märkte angehen. Aber so funktioniert es nun mal nicht. Wir agieren nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern machen einen Schritt nach dem anderen. Ich nenne es mal ein bisschen ?typisch deutsch?.

SPORT1: Inwiefern?

Wacker: Wenn wir etwas machen, dann wollen wir das richtig machen. Erster Schritt wird die USA sein, im zweiten Schritt werden wir nach China gehen. Aber langsam, gut durchdacht und vor allem nachhaltig. Es macht keinen Sinn eine US-Tour zu organisieren und dann zu sagen: So, jetzt haben wir die USA erobert. Unser Konzept ist ein nachhaltiges Konzept mit welchem wir unseren Club noch stärker international positionieren. Und natürlich haben wir auch monetäre Interessen.

SPORT1: Ist der deutsche und auch europäische Markt vielleicht schon ausgereizt, muss man jetzt woanders suchen?

Wacker: Wenn man sich die Marktforschung anschaut, dann hat der FC Bayern weltweit über 300 Millionen Sympathisanten. Unsere Wurzeln sind und bleiben in München, Bayern und Deutschland. Und dennoch müssen wir uns der internationalen Herausforderung stellen. Unsere Wettbewerber heißen Manchester United, Barcelona und Real Madrid ? und an diesen Vereinen müssen wir uns orientieren.

SPORT1: Wie ist die Erwartungshaltung an die USA-Reise, das Ziel der Reise?

Wacker: Die Reise ist ein Teil des Gesamtpuzzles, der Gesamtstrategie. Diese Tour ist super, weil wir mit der Mannschaft und unseren Stars in einen neuen Markt gehen. Das ist sowohl für unsere Partner, als auch für unsere Fans vor Ort genial. Aber: Wir fliegen auch wieder zurück. Und dann geht es darum, auch ohne unsere Spieler vor Ort unsere Marke 365 Tage im Jahr in den USA sichtbar zu machen.

SPORT1: Wird der FC Bayern künftig so wie Real Madrid oder der FC Chelsea einmal im Jahr so eine Tour nach Übersee machen?

Wacker: Wenn das die sportliche Leitung zulässt, dann ganz sicher ja. Denn solche Touren unterstützen unsere Internationalisierungsstrategie machen unsere Spieler für unsere Fans anfassbar.

SPORT1: Können Sie die Befürchtungen nachvollziehen, dass so eine vergleichsweise strapaziöse Reise nach der anstrengenden letzten Saison negative Folgen haben könnte für den Saisonstart?

Wacker: Wir haben das schon vor Monaten im Vorstand gemeinsam so entschieden, auch wenn wir wussten, dass es vielleicht nicht ganz optimal sein könnte. Nun ist Deutschland Weltmeister geworden und der FC Bayern hat nun sechs Spieler mit diesem Titel im Kader. Für uns alle geht es darum dass wir hieraus sowohl sportlich als auch wirtschaftlich das Beste machen.

SPORT1: In England, Spanien oder Italien hatte man zum Teil den Eindruck, dass Spieler aus neuen Märkten verpflichtet wurden, auch mit dem Hintergedanken, dort punkten zu können. Können Sie sich so etwas auch vorstellen?

Wacker: Diese Diskussion hat es in der Vergangenheit nicht gegeben und diese wird es hier beim FC Bayern auch in Zukunft nicht geben. Nur weil Japan beispielsweise innerhalb unserer globalen Ausrichtung ein wichtiges Land ist werden wir trotzdem nur aus diesem Grund keine japanischen Spieler verpflichten.

SPORT1: Sie haben jetzt ein Jahr lang Einblick bekommen in die Arbeit beim FC Bayern. Wie fällt Ihr persönliches Zwischenfazit aus, wie steht der FC Bayern aus Ihrer Sicht international da?

Wacker: Ich habe schon bei meinem Arbeitsbeginn gesagt, dass das ein Traumjob ist. Das sage ich heute immer noch. Ich glaube, das sagt alles. Das Resümee ist sehr, sehr positiv. Der FC Bayern hat nach dem Triple das Double, den Weltpokal und den europäischen Supercup geholt, jetzt stellen wir sechs Weltmeister. Im Hinblick auf unsere internationalen Ziele kann es kaum besser sein. Ich glaube, der FC Bayern ist aktuell in einer Top-Top-Position im Weltfußball und jetzt geht es darum, diese Position zum einen zu halten und zum anderen diese Erfolgsmarke global noch stärker zu positionieren.

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