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Uwe Hünemeier ist Kapitän der ersten Paderborner Bundesliga-Mannschaft
Uwe Hünemeier ist Kapitän der ersten Paderborner Bundesliga-Mannschaft © getty

München - Außenseiter SC Paderborn mischt als Neuling die Bundesliga auf. Kapitän Uwe Hünemeier erklärt bei SPORT1 das Erfolgsgeheimnis.

Der SC Paderborn lebt seit Monaten einen großen Traum.

Nach dem Aufstieg in die Bundesliga und dem damit größten Erfolg der Vereinsgeschichte machen die Ostwestfalen auch in der Beletage des deutschen Fußballs auf emotionale und charmante Art und Weise auf sich aufmerksam.

In den ersten beiden Spielen sorgte das Team von Trainer Andre Breitenreiter (am Sonntag, ab 11 Uhr Gast im Volkswagen Doppelpass im TV auf SPORT1) weiter für positives Aufsehen: Zum Auftakt musste man zuhause gegen Mainz 05 erst kurz vor Schluss den Ausgleich zum 2:2 hinnehmen. Und in der zweiten Begegnung siegten die Underdogs von der Pader beim Hamburger SV souverän mit 3:0.

Zwei Spiele, vier Punkte

Die 146.000 Einwohner im kleinen Paderborn haben weiter viel Freude an ihrem Team, das Märchen geht weiter.

Und nach dem ersten Bundesligasieg hat die Begeisterung vor dem Heimspiel am Samstag gegen den 1. FC Köln einen neuen Höhepunkt erreicht.

Mit dem FC kommt jetzt der andere Aufsteiger nach Paderborn. Auch die "Geißböcke" sind mit vier Punkten stark in die Saison gestartet.

"Euphorie mitgenommen"

"Wir haben die Euphorie des Aufstiegs mit in die Bundesliga genommen und sind in beiden Spielen als geschlossene Einheit aufgetreten. Es war schön zu sehen, dass wir auch in der neuen Liga mithalten können", sagt Kapitän Uwe Hünemeier im Gespräch mit SPORT1.

Hünemeier merkt aber auch direkt an: "Der aktuelle Tabellenplatz ist eine schöne Momentaufnahme, mehr auch nicht. Wir können auf das Erreichte stolz sein, haben aber noch einen weiten Weg vor uns. Schließlich wollen wir gemeinsam den Klassenerhalt erreichen."

So sind sie in Paderborn: bescheiden, authentisch, bodenständig.

Tabelle über dem Bett

Dennoch dürften sich die Fans die Tabelle nach dem 2. Spieltag ausgeschnitten und über das Bett gehängt haben, so begeistert ist ganz Paderborn vom aktuellen Rang zwei.

"Von einem 3:0-Erfolg beim HSV war natürlich nicht auszugehen", sagt Hünemeier, "aber wir haben gezeigt, was mit einem etablierten Team und dem Glauben an die eigene Stärke möglich ist."

Paderborns Torwart Lukas Kruse erklärt bei SPORT1: "Wir sind mit viel Freude in die Saison gegangen und für unsere guten Leistungen belohnt worden." Und der 31-Jährige ergänzt: "Sicherlich war die Höhe unseres Sieges überraschend. Aber wir hatten uns in Hamburg schon etwas ausgerechnet."

Anders als Fürth und Braunschweig

Vor der Saison hatten viele Experten Paderborn die gleiche Rolle wie Greuther Fürth und Eintracht Braunschweig in den beiden Vorjahren zugedacht.

Die beiden Aufsteiger stiegen direkt wieder ab und standen dabei von Beginn an mit dem Rücken zur Wand.

Die Freude über den erfolgreichen Saisonstart kann den Paderbornern dagegen schon keiner mehr nehmen.

Mannschaft wurde zusammengehalten

Für Hünemeier ist das Erfolgsgeheimnis ganz einfach zu erklären. Das Team sei "gemeinsam aufgestiegen" und die Mannschaft wurde "weitgehend zusammengehalten. Die Abläufe auf dem Platz sind bekannt, alle Spieler haben Orientierung und stellen ihr Ego hinter den mannschaftlichen Erfolg."

Die Stadt lebt durch den Verein, das weiß auch Hünemeier: "Überall, wo man in Paderborn und auch in der Region auftaucht, wird man natürlich auf unseren sportlichen Erfolg angesprochen. Für mich ergeben sich auf der Baustelle meines Privathauses fast täglich interessante Gespräche über Fußball. Ich freue mich sehr, dass wir eine ganze Region begeistern."

Aber was macht Paderborn so einzigartig?

Ruhiges Umfeld als Vorteil

"Durch die Bundesliga ist das Medieninteresse natürlich spürbar größer geworden", sagt Hünemeier, "aber wir haben in Paderborn ein ruhiges Umfeld, so dass wir uns voll auf Fußball konzentrieren können."

Im Verein gebe es zudem "ganz kurze Wege, die auch zu schnellen Entscheidungen führen." Einzig die Rahmenbedingungen bei den Trainingsmöglichkeiten müssten noch verbessert werden. Aber der Verein arbeite "intensiv" daran.

Intensiv arbeiteten die Paderborner in der Länderspielpause auch daran, dass der Lauf gegen Köln fortgesetzt wird. Ein Selbstläufer wird dies nicht.

Hünemeier will kein Held sein

"Über die Qualität von Köln müssen wir nicht sprechen", betont Hünemeier, "die Mannschaft ist im Vorjahr absolut verdient aufgestiegen."

Der FC habe natürlich andere Ansprüche. "Aber wir haben im Vorjahr schon gezeigt, dass wir gegen Köln gut aussehen können. An diese Spiele wollen wir anknüpfen", erklärt Hünemeier.

Die Leistungen der Paderborner lassen die kleinste Bundesligastadt, ähnlich wie das kleine gallische Dorf bei Asterix und Obelix, träumen. Fühlt man sich da als Spieler ein bisschen als Held?

"Ich habe mich beim Aufstieg nicht als Held gefühlt und tue das jetzt auch nicht", sagt Hünemeier. Aber: "Es ist richtig, dass wir einen historischen Erfolg geschafft haben. Daran haben alle Spieler und Verantwortlichen mitgewirkt."

So sind sie in Paderborn. Sie bleiben auf dem Teppich.

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