vergrößernverkleinern
Karl Hopfner
Karl Hopfner ist Nachfolger von Uli Hoeneß als Präsident des FC Bayern. © Sport1

München - Bayern-Präsident Karl Hopfner plädiert bei SPORT1 für ein neues Verhältnis zu Dortmund. Zudem spricht er über Vorgänger Hoeneß.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel und Christian Ortlepp

Er hat spektakuläre Transfers mit über die Bühne gebracht, hat den FC Bayern von Jahr zu Jahr wachsen sehen. Zugleich stand der Verein dank seiner ordnenden Hand immer finanziell gesund da, das prall gefüllte Festgeldkonto ist europaweit legendär.

Karl Hopfner ist eine Instanz beim deutschen Rekordmeister. Seit 1983 im Klub. Als Geschäftsführer, Finanzvorstand und Vizepräsident sammelte er bereits mehr als 40 Titel und das stets an der Seite von Uli Hoeneß.

Inzwischen hat er Hoeneß als Präsident abgelöst. Im Mai wählten ihn die Bayern-Mitglieder ins Amt, nachdem Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Seit Anfang dieser Woche ist Hopfner auch Aufsichtsratschef.

Beim Interview-Termin mit SPORT1 spricht er unter anderem über seine neue Rolle und die Entwicklung des FC Bayern (das Interview, Do., ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1).

Zudem gewährt er tiefe Einblick in die Zeit nach Hoeneß, beschreibt das Verhältnis zum Ligakonkurrenten Borussia Dortmund und lässt UEFA-Präsident Michel Platini und Ex-Bayern-Coach Louis van Gaal auflaufen.

Hopfner spricht bei SPORT1 über...

die Bedeutung von Macht:

"Macht bedeutet mir überhaupt nichts, ich sehe meine Aufgabe als Hilfestellung gegenüber dem Klub, die ich nicht ablehnen kann."

den Fall Uli Hoeneß:

"Ich denke sehr oft an ihn. Für mich ist ehrlich gesagt nicht nachvollziehbar, wie sein täglicher Ablauf ist. Man macht sich Gedanken und denkt sich, wie ist es, wenn jetzt die Tür wieder hinter ihm zugeht. Es beschäftigt einen, man denkt, hoffentlich geht es ihm einigermaßen gut."

eine mögliche Rückkehr von Hoeneß:

"Ich glaube selbstverständlich, dass er zum FC Bayern zurückkehrt, ich weiß nicht in welcher Funktion, das müssen andere entscheiden. Dass es für Uli Hoeneß so weitergeht wie vorher, wenn er das Ganze, diese für ihn sicherlich sehr schwierige Zeit, hinter sich hat, das glaube ich persönlich nicht. Aber wir haben einen Souverän, die Mitglieder, die werden entscheiden, anschließend wird auch entschieden, wie es in der Aktiengesellschaft weitergeht."

die Entwicklung von Borussia Dortmund:

"Dortmund war 2004/2005 richtig am Boden. Sie haben es geschafft, die große Wende einzuleiten und sind mittlerweile einer unserer größten Wettbewerber in der Bundesliga. Für den Weg dorthin, kann man allen Beteiligten nur gratulieren, dass sie das geschafft haben."

die Distanz zwischen Bayern und Dortmund, die BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in "Lichtjahren" bemisst:

"Das sind ein paar Ausdrücke, die immer gut klingen nach außen. Ich weiß nicht, wo bei uns der Honig fließt, es ist ja alles hart erarbeitet. Wir brauchen eine starke Bundesliga, ich sehe aber nicht nur Borussia Dortmund, ich sehe auch andere Mannschaften, die nachkommen, die die Qualität in der Zukunft haben können wie Schalke 04, Bayer Leverkusen oder Wolfsburg."

das Verhältnis zu BVB-Boss Watzke:

"Zum Thema ist alles gesagt. Ich muss nichts zurücknehmen, ich weiß nicht, ob Herr Watzke oder Karl-Heinz Rummenigge etwas zurücknehmen müssten. Das Spielchen sollte man jetzt mal aufhören. Wenn man sich sieht, gibt man sich die Hand, ansonsten sind wir in der Bundesliga Wettbewerber."

die Attacken von Uefa-Boss Michel Platini auf Franck Ribery:

"Ich habe es nicht verstanden. Abstellungen sind nicht UEFA-, sondern FIFA-Sache. Ich weiß nicht, warum Michel Platini diese Aussage gemacht hat und gesagt hat: Wenn Ribery berufen wird, muss er kommen, wenn er nicht kommt, gibt es eine Sperre. Auch die Aussage von drei Spielen Sperre, ist eine falsche Aussage, das steht ja gar nicht so im FIFA-Reglement. Ich bin der Meinung, wenn ein Spieler seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt und das mit dem Trainer abspricht, ist das ein Fakt und eine Entscheidung des Spielers. Der Spieler ist beim Klub angestellt und nicht beim Verband."

Louis van Gaals Kritik am FC Bayern:

"Ich kann mir nur vorstellen, dass es der Frust seiner Niederlagen war, die er zurzeit mit Manchester United hat. Vielleicht hat er da irgendein Ventil gesucht und da ist ihm wiedermal der FC Bayern eingefallen."

die Zukunft von Sportvorstand Matthias Sammer, dessen Vertrag 2015 endet:

"Dazu wird es demnächst Gespräche geben, aber über Inhalt der Gespräche und Zeitpunkt werden wir sicher nicht in der Öffentlichkeit reden."

die Arbeit Sammers:

"Man muss das mal von der Erfolgsseite sehen. Im ersten Jahr, als Matthias Sammer kam, haben wir von einem Supercup abgesehen, alles gewonnen, im zweiten Jahr haben wir das Double geholt, waren im Halbfinale der Champions League. Ich kenne keinen, der in so kurzer Zeit so viele Titel geholt hat wie Matthias Sammer. Er ist ein Teil des ganzen Erfolgs. Fakt ist, seit er da ist, hat der FC Bayern wieder Titel gewonnen."

die Ziele für die laufende Saison:

"Ein Titel ist schön, die Meisterschaft ist sicher am wichtigsten und dauert am längsten, spiegelt die Saison, bei der Champions League brauchst du auch Glück. Im Pokal ist es genauso. Wenn wir mehr als einmal auf dem Rathaus-Balkon wären, hätten wir nichts dagegen."

den FC Bayern in der globalisierten Welt:

"Wir sind im Fußballgeschäft eine Weltmarke, nicht die Weltmarke. Davon gibt es mehrere. Es ist immer einfach einmal nach oben zu kommen. Das Entscheidende ist aber, oben zu bleiben und die Stabilität zu haben. Das Ganze muss innerhalb der finanziellen Möglichkeiten gehen. Ich bin ein absoluter Verfechter davon, dass das Financial Fair Play eingehalten wird. Ich sehe es als große Chance des Fußballs."

die Gefahr eines Crashes im Fußballgeschäft:

"Ich weiß nicht, ob es einen Crash geben wird. Jeder muss es für sich entscheiden. Wenn ein Klub die entsprechenden Einnahmen hat, dann kann er auch die entsprechenden Ausgaben machen. Jeder muss selbst wissen, ob er die Gehälter und astronomisch hohen Transferentschädigungen zahlt. Wir sind da auf einem absolut ausgeglichen Weg."

einen möglichen Großinvestor, der die Mehrheit übernehmen könnte:

"Ich bin ein absoluter Verfechter davon, dass der FC Bayern München e.V. der Mehrheitsaktionär in der FC Bayern München AG sein muss. Wir sind es historisch ganz anders gewohnt als zum Beispiel in Frankreich, England oder Italien. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass unsere Mitglieder das Sagen haben müssen. Solange ich die Verantwortung habe, schließe ich aus, dass eine Drittperson oder Drittfirma bei der FC Bayern AG die Mehrheit übernehmen könnte."

weitere Investoren:

"Die Partner, die wir haben, Audi, Adidas und jetzt auch die Allianz, all diese Investments waren auch notwendig, um die Allianz Arena stemmen zu können. Sie ist demnächst durch die ganzen Investitionen schuldenfrei. Ich muss keine Partner aufnehmen, wenn ich keinen finanziellen Bedarf habe. Der FC Bayern ist so gut aufgestellt, dass er es zur Zeit nicht nötig hat, irgendjemanden aufzunehmen oder weitere Anteile zu verkaufen, geschweige denn die Mehrheit abzugeben."

die baldige Abbezahlung der Allianz Arena:

"Diese Frage betrifft den Vorstand. Der Finanzvorstand in Person von Jan-Christian Dreesen kümmert sich darum und macht einen sehr guten Job. Er ist auf dem besten Weg dazu, dieses Restdarlehen abzubauen."

eine mögliche Abmeldung der zweiten Mannschaft nach dem Vorbild von Bayer Leverkusen:

"Ich weiß nicht, ob es für die Kollegen im Vorstand ein Tabu-Thema ist. Für mich ist es eines, ich bin der Meinung, wir sind ein Fußballklub, wir haben auch eine Verantwortung, dazu gehören auch eine Jugendarbeit und eine Zweite Mannschaft. Solange ich hier in der Entscheidung bin, werde ich mich dagegen verwehren, die Zweite Mannshaft aufzulösen. Da bin ich strikt dagegen"

seinen schwarzen Humor:

"Ich kann auch über mich selbst lachen, dieser leicht ironische bayerische Humor, wenn ich es so bezeichnen darf, hat noch nie geschadet und macht vielleicht im Leben einiges leichter."

seine schwierigste Verhandlung:

"Sehr schwierig war die erste Verhandlung und der Abschluss mit Franck Ribery. Da haben wir im Vorstand am längsten gearbeitet, bis der Vertrag unterzeichnet war. Wir hatten aber keine schlaflosen Nächte. Man weiß ja, was man will und kennt seine Grenzen. Im Nachhinein muss man sagen, dass wir alles richtig gemacht haben, wenn man sieht, wie Ribery hier eingeschlagen ist."

Angebote, den FC Bayern zu verlassen:

"Es gab ein paar Angebote, man fühlt sich geschmeichelt, überlegt einen Moment, dann denkt man, was Besseres als den FC Bayern gibt es nicht."

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel