vergrößernverkleinern
Medhi Benatia (r., mit Trainer Pep Guardiola) wechselte Ende August 2014 vom AS Rom zum FC Bayern
Medhi Benatia (r., mit Trainer Pep Guardiola) wechselte Ende August 2014 vom AS Rom zum FC Bayern © Getty Images

München - Medhi Benatias Start beim FC Bayern verläuft holprig. Doch nach dem Badstuber-Schock ist er gefragt - zumindest in der Hinrunde.

Die Bühne schien gerichtet für Medhi Benatia.

Als Holger Badstuber im Südschlager zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart in der 43. Minute vom Platz humpelte, war das Debüt des Marokkaners zum Greifen nah.

Doch statt Benatia beorderte Pep Guardiola Gianluca Gaudino zur Einwechslung an die Seitenlinie. Nicht der 26-Millionen-Euro-Neuzugang vom AS Rom kam, sondern ein Frischling, der bei den Bayern kolportierte 250 Euro pro Monat verdient.

Gegen Stuttgart nur Reservist

Ex-Bayern-Verteidiger Thomas Helmer fragte sich im Volkswagen Doppelpass: "Wo ist denn Medhi Benatia eigentlich?"

Auf dem Platz suchte man ihn vergebens. Guardiola vertraute auf das Trio aus Jerome Boateng, Holger Badstuber und Dante. Nach Badstubers Verletzung rückte Lahm aus dem Mittelfeld nach hinten.

Für SPORT1-Experte Thomas Berthold eine nachvollziehbare Entscheidung. "Ihn nun auf Teufel komm raus aufzubieten, obwohl seine Vorbereitung in der italienischen Liga eine ganz andere war, bringt doch weder dem Spieler noch dem Verein etwas", erklärt der einstige Italien-Legionär: "Auch wenn er natürlich viel Geld gekostet hat und ungeachtet der Tatsache, dass nun auch Holger Badstuber ausfällt."

Konkurrent Dante optimistisch

Kein Platz also für Benatia, und das obwohl Boateng eine lange und kräftezehrende WM hinter sich hat und Dantes Posten vor Saisonstart schon vakant schien."Ich habe jetzt zwei Saisonspiele über 90 Minuten gemacht. Ich rede da aber nicht viel drüber, und weiß natürlich, dass ich weiter Gas geben muss", sagte der Brasilianer bei SPORT1.

Er glaubt an seinen Platz in der Bayern-Elf. Auch am Mittwoch zum Auftakt der Champions League gegen Manchester City (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm).

"Im Kopf bin ich zu 100 Prozent voll da. Ich bin überzeugt, dass ich die ganze Saison dran bleiben werde", sagte Dante.

Guardiola gibt Benatia Zeit

Für Trainer Pep Guardiola war Benatias Platz auf der Bank folgerichtig: "Benatia hat zwei bis drei Tage mit der Mannschaft trainiert. Er braucht noch Zeit". Für Xabi Alonso reichte in der Vorwoche gegen Schalke schon ein Anschwitzen mit der Mannschaft für einen Startelfeinsatz.

Dennoch glaubt Guardiola an den teuersten Bundesliga-Neuzugang des Sommers. "Benatia braucht noch Zeit. Aber er wird uns früher oder später helfen", sagte Guardiola und schob in gewohnter Manier hinterher: "Der FC Bayern hat einen super super Spieler verpflichtet."

Das bezweifelt allerdings der frühere Chef des 27-Jährigen. James Pallotta, Präsident des AS Rom, sah in Benatia "Gift" für seinen Klub. Der Verteidiger habe das Präsidium, seinen Trainer und seine Mitspieler über seine Zukunft angelogen.

Unschöne Nebengeräusche

"Benatia hat im ganzen Sommer daran gearbeitet wegzugehen, er hat zudem von der Roma mehr Geld verlangt"; sagte auch Ettore Intorcia im Gespräch mit SPORT1.

Der Journalist berichtet für die in Rom erscheinende Sporttageszeitung "Corriere dello Sport" vor allem über den Transfermarkt, er weiß, wie das Thema Benatia den Klub seit Monaten beschäftigt hat.

So begleiten unschöne Nebengeräusche Benatias erste Tage in München.

Fakt ist, dass Benatia nicht mit der nötigen Fitness nach München gekommen ist, um gleich zu funktionieren.

Nächsten Wochen als Feuerprobe

Dennoch dürfte sich die sportliche Leitung des FC Bayern spätestens mit der erneuten Verletzung von Badstuber in der Neuverpflichtung bestätigt fühlen.

Badstuber wird dem Rekordmeister mit einem Muskelsehnenriss voraussichtlich drei Monate fehlen - fast die gesamt Bundesliga-Hinrunde und wohl die komplette Gruppenphase der Champions League. Dazu kommt der langfristige Ausfall von Javi Martinez.

So könnte Benatia gerade in den nächsten Monaten noch Gold wert sein, zumal seine Leistungen in Rom für ihn sprechen: Kein Spieler wurde in der Serie A in der vergangenen Saison seltener ausgedribbelt. Benatia selbst beschreibt sich auf dem Platz als "eklig", einen Platzverweis hat er dennoch nie kassiert.

Nicht nur deshalb sieht auch Berthold noch nicht schwarz für den Marokkaner: "Benatia braucht schlichtweg noch ein paar Wochen Zeit, um sich an die Abläufe in der neuen Mannschaft und in der neuen Liga zu gewöhnen."

Benatia wird seine Bühne beim FC Bayern noch bekommen. Trotz aller Anlaufschwierigkeiten.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel