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Roberto di Matteo gewann 2012 mit Chelsea die Champions League

München - Für Joachim Löw ist Schalkes neuer Trainer Roberto Di Matteo ein ausgewiesener Stratege. Der FC Bayern hat ihn schon kennen gelernt.

Von Holger Luhmann

Einen namhaften Fürsprecher hat Schalkes neuer Trainer Roberto Di Matteo auf jeden Fall - Bundestrainer Joachim Löw.

"Als 18-Jähriger hat er mir als 28-Jährigem erklärt, wie ich im Mittelfeld laufen muss", erinnerte sich Löw im Frühjahr dieses Jahres in einem Interview mit der "Schweiz am Sonntag" an Di Matteos schon damals ausgeprägten Fußball-Sachverstand.

Löw und Di Matteo waren einst Weggefährten in Schaffhausen, wo Di Matteo aufwuchs. "Er war sehr gut ausgebildet und hat das Spiel durchschaut. Ich wusste: Wenn es jemand schafft aus jener Schaffhauser Mannschaft, ein großer Trainer zu werden, dann er", sagte Löw.

Dritter Italiener nach "Trap" und Scala

Nun ist Di Matteo also auf Schalke gelandet.

Als dritter italienischer Trainer in der Bundesliga nach Giovanni Trapattoni und Nevio Scala.

Seine Premiere auf der Bank der Königsblauen wird er am 18. Oktober gegen Hertha BSC feiern.

Was der 44-Jährige, der in seiner Heimat liebevoll "Röbi" genannt wird, schon vorweisen kann: Er ist ein ausgewiesener Bayern-Schreck.

Mit dem FC Chelsea verdarb Di Matteo dem FC Bayern 2013 in der Champions League das "Finale dahoam" und entführte den Henkelpott nach London.

Schon 2012 im Gespräch

Damit verfügt Di Matteo über jenen Glamour, der Jens Keller stets abging.

Schon im Dezember 2012 war er nach der Entlassung von Huub Stevens bei Schalke im Gespräch.

Doch damals entschieden sich die Klubverantwortlichen eben für Keller.

Auch als Spieler erfolgreich

Schon als Spieler war Di Matteo erfolgreich. Für die Squadra Azzurra brachte er es auf 34 Länderspiele und stand im Kader bei der WM 1998.

Von 1996 bis 2002 spielte er für Chelsea und erzielte als Mittelfeldspieler 26 Tore.

Nach einer schweren Beinverletzung im September 2000 im UEFA-Pokal beendete Di Matteo, der eine blinde Schwester hat, im Februar 2002 seine aktive Spielerkarriere.

Vergänglicher Ruhm in Chelsea

Als Trainer begann er in der dritten Liga englischen Liga bei den Milton Keynes Dons.

Nach einer Saison wechselte er zu Westbromwich Albion und stieg mit dem Klub in die Premier League auf.

Zur Saison 2011/12 wurde er Assistent von Andre Villas-Boas beim FC Chelsea. Nach Villas-Boas? Entlassung am 4. März 2012 führte er die "Blues" als Interimstrainer zum Sieg im FA-Cup und zum Triumph in der Königsklasse.

Doch sein Ruhm bei Chelsea währte nicht lange. Nach einer 0:3-Klatsche bei Juventus Turin wurde er im November 2012 entlassen.

Angebot der Schweiz ausgeschlagen

Seitdem war Di Matteo raus aus dem Trainergeschäft.

Er habe sich weitergebildet und sich intensiv seiner Familie gewidmet, erklärte er. Mit seiner englischen Lebenspartnerin hat er drei Kinder.

Nach eigenen Angaben schlug er Anfragen mehrerer Klubs ebenso aus wie die von drei Nationalverbänden - darunter der Schweiz.

Catenaccio statt Offensivzauber

Und was zeichnet Di Matteo neben seinem taktischen Geschick noch aus? Er gilt als guter Psychologe. Als Coach, der die Spieler für sich vereinnahmen kann.

Bei Chelsea schaffte er es sogar, dass ein Stürmer wie Didier Drogba bedingungslos auch in der Defensive arbeitete.

Großen Offensivzauber dürfen sich die Schalker Fans unter Di Matteo allerdings nicht erhoffen.

Im Gegenteil: Di Matteo scheint eher der italienische Catenaccio im Blut zu liegen.

Die spanische Sportzeitung "As" schrieb damals über das Chelsea unter Di Matteo: "Ein Team mit einem ranzigen Parfüm und einer 20 Jahre alten Spielart."

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