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Thiago Alcantara (M.) wechselte 2013 für 25 Millionen Euro  vom FC Barcelona zum FC Bayern

Die erneute Verletzung von Thiago bedeutet auch eine Belastungsprobe für das Verhältnis von Guardiola und Müller-Wohlfahrt.

Von Holger Luhmann

Vielleicht ist es ganz gut, dass die weitere Behandlung von Thiago Alcantara auf neutralem Boden stattfindet.

Der erneut verletzte Mittelfeldstar des FC Bayern wird nach seinem Teilriss des Innenbandes im rechten Knie (Bericht) in die USA fliegen und sich in Vail im US-Bundesstaat Colorado von Spezialist Dr. Richard Steadman operieren lassen.

Weit weg von Trainer Pep Guardiola und Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Sogar Sorgen um Karriere

In erster Linie geht es nun natürlich darum, dass Thiago endlich wieder gesund wird.

Dass der 23 Jahre alte Spanier seine Karriere fortsetzen kann.

Und dem FCB zumindest wieder in der Rückrunde zur Verfügung steht.

Doch der abermalige Rückschlag für Thiago bedeutet auch eine erneute Belastungsprobe des Verhältnisses zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt.

Denn die Personalie Thiago steht bei den Bayern auch für den Zwist zwischen Coach und Doc.

Ist das Kortison Schuld?

Ein Blick zurück: Seinen letzten Einsatz im Bayern-Trikot bestritt Thiago am 29. März. Ein unglückliches Foulspiel von Hoffenheims Kevin Volland läutete eine lange Leidenszeit ein, deren Ende nicht abzusehen ist.

Thiago musste sich die Spiele seiner Teamkollegen zunächst mit Gips angucken. Es war Guardiola, der im April entschied, seinen Landsmann zur Behandlung nach Barcelona zu seinem Vertrauensarzt Dr. Ramon Cugat zu schicken.

Kortisonspritzen sollten für eine schnelle Genesung sorgen. Die Rechnung schien auch zunächst aufzugehen.

Im Mai stand Thiago wieder im Kader für das Spiel gegen den VfB Stuttgart (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch nur zwei Tage später riss das Innenband im geschädigten Knie nach einem Zweikampf mit Jerome Boateng im Training bei der Landung erneut.

Aus für 2014

In der Folge verpasste Thiago die WM in Brasilien und fehlt dem FC Bayern seitdem.

Thiago kämpfte sich zurück und träumte vom Comeback.

Noch am Montag verzückte er die Zuschauer beim Training mit Tricks.

Doch am Dienstag platzte der Traum von der Rückkehr gegen Werder Bremen am Samstag.

An Fußball ist in diesem Jahr nicht mehr zu denken.

Bereits zweite Folgeverletzung

Der Innenbandriss vom Dienstag ist bereits die zweite Folgeverletzung.

Der FC Bayern nannte in einer Pressemitteilung eine "Narbeninsuffizienz" als Grund für die erneute Verletzung.

Ob die Kortison-Behandlung für Thiagos Leidenszeit verantwortlich ist, kann nicht eindeutig beantwortet werden.

Fakt ist: Müller-Wohlfahrt hatte eindringlich vor der Behandlung mit Kortison gewarnt.

Verhältnis von Beginn an angespannt

Die Personalie Thiago ist bei den Bayern auch ein Politikum.

Schon seit Guardiolas Amtsantritt im Vorjahr ist das Verhältnis zu Müller-Wohlfahrt angespannt.

"Guardiola wundert sich über die Strategie der medizinischen Abteilung", schreibt der Spanier Marti Perarnau in seinem Buch "Herr Guardiola" über das erste Jahr in München.

Der Coach ist es aus seiner Zeit beim FC Barcelona gewohnt, dass die medizinische Abteilung nach einer Verletzung während der Übungseinheiten sofort die Behandlung übernimmt.

Denkmal mit "Wunderhänden"

Beim FC Bayern sind dagegen die Physiotherapeuten für die Erstversorgung zuständig, erst danach kümmert sich Müller-Wohlfahrt in seiner orthopädischen Praxis um die verletzten Spieler.

Dass Müller-Wohlfahrt zugleich für die deutsche Nationalmannschaft im Einsatz ist, stimmt Guardiola ebenfalls nicht gerade froh.

Doch bei den Bayern gilt der Doc, der seit 36 Jahren für den Verein arbeitet und dessen "Wunderhänden" Spitzensportler und Promis aus der ganzen Welt vertrauen, als Institution. Als Denkmal, an dem nicht gerüttelt wird.

Thiago trotzig und kämpferisch

Thiago hat jetzt andere Sorgen als die zwei Streithähne.

"Ich werde wieder kämpfen. Ich werde wieder rankommen. Und ich werde beim FC Bayern mein Comeback feiern", versicherte er trotzig und kämpferisch.

Nach SPORT1-Informationen dürfte er aber frühestens für ein mögliches Champions-League-Achtelfinale wieder fit sein.

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