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Das Freistoßspray wurde erstmals in amerikanischen Wettbewerben getestet

Frankfurt am Main - Das Freistoßspray feiert sein Debüt im deutschen Profifußball. Den Schiedsrichtern wäre die Torlinientechnik aber lieber.

Zunächst hatten die Schiedsrichter Bedenken, dann war der TÜV dagegen - doch am Ende setzten sich die "Schaumschläger" durch: Ab Freitag darf im deutschen Profifußball hemmungslos auf den Rasen gesprüht, geschäumt und gemalt werden.

Während die Torlinientechnik weiter auf sich warten lässt, feiert das Freistoßspray mit leichter Verspätung seine Premiere.

WM als Vorreiter

"Wir haben bei der WM in Brasilien gesehen, dass es wunderbar funktioniert", sagte der deutsche Schiedsrichterboss Herbert Fandel mit Blick auf das Debüt des WM-erprobten Hilfsmittels, das seit Saisonbeginn bereits fester Bestandteil der Champions League, der Europa League sowie der anderen europäischen Topligen in Spanien, England, Italien und Frankreich ist.

Beim turnusmäßigen Schiedsrichter-Lehrgang in der vergangenen Woche in Mainz wurden die Referees im Umgang mit dem Spray geschult.

Nun sind die Unparteiischen bereit für den Einsatz in der Eliteklasse, der 2. und der 3. Liga. Im DFB-Pokal wird der Schaum zum ersten Mal in der 2. Runde (28. und 29. Oktober) eingesetzt.

Verspäteter Beginn

Eigentlich war die Einführung das Sprays schon für den Saisonstart geplant.

Doch die Bedenken der Schiedsrichter, die sich unter anderem über den Gebrauch des Sprays bei einer Schneedecke auf dem Spielfeld Gedanken machten, sorgten für eine Verschiebung.

"Ich hoffe, es klappt dann auch im Winter, wenn Schnee liegt", sagte Trainer Armin Veh vom VfB Stuttgart am Donnerstag mit einem Augenzwinkern. (NEWS: Grünes Licht für Freistoßspray)

TÜV moniert hormonelle Wirkung

Zuletzt trat sogar der TÜV auf den Plan.

Der Überwachungsverein war bei einer Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, dass der in Argentinien hergestellte Schaum namens "9-15 fair play limit" wegen der verwendeten Parabene im Verdacht stehe, hormonell wirksam zu sein. (NEWS: Freistoßspray gegen Vorschriften)

Zudem war angemahnt worden, dass auf den Dosen die Kennzeichnung mit dem Flammensymbol für hochentzündliche Produkte fehle. Mittlerweile ist die Umetikettierung aber abgeschlossen.

"Alle rechtlichen Dinge sind geklärt. Die Voraussetzungen zur Einsetzung des Sprays sind da. Es gibt keinen Grund, es nicht einzusetzen", sagte der zuständige DFB-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich: "Wir haben über unseren Zwischenhändler alles prüfen lassen. Die Bestätigung liegt vor."

Torlinientechnik wird herbeigesehnt

Bei aller Freude über das bevorstehende Debüt des Sprays verdeutlichte Fandel, dass die Schiedsrichter die Einführung eines anderen Hilfsmittels wesentlich sehnsüchtiger erwarten. (SHOP: Jetzt Bundesliga-Fanartikel kaufen)

Die Referees erhoffen sich ein Votum zugunsten der Torlinientechnik bei der Versammlung der Profiklubs im Dezember.

"Im Zusammenhang mit der aktuellen Thematik Freistoßspray weist die Schiedsrichter-Kommission noch einmal darauf hin, dass es für die Schiedsrichter wichtigere und wesentlich entscheidungsrelevantere Hilfsmittel gibt", sagte Fandel: "In diesem Kontext gehen wir davon aus, dass die Einführung der Torlinientechnologie in der Bundesliga ebenfalls zeitnah vorangetrieben wird."

Schiedsrichter gelassen

Auch die aktiven Unparteiischen sehen der Spray-Premiere relativ gelassen entgegen.

"Das ist nicht so dramatisch und spektakulär", sagte der Bremer Peter Gagelmann dem NDR: "Wir in Deutschland hatten nicht das Problem bei der Mauerstellung, das war vielleicht in anderen Ländern der Fall." (NEWS: Gagelmann gelassen)

Nachteile wie Spielverzögerungen befürchtet der 44-Jährige nicht: "Eine schnelle Spielfortsetzung ist nach wie vor gegeben. Wenn einer den Freistoß schnell ausführen möchte, dann kann er das auch machen."

Trainer Robin Dutt von Werder Bremen hätte das Spray nicht gebraucht.

"Ich habe bisher gut darauf verzichten können und hatte nicht den Eindruck, dass die Schiedsrichter mangels Autorität die Mauern nicht richtig stellen konnten", sagte Dutt: "Aber es stört mich auch nicht."

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