Hallo Fußball-Freunde,

nun gibt's den dritten Trainerwechsel der Saison. Bei Bremen ist Robin Dutt Geschichte, Viktor Skripnik soll es nun richten.

Der Zeitpunkt für den Wechsel ist aus meiner Sicht falsch. Entweder hätte man den Schnitt im Sommer machen müssen, um sich so den Defensivproblemen zu widmen. Die hat Dutt nämlich nicht in den Griff bekommen.

Ansonsten macht man so einen Wechsel im Winter. Da hat der Trainer mehr Zeit, die Mannschaft kennenzulernen. Die fehlt Skripnik jetzt.

In der Regel tauschen Vereine einen Trainer aus, damit der neue Mann das komplette Potenzial der Mannschaft ausschöpfen kann. Das Problem: Bei Werder gibt es nicht viel auszuschöpfen.

In dieser Mannschaft fehlen die Typen. Mit Aaron Hunt hat sich der Letzte im Sommer verabschiedet. Für neue Leute ist kein Geld da. Das liegt an den Fehlern in der Vergangenheit.

Da hat sich Bremen die ganzen Sieben- oder Acht-Millionen-Euro-Brasilianer geholt. Man denke nur an Carlos Alberto und Wesley. Die haben nichts gebracht, auch keine Ablösesumme hinterher.

Das tut Bremen weh: Das wäre so, als würden bei Bayern München mehrere 30-Millionen-Euro-Männer floppen.

Mit dem aktuellen Kader droht der Abstieg. Da sind Spieler bei, die sind gar nicht bundesligatauglich. Ich habe vor der Saison gesagt, dass es eine etablierte Mannschaft erwischt. Das könnte Bremen sein.

Für so eine Mannschaft geht es darum, die Aufsteiger hinter sich zu lassen. Doch Paderborn und Köln sind schon acht Punkte weg. Da wird die Aufholjagd schwer werden.

Für Nachverpflichtungen im Winter ist kein großes Budget vorhanden. Auch deshalb hat sich Bremen meiner Ansicht nach für eine interne Lösung entschieden. Kandidaten von außerhalb hätten bei diesen Rahmenbedingungen mit Sicherheit abgewunken.

Sorgen anderer Natur hat Borussia Dortmund: Die Mannschaft muss schnell die Kurve bekommen, um nicht vollkommen den Anschluss zu den Champions-League-Plätzen zu verlieren.

Der Verein kalkuliert die Einnahmen aus dem Wettbewerb ein. Ein Jahr ohne Champions League würde der BVB zwar überstehen. Aber man muss auch sehen: Die Personalkosten sind gestiegen und außerdem hat Dortmund nun den Anspruch, ständig in der Königsklasse zu spielen.

Nur wenn sie sich qualifizieren, werden Spieler wie Marco Reus und Ilkay Gündogan längerfristig bleiben.

In der Champions League läuft es komischerweise. Doch der Wettbewerb ist nicht der Wichtigste. Die Bundesliga ist das Kerngeschäft ? und dort muss die Mannschaft liefern.

In der kommenden Woche geht es für den BVB zum FC Bayern. Ein Topspiel ist das nicht, allerdings haben die Dortmunder dort nichts zu verlieren.

Wie man gegen die Bayern bestehen kann, hat übrigens Gladbach bewiesen. Lucien Favre hat da eine Mannschaft taktisch kontinuierlich weiterentwickelt. In der Defensive treten sie noch kompakter auf.

Die verschieben gut, leisten sich hinten keine Bolzen. Außerdem steigt bei den Gladbachern Woche für Woche das Selbstbewusstsein. Schließlich sind die schon so lange ungeschlagen.

Als Bayern-Jäger kommt die Mannschaft aber nicht infrage. Den gibt es in dieser Saison nicht.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel