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Der BVB bejubelt den ersten Bundesliga-Sieg seit dem 3. Spieltag

Aus Dortmund berichten Felix Meininghaus und Andreas Reiners

Die Erleichterung war mit Händen zu greifen.

Wo immer sich der Beobachter an diesem Abend im Dortmunder Stadion aufhielt, konnte er sehen, wie alle, die etwas mit Borussia Dortmund zu tun haben, nach dem hochverdienten 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach erst einmal durchatmeten.

Auch Trainer Jürgen Klopp war anzumerken, wie ihm Zentnerlasten vom Herzen fielen. Der Mann, der sonst um keinen Spruch verlegen ist, sagte: "Ich finde kaum Worte, es ist ja schon so lange her, dass wir mal gewonnen haben".

Und Neven Subotic machte seinem Herzen mit einem Stoßseufzer Luft. "Endlich", sagte der Manndecker, um dann hinzuzufügen: "Wir waren in einer verrückten Situation. Es war ja das erste Mal, dass wir uns auf dem letzten Tabellenplatz befunden haben."

Und mit großer Wahrscheinlichkeit auch das letzte Mal, denn diese Mannschaft ist einfach viel zu gut besetzt, um im Keller der Bundesliga zu dümpeln (BERICHT: Dortmund im Gefühlsstrudel).

Selten ein so starkes Schlusslicht

Wohl noch nie in der mehr als 50-jährigen Geschichte der Bundesliga hat es einen solch spielstarken Tabellenletzten gegeben.

Allerdings ist das ein Alleinstellungsmerkmal, das sich Klopp und seine Mitstreiter liebend gern erspart hätten.

Dortmunds Trainer spricht von einer "ganz schwierigen Situation, die braucht kein Mensch. Aber wenn wir da jetzt durch müssen, dann machen wir das."

"Keine doofen Fragen"

Es war ein Abend, der zwar noch lange nicht das Ende der Dortmunder Krise bedeutete, aber durchaus ein Neuanfang sein könnte.

Der 9. November als Tag der Wende für den BVB? Daran wollen sie arbeiten und nach der Länderspielpause das Projekt Aufholjagd starten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Jürgen Klopp betonte, er habe seinen Job in den letzten Wochen zwar nicht genossen, und doch sei er dankbar, mit welcher Ruhe und Gelassenheit das Dortmunder Umfeld auf den tiefen Fall reagierte.

Den Mann, der eines Tages seine Nachfolge antrete, könne er jetzt schon beglückwünschen, unter solchen Bedingung arbeiten zu dürfen. Klopp erzählte, er habe sich nach dem Schlusspfiff "bei Aki Watzke und Michael Zorc bedankt, dass sie mir keine doofen Fragen stellen".

Dominanz beeindruckt, Ertrag bleibt fast aus

Ein ausgesprochenes Lob gab es auch für die Fans, die auch in Krisenzeiten ohne Wenn und Aber hinter ihrer Mannschaft stehen: "Wir wurden getragen vom außergewöhnlichsten Publikum, das es im Moment gibt", sagte Klopp mit Pathos.

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Alles gut bei Borussia Dortmund? Fast alles. Das Auftreten, die Dominanz, mit der das Tabellenschlusslicht den Zweiten beherrschte, war beeindruckend.

Allerdings war die Erkenntnis erschreckend, dass der immense Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag stand.

Am Ende benötigten die Dortmunder sogar ein kurioses Eigentor von Weltmeister Christoph Kramer aus 44,5 Metern, um das einseitige Kräftemessen für sich zu entscheiden (BERICHT: Kramers Blackout beendet BVB-Krise).

Pech trifft Unvermögen

Klar, wenn die Schüsse des überragenden Marco Reus an Pfosten und Latte klatschen, ist das einfach nur Pech.

Aber wenn ein internationaler Topmann wie Henrikh Mkhitaryan den Ball frei vor dem Tor in den Abendhimmel drischt, handelt es sich um Unvermögen. (

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Einstellung, Laufvermögen und taktische Raumaufteilung ? das alles stimmt beim BVB. Die Chancenauswertung ist allerdings mangelhaft.

"Klar, dass man da mit sich hadert", sagte Reus.

Und Klopp erklärte: "Wir haben gesehen, wo unsere Probleme liegen."

Mal wieder. Nur wenn es Klopp gelingt, dieses Manko abzustellen, wird die Aufholjagd auch gelingen.

Sicherheit ist Pflicht

Da mutet es fast schon kurios an, dass mit Ciro Immobile und Adrian Ramos gegen Gladbach zwei Stürmer auf der Bank saßen, für die Dortmund vor der Saison rund 30 Millionen Euro investiert hat.

Aber beim BVB setzt Klopp im Moment auf eine eingespielte Formation, die für Stabilität sorgen soll.

Dafür nimmt er es in Kauf, dass Stars wie Immobile, Ramos, Gündogan, Ginter, Großkreutz oder Schmelzer zuschauen müssen.

Gegen Gladbach ging die Rechnung auf.

Doch an der Chancenverwertung muss Dortmund zügigst arbeiten, um die Krise endgültig zu überwinden.

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