München - Matthias Sammer bleibt dem FC Bayern als Sportvorstand vorhanden. Er durchlebt einen Wandel und steht vor delikaten Aufgaben.

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Von Mathias Frohnapfel und Christian Ortlepp

Ein feines Lächeln spielte um den roten Vollbart von Matthias Sammer.

"Ich werde mit meiner gewohnt ruhigen Art weiter dem Klub dienen", sagte Bayerns Sportvorstand.

Dann blickte er vom Podium an der Säbener Straße auf die versammelten Reporter.

Er wusste, die Worte waren angekommen. Schließlich ist auch nach zweieinhalb Jahren beim FC Bayern Sammers temperamentvolle Ader nicht versiegt. Kanalisiert ist sie aber schon.

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Und sie hat - kombiniert mit seinem strategischen Geschick - mitgeholfen, den Münchnern Titel zu bescheren. Das Triple 2013. Zudem den Europäischen Supercup und den Weltpokal. Und 2014 das Double.

Klub belohnt Arbeit

Die Bayern haben das jetzt mit einer Vertragsverlängerung bis 2018 honoriert.

Präsident Karl Hopfner knüpft an Sammer aber weiterhin hohe Erwartungen, am besten messbar in Trophäen. "Der Schnitt in den beiden vergangenen Jahren waren vier Titel. Ob wir den Schnitt halten können, weiß ich nicht", sagte Sammer, betonte jedoch: "Wir sind hungrig."

Sein Ziel ist es, "Stabilität im Erfolg zu gewährleisten". Eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, die ohne eine enge Bindung zum Chefcoach nicht zu stemmen ist.

Anlaufstelle für Guardiola

Der 47-Jährige ist zur emotionalen Anlaufstelle für Pep Guardiola geworden, hat dem neuen Trainer in seinem ersten Jahr geholfen, wo immer es ging. Als Guardiola zum Rückrundenstart und vor dem DFB-Pokalfinale Mario Mandzukic suspendierte, stützte ihn Sammer.

Und als Bayern zu Beginn von Guardiolas Amtszeit mit mäßiger Leistung Hannover 2:0 schlug, nahm er die Rolle des Wachrüttlers ein. Öffentlich und unerschütterlich. "Wir spielen zum Teil lethargisch", tobte der Sachse, "wir machen Dienst nach Vorschrift."

Die Botschaft wirkte. Auch, wenn Sammer sich einen Rüffel des Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und des damaligen Präsidenten Uli Hoeneß einfing. Geschadet hat es seinem Ruf nicht - eher im Gegenteil.

Als Bayern-Gesicht profiliert

Längst fragt sich keiner mehr: Was sind eigentlich Sammers Aufgaben?

Der ehemalige DFB-Sportdirektor ist zu einem Gesicht des Rekordmeisters geworden. Dabei ist er sich bewusst, dass ihn viele Menschen lange Zeit vor allem als Ex-BVB-Spieler und -Trainer wahrgenommen haben. Aus diesem Blickwinkel ist er heraus.

Seine Vertragsverlängerung schärft die Identifikation nach innen und außen.

Die Konkurrenz im Westen treibt er noch immer zur Weißglut. "Matthias Sammer kann froh sein, dass ihn einer dazu geholt hat", moserte etwa Jürgen Klopp im Frühjahr.

Sammer hatte Bayerns Selbstbewusstsein demonstriert und damit den BVB-Coach auf die Palme gebracht, als er im SPORT1-Interview wissen wollte: "Wird denn woanders auch jeden Tag akribisch trainiert, als würde es kein Morgen geben?"

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"Kein Platz für Traurigkeit"

Aktuell könnte der Europameister von 1996 wieder diese Frage stellen, in Champions League und Bundesliga marschiert sein Klub. Die aktuellen Verletzungsprobleme, inklusive des längerfristigen Ausfalls von Kapitän Philipp Lahm, bringen ihn da nicht aus dem Konzept.

"Es ist kein Platz für Trauer und Traurigkeit, wir spielen Samstag gegen Hoffenheim. Wir waren einen Moment schockiert und müssen uns jetzt schütteln", meinte Sammer und forderte die Spieler aus der zweiten Reihe auf: "Die Situation ist die Chance, sich zu beweisen."

Große Aufgaben warten

In seiner kommenden Amtszeit kommen bereits neue Aufgaben auf ihn zu. Eine davon ist, alles dafür zu tun, dass Guardiola seinen bis 2016 laufenden Vertrag verlängert.

Das gehört zu den "strategischen Entscheidungen", die weit oben in seiner To-do-Liste stehen dürfte.

Und Sammer muss sich zugleich mittelfristig um die Altersstruktur in Bayerns Abteilung Attacke kümmern. "Wir haben da Spieler, die keine Eins und manche auch keine Zwei mehr vorne stehen haben." Soll heißen: Das Ende der Glanzzeiten von Arjen Robben (30) und Franck Ribery (31) rückt näher.

Im Idealfall würde Sammer am liebsten das Team künftig mit Kräften aus dem eigenen Nachwuchs stärken. Offen räumte er ein, dass dieser Bereich, der ihm neben der Profiabteilung ebenfalls untersteht, bislang "sicher ein wenig zu kurz gekommen ist".

Jetzt hat er auf jeden Fall bis 2018 Zeit, dieses Defizit aufzuholen.

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