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München - Für Erik Durm läuft es trotz Dortmunder Probleme gut. Er spricht bei SPORT1 über Klopps Krisenpolitik und das Fehlen von Lewandowski.

Für Erik Durm geht es seit einem Jahr steil nach oben.

Nach der Verletzung von Marcel Schmelzer sprang der ehemalige Außenstürmer auf der linken Abwehrseite bei Borussia Dortmund ein und ist seitdem nicht mehr aus dem Team wegzudenken.

Aber auch in der Nationalmannschaft ging alles ganz schnell für den ehemaligen Mainzer.

Der 22-Jährige sprang noch auf den WM-Zug auf und durfte im Gegensatz zu Schmelzer mit nach Brasilien fahren.

Zwar kam der flinke Verteidiger nicht zum Einsatz, konnte aber den WM-Pokal in die Höhe recken. Seit dem Titelgewinn in Brasilien gehört er auch im DFB-Team zum Stammpersonal.

So gut die vergangenen Monate für ihn persönlich liefen, so schlecht lief es für den BVB in der Bundesliga.

"Das macht dich traurig"

Zahlreiche unnötige Niederlagen sowie teilweise haarsträubende Abwehrfehler führten zur größten Krise des BVB unter Meistercoach Jürgen Klopp.

Gegen Borussia Mönchengladbach gelang den Dortmundern ein erster kleiner Befreiungsschlag.

Beim Auswärtsspiel in Paderborn will der Vizemeister direkt nachlegen (Sa. ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) .

Vor dem Spiel spricht der 22 Jahre alte Außenverteidiger im SPORT1-Interview über Klopps Krisenpolitik, das Fehlen von Robert Lewandowski, Kramers spektakuläres Eigentor und das Duell mit Nachbar Paderborn.

SPORT1: Der BVB steckt in einer Art WM-Loch. Wo sehen Sie das Hauptproblem?

Erik Durm: Zum einen hatten wir großes Verletzungspech. Zum anderen haben wir uns schwer getan gegen Mannschaften, die tiefer gestanden und gekontert haben. Diese Mannschaften hatten dann auch mal das bisschen Glück mehr, dass sie die wenigen eigenen Chancen nutzen. Der Freistoß von Hiroshi Kiyotake (zum 0:1-Endstand, Anm.d.Red.) war bis zu diesem Zeitpunkt zum Beispiel Hannovers einzige Chance. Über die Qualität unserer Mannschaft brauchen wir nicht zu reden. Dass wir da unten nicht hingehören, wissen wir. Wir werden da auch wieder rauskommen. Der erste Schritt in die richtige Richtung war keineswegs der Sieg gegen Gladbach. Schon gegen Hannover, Bayern, im DFB-Pokal und in der Champions League haben wir gezeigt, was wir können.

SPORT1: Was war das Schlimmste an der Misere mit dem Titel "Wir machen das Spiel, der Gegner die Tore"?

Durm: Es ist immer sehr bitter. Vor allem, wenn du nach dem Spiel vor der Gelben Wand stehst, die trotzdem unsere Lieder singt. Und du kannst nichts zurückgeben. Das macht dich traurig.

SPORT1: Wie hat Jürgen Klopp auf den Negativlauf reagiert?

Durm: Natürlich hat der Trainerstab nicht alles umgeworfen. Wir haben ja auch nicht alles falsch gemacht. Wir waren in entscheidenden Momenten unkonzentriert. Das hat der jeweilige Gegner eiskalt ausgenutzt. In Mainz waren wir zweimal unkonzentriert, der FSV macht zwei Tore. Gegen Köln war es ähnlich. Wir sind nun noch intensiver als ohnehin schon auf das Thema Absicherung eingegangen

SPORT1: Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Durm: Der Trainer hat die Abwehrspieler zusammengerufen, wir haben Videoanalysen von unseren Gegentoren gemacht und besprochen, was wir besser machen müssen. Wir haben Spielzüge und verschiedene taktische Formationen einstudiert. Woche für Woche sind wir besser geworden. Gegen Gladbach haben wir dann gezeigt, zu was wir in der Lage sind. Das Gegenpressing hat wieder eingesetzt, wir haben super Chancen kreiert. Wie wir dann am Ende zu den drei Punkten gekommen sind, war mir ehrlich gesagt egal.

SPORT1: Durch ein Eigentor von Christoph Kramer...

Durm: Für ihn tut mir das natürlich leid. Für uns freut es mich ungemein. Man hat gesehen, dass von uns Spielern, den Trainern und auch den Fans mit dem Abpfiff eine riesige Last gewichen ist. Wir haben uns seit Langem mal wieder richtig freuen können.

SPORT1: Trotzdem stehen angesichts der schwachen Chancenverwertung besonders die neuen Stürmer Adrian Ramos und Ciro Immobile in der Kritik. Warum ist es so schwer, Robert Lewandowski zu ersetzen?

Durm: Es liegt nicht an unseren Stürmern, dass wir in der aktuellen Situation sind. Sie haben alle schon viele Treffer erzielt. Das ist eine Mannschaftssache. Wir müssen da als Mannschaft raus. Wenn im letzten Jahr Gegner tief standen, haben wir auch mal lange Bälle gespielt. Und Lewy hat sie mit seiner Präsenz und seinem Körper super abgedeckt, so dass wir nachrücken konnten. Dieses Jahr versuchen wir eher über die Außen durchzukommen. Ciro macht da viele Wege, die für uns wichtig sind. Wesentlich war aber, dass wir gerade im Mittelfeld mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatten. Deshalb haben wir uns schwergetan, uns bis in die Spitze durchzuspielen.

SPORT1: In der Champions League läuft es trotzdem. Sind die Gegner dort vielleicht etwas naiv, wenn sie sich gegen den BVB nicht verbarrikadieren?

Durm: Das hat nichts mit Naivität zu tun. Aber weder Arsenal noch Anderlecht oder Galatasaray stellen sich hinten rein und mauern. Wir haben Räume bekommen und das kam uns entgegen. Dafür, dass wir in der Champions League sehr gute Spiele gemacht haben, müssen wir uns nicht schämen. Wir haben verdientermaßen zwölf Punkte eingefahren. Wenn es in der Öffentlichkeit so rüber kommt, als würden wir in der Liga nicht 100 Prozent geben, ist das natürlich völliger Quatsch. Es hat nichts damit zu tun, dass wir die Champions League ernster nehmen würden als die Bundesliga.

SPORT1: Der BVB hat nun sieben Punkte Rückstand auf Platz sechs, neun Punkte sind es bis Platz vier. Wie ist die Zielsetzung bis Weihnachten?

Durm: Das erste Ziel ist ein Sieg in Paderborn. Das wird schon nicht leicht. Es bringt nichts, jetzt zu sagen "wir müssen noch soundsoviel Punkte holen" oder "wir dürfen kein Spiel mehr verlieren". Wir müssen einfach nach dem Schritt gegen Gladbach den nächsten gehen, so dass wir uns Selbstvertrauen und Sicherheit zurückholen. Wenn jeder seine Qualität einbringt, werden wir bis Weihnachten auch die Siege einfahren, die wir brauchen.

SPORT1: In Paderborn wartet eine Art BVB-Filiale auf Sie...

Durm: Das wird alles andere als ein Freundschaftsspiel. Wir brauchen die Punkte unbedingt - und Paderborn wird sie uns nicht schenken.

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