München und Dortmund - Hans-Joachim Watzke zieht bei Borussia Dortmund die Zügel an. Nach seiner Rede rückt selbst Reus' Verletzung in den Hintergrund.

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Von Denis de Haas und Henning Maid

Der Einmarsch in die Westfalenhalle glich einem Triumphzug. Die Spieler von Borussia Dortmund konnten satte 163 Sekunden Beifall genießen.

Woanders wäre ein Tabellen-Fünfzehnter mit Champions-League-Ambitionen gnadenlos ausgepfiffen worden.

Nicht so in Dortmund. Und das, obwohl die Mannschaft beim Aufsteiger SC Paderborn tags zuvor einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielt hatte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Fans feiern die Mannschaft

Die Fans feierten Sebastian Kehl, Neven Subotic, Sven Bender und Co. trotzdem. Zumindest bis der Oberfan vor das Mikrofon trat.

Hans-Joachim Watzke sorgte auf der Mitgliederversammlung nämlich für den Stimmungsumschwung. Der BVB-Geschäftsführer sprach erstmals in dieser Saison Klartext.

"Das (Einknicken in der 2. Halbzeit, d.Red.) können wir uns derzeit als 15. einfach nicht leisten", betonte Watzke, "denkt in der Zukunft immer mal daran, wie ihr heute hier als Tabellenfünfzehnter empfangen worden seid."

Watzke mit ernster Miene

Immer wieder richtete der 55-Jährigen die Blicke zu seinen Spielern. Er schaute sie mit ernster Miene an. Wie ein strenger Lehrer, der die Mittelstufenschüler beim Rauchen erwischt hat.

"Wir müssen da unten wieder raus. Alles, was wir beeinflussen können, ist so stark, wie ein Verein nur sein kann. Alle stehen wie eine Eins hinter diesem Verein. Jetzt ist die Mannschaft gefordert", sagte Watzke.

Diese Wortwahl ist neu. Zuletzt hat es bei den Dortmundern für schlechte Ergebnisse immer gute Gründe gegeben.

Mal haderten die Borussen mit dem Abschlusspech - wie bei den Niederlagen in Mainz oder gegen Hannover. Dann wiesen sie auf die Verletztenmisere hin.

Schock nach Foul an Reus

Auch in Paderborn gab es eine Szene, die als Begründung für den Leistungseinbruch hätte dienen können. Marvin Bakalorz trat BVB-Star Marco Reus aus dem Spiel und sah nur die Gelbe Karte.

Der Nationalspieler wurde vom Platz getragen. Dortmund stand nach der Szene unter Schock und kassierte spät den 2:2-Ausgleich.

Über diese Aktion redete Watzke am Sonntag dennoch nicht mehr. Zwar sickerte auf der Mitgliederversammlung durch, dass Reus mal wieder lange ausfällt. Nach einem Außenbandriss im Sprunggelenk ist die Hinrunde für den 25-Jährigen beendet.

Trotz dieser Hiobsbotschaft sieht Watzke weiter großes Potenzial im Team. "Wir haben eine tolle Mannschaft - aber ihr müsst es auch jede Woche beweisen!", erklärte er.

Watzke sprach natürlich keinen Spieler persönlich an. Doch die Mitglieder konnten sich ausmalen, an wen sich die Kritik richtete.

Spitzenkräfte mit Problemen

So ruft Henrikh Mkhitaryan seine Topleistungen fast auschließlich in der Champions League ab. Auch Shinji Kagawa befindet sich in einem Leistungsloch.

Und ein Ciro Immobile scheint sich derzeit nicht aufzudrängen. Trainer Jürgen Klopp ließ den 19-Millionen-Euro-Mann in Paderborn wieder 90 Minuten draußen.

Watzkes Ruckrede soll die Mannschaft wecken und ihnen die aktuelle Lage vor Augen führen. Die Dortmundern mussten am Sonntagabend noch den Hamburger SV vorbeiziehen lassen. Aktuell müsste der Verein in die Relegation gegen Darmstadt 98. "Dass wir da unten stehen, liegt nicht an irgendwelchen bösen Mächten", betonte Watzke.

Diese Worte machte auch die Fans nachdenklich. Der Tenor nach der Mitgliederversammlung war einhellig: Da muss mehr von der Mannschaft kommen - sonst wird es eng.

Die BVB-Fans werden ihre Mannschaft auch in den kommenden Spielen nach vorne brüllen. Sei es bei Eintracht Frankfurt oder im nächsten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim.

Aber sie dürften die Leistungen ihre Lieblinge demnächst kritischer bewerten. So, wie es Watzke am Sonntag gemacht hat.

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