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Hamburg - Der Hamburger SV feiert im Derby gegen Bremen den Befreiungsschlag. Joe Zinnbauer sieht noch viel Arbeit, Werder schiebt Frust.

Fünf Meter vor dem Tor hatte Tolgay Arslan die Chance, den sprichwörtlichen Deckel auf die Partie setzen.

Doch der Mittelfeldspieler des Hamburger SV traf den Innenpfosten. Nur, weil Keeper Raphael Wolf den Ball noch abfälschte und so unglücklich ins eigene Tor lenkte, war die Erleichterung beim HSV am Ende entsprechend groß. Der 2:0 (0:0)-Erfolg im 101. Nord-Derby gegen Werder Bremen war unter Dach und Fach.

Es war eine Szene, die bezeichnend war für eine schwache Partie zweier Mannschaften, die sich mit Abstiegskampf statt Europapokal-Hoffnungen auseinandersetzen müssen.

Das war für die Hamburger am Sonntagnachmittag zunächst aber zweitrangig.

Rafael van der Vaart und Lewis Holtby legten nach Abpfiff ein Freudentänzchen auf den Rasen, Matchwinner Artjoms Rudnevs ließ sich derweil von den begeisterten Fans gebührend feiern: Der HSV ist ein Befreiungsschlag geglückt. Die Hamburger Arena glich danach einem Tollhaus, die Erleichterung beim Bundesliga-Dino war deutlich zu spüren. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Erstmals doppelt getroffen

"Ob Derby oder nicht, die Punkte sind unglaublich wichtig", sagte van der Vaart bei "Sky". Joker Rudnevs leitete den Erfolg mit seinem Führungstor in der 84. Minute ein. Das Missgeschick von Wolf (90.+3) sorgte in einer niveauarmen Begegnung für die Entscheidung.

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Zwei Tore in einer Partie waren dem HSV an den ersten elf Spieltagen der Saison nicht gelungen. Es war überhaupt erst der sechste Treffer in dieser Spielzeit. Zahlen, die die Hamburger Defizite gut widerspiegeln.

"In den ersten 20 Minuten waren wir sehr überlegen, haben aber zu wenig daraus gemacht", fasste HSV-Innenverteidiger Heiko Westermann treffend zusammen.

Zinnbauer: "Mannschaft muss an sich arbeiten"

Das ist auch seinem Trainer nicht entgangen. Daher hofft er, "dass wir hier nicht in acht Wochen sitzen, und wir haben immer noch sechs Tore", sagte Joe Zinnbauer in der Pressekonferenz.

Er wisse, dass seine Truppe die Chancen, die sie sich herausspielt, besser nutzen müssen. Der Sieg gegen Werder soll ein erster Schritt gewesen sein.

"Ich hoffe, dass die Mannschaft sieht, dass wir in der Lage sind, nach vorne spielen können", so Zinnbauer, aber: "Die Mannschaft muss an sich arbeiten, die Fehler abstellen und dementsprechend noch mehr Vertrauen gewinnen. Aber das braucht nun mal seine Zeit."

Frust bei den Bremern

Bei den Bremern herrschte dagegen purer Frust. nach der ersten Pleite im vierten Pflichtspiel unter dem neuen Trainer Viktor Skripnik. "Diese Niederlage ist sehr bitter. Mit einem Punkt wären wir im Soll gewesen. So ein billiges Tor zum 0:1 dürfen wir nicht bekommen", sagte Zlatko Junuzovic. Fin Bartels ergänzte: "Es ist zum Kotzen, dass du so ein Spiel verlierst."

Durch die Niederlage rutschte Werder auf einen Abstiegsplatz ab. Geschäftsführer Thomas Eichin trauerte der vergebenen Chance nach. "Eigentlich war es ein typisches Spiel für ein Unentschieden. Wir hätten es über die Zeit bringen müssen", sagte Bremens Geschäftsführer.

Doch dann drückte Rudnevs den Ball nach einem weiten Einwurf von Ashton-Phillip Götz aus kurzer Distanz über die Linie, nachdem Assani Lukimya unglücklich per Kopf verlängert und Theodor Gebre Selassie gegen den HSV-Stürmer einen Schritt zu spät gekommen war.

Wolf verletzt

Wenige Sekunden vor dem Ende fiel der zweite Hamburger Treffer. Nach einem Konter traf der eingewechselte Tolgay Arslan vor dem leeren Tor zwar nur den Pfosten, doch den Abpraller lenkte Wolf über die Linie.

Besonders bitter für Wolf: Beim ersten Gegentor verdrehte er sich das Knie verdreht. "Es sieht nach etwas Schlimmerem aus", sagte Skripnik.

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