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SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold spricht über den Rücktritt von Armin Veh beim VfB Stuttgart und übt Kritik an dem Schritt.

Hallo Fußball-Freunde,

Armin Vehs Rücktritt beim VfB Stuttgart hat auch mich überrascht.

Als Trainer spreche ich ja vor der Unterschrift mit der Geschäftsleitung und mache eine Analyse. Wenn ich weiß, wie der Rahmen aussieht, kann ich Ja oder Nein sagen. Und wenn ich Ja sage, dann muss ich das Ding durchziehen. Es bringt nichts, wenn ich laufend lamentiere.

Ein Trainer ist aber kein Zauberer. Wenn die Qualität in der Mannschaft fehlt, kann er nur etwas über Motivation, Teambuilding, Fitness und Kompaktheit aufbauen.

Man tut Armin Veh aber Unrecht, wenn man sagt, er macht sich aus dem Staub.

Allerdings gab es nach der Entlassung von Fredi Bobic und nun Vehs Rücktritt in den letzten Wochen niemanden, der auch mal in der Öffentlichkeit Stellung bezogen hat. Ich bin gespannt, wie es in Stuttgart weitergeht.

Wir haben es im Sommer schon analysiert: Das Problem des VfB ist, dass er in der strategischen Ausrichtung keine Vereinsphilosophie entwickelt und sich oft von Trainern treiben lässt, die ihre Spielphilosophie mitbringen. Es wird schwierig, wenn ich immer neue Leute habe, die ihre Ideen mitbringen. Das bringt auf Dauer nichts.

Damit kommen wir zum Thema Fußball-Kompetenz. Wie viele Vertreter in den VfB-Gremien haben überhaupt diese Kompetenz? Im Verwaltungsrat fallen mir Guido Buchwald und Hermann Ohlicher ein, im Aufsichtsrat Hansi Müller.

Aber der hat sich in der Vergangenheit auch nicht positioniert. Das ist generell zu wenig, wenn in den oberen Etagen das Knowhow fehlt.

Armin Veh hat gesagt, dass neun Punkte aus zwölf Spielen einfach zu wenig sind. Er hat vollkommen Recht. Damit steigt man direkt ab.

Die Situation ist jetzt noch schlechter als im letzten Jahr.

Das Problem der Mannschaft war schon früher, dass es keine Hierarchie und keine funktionierende Achse gab.

Als Huub Stevens kam, war die Mannschaft so verunsichert, die Spieler konnten nicht einmal aus fünf Metern einen Ball an den Mann bringen. Stevens hat den Abstieg verhindert. Er hat die Mannschaft so geformt, dass sie zumindest wieder eine gewisse Stabilität in der Abwehr hatte.

Die Einigung mit Veh im Sommer erfolgte recht spät.

Nach der vergangenen Saison hat der VfB hat bei der Planung einige Zeitfenster versäumt und Spieler zu teuer eingekauft. Einen Kostic für sechs Millionen aus Groningen zu holen, ist ja Wahnsinn.

Wenn ich dann sehe, dass mein Budget für weitere Spieler ausgeschöpft ist, dann wird die Luft eben dünn. Wenn der VfB nicht schnell die Kurve kriegt, steigt er ab.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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