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Southampton v Sunderland - Premier League
In der Premier League wurde die Torlinientechnik in dieser Saison eingeführt © getty

Die Einführung der Torlinientechnik in der Bundesliga steht auf der Kippe. Derzeit steht die erforderliche Mehrheit nicht.

Torschlusspanik bei der Torlinientechnik: Die Einführung der Technologie in der Bundesliga droht erneut zu scheitern.

Laut einer Umfrage bei den Klubs steht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit wenige Tage vor der entscheidenden Versammlung am 4. Dezember nicht.

Demnach werden nur zehn Vereine sicher für die Einführung votieren, nötig sind aber zwölf Stimmen.

Drei Unentschlossene im Fokus

Da sich fünf Klubs klar gegen das technische Hilfsmittel ausgesprochen haben, wird es nächste Woche in Frankfurt am Main auf die drei Vereine ankommen, die bei der Umfrage ihr Kreuzchen bei "noch nicht entschieden/keine Angabe im Vorfeld" gemacht haben.

Ob zwei davon für die Einführung stimmen werden, ist fraglich. Bei der zurückliegenden Versammlung im März wurde die Zweidrittel-Mehrheit deutlich verfehlt.

Damals stimmten die Zweitligisten mit ab, diesmal ist nur das Votum der Erstligisten gefragt.

Heldt: "Torlinientechnik Flickschusterei"

Die hartnäckigen Gegner sehen keinen Grund dafür, ihre Position zu ändern.

"Ich habe keine neuen Erkenntnisse gewinnen können", sagte Manager Horst Heldt von Schalke 04: "Wenn man über Neuerungen nachdenkt, muss man weiterdenken, etwa über den Video-Schiedsrichter. Tendenziell sind wir für den Videobeweis. Torlinientechnik ist Flickschusterei, das kommt 30 Spiele lang überhaupt nicht vor."

Bayern als Vorreiter

Heldt und Co. müssen sich am Donnerstag aufgrund des Antrags von Rekordmeister Bayern München erneut mit dem Thema befassen.

Die Bayern, Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim gehören zu den prominentesten Befürwortern.

Bei einem positiven Votum soll die Technik frühestens zur kommenden Saison und ausschließlich in der Eliteklasse eingeführt werden.

Welches Technik-Modell im Fall der Fälle zum Einsatz kommen soll, müssen die Klubs nächste Woche klären.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte die Technik für die Bundesliga Ende September offiziell ausgeschrieben. Drei Modelle stehen zur Auswahl.

Phantomtor entfacht Debatte

Auslöser der Einführungsdebatte war das Phantomtor von Stefan Kießling am 18. Oktober 2013 in Sinsheim.

Nach wochenlangem Theater um den krassen Fehler von Schiedsrichter Felix Brych (München) war die Diskussion um die Technik nach der Ablehnung der Einführung im März zunächst beendet.

Der nicht anerkannte Treffer des Dortmunders Mats Hummels im DFB-Pokalfinale zwischen den Bayern und dem BVB (2:0 n.V.) brachte neuen Schwung in die Debatte.

Dass die Technologie bei der WM-Endrunde in Brasilien ihren Härtetest bestanden hat, ist zudem Wasser auf die Mühlen der Befürworter.

Auch Hoffenheim für Neuerung

"Wir dürfen uns den Neuerungen nicht verschließen", sagte Sportdirektor Alexander Rosen von 1899 Hoffenheim: "Die Technik verändert nicht den Charakter unseres Sports, sondern regelt im Sinn aller Beteiligten einfach und schnell die elementare Entscheidung über Tor und kein Tor."

Falls sich die Vereine für die Technik entscheiden, will sich der DFB anschließen.

Dann soll das Hilfsmittel, das von den Schiedsrichtern seit langer Zeit gewünscht wird, ab den Viertelfinals im Pokal zum Einsatz kommen.

DFL ist gerüstet

Die DFL sieht sich für eine Einführung gerüstet. "Bis zur Mitgliederversammlung soll es dann eine Empfehlung für ein bestimmtes System geben", sagte DFL-Boss Christian Seifert, der für die Einführung wirbt, der "Süddeutschen Zeitung".

"Wenn ich Klub-Verantwortlicher wäre, würde ich wahrscheinlich dafür stimmen", sagte der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung.

Die Fußballwelt habe sich ein wenig gewundert, "warum gerade Deutschland die neue Technik bisher nicht eingeführt hat".

Videobeweis wird Thema

Während bei der Torlinientechnik eine Entscheidung fällt, wird über die weitergehende Möglichkeit des Videobeweises erst einmal beraten.

Die DFL hat das Thema ernsthaft vorbereitet. "Wenn die Klubs die entsprechenden Fragen stellen, haben wir Antworten", sagte Seifert.

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