vergrößernverkleinern
FC Bayern München-Jahreshauptversammlung-Vorstand
FC Bayern München-Jahreshauptversammlung-Vorstand © getty

München - Der FC Bayern verkündet in seiner Jahreshauptversammlung Rekorde, doch den größten Applaus erhält Ex-Präsident Uli Hoeneß.

Zwei Minuten lang erhoben sich die 2421 Mitglieder im Audi Dome.

Sie applaudierten, spendeten während der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München stehende Ovationen.

Es gab viele Gründe dafür. Schließlich hatte der Klub gleich mehrere Rekordzahlen präsentiert. Ganz gleich ob im Merchandising, Umsatz oder bei den Mitgliederzahlen.

Doch als sich besagte Szene eine Stunde nach Beginn der Sitzung ereignete, sprach Karl Hopfner gerade über seinen abwesenden Vorgänger.

Dabei hatte der Präsident lediglich das verkündet, was bereits bekannt war: Der im Gefängnis sitzende Uli Hoeneß wird im Januar zum FC Bayern zurückkehren und in der Jugendabteilung arbeiten.

"Karl-Heinz Rummenigge und ich hatten die Möglichkeit, Uli Hoeneß während eines Freigangs zu treffen", erzählte der Präsident. "Sollte er im neuen Jahr Freigänger werden, wird er einen Anstellungsvertrag bei der FC Bayern AG erhalten."

Er ergänzte: "Wir hoffen, dass für ihn teilweise eine für uns nur schwer vorstellbare Zeit ein Ende findet." Sprach's - und die Mitglieder im Saal erhoben sich. "Das", sagte Hopfer überzeugt, "tut ihm sicherlich gut".

Rekorde am laufenden Band

Wohlwollend hatten die Anhänger in der Heimspielstätte der Bayern-Basketballer auch die vielen Rekordzahlen des nicht nur sportlich erfolgreichen Jahres zur Kenntnis genommen.

Die FC Bayern München AG, zu der auch die mittlerweile abbezahlte Allianz Arena gehört, setzte im abgelaufenen Geschäftsjahr 528, 7 Millionen Euro um. Im Vorjahr waren es 432,8 Millionen. Das entspricht einem Gewinn nach Steuern von 16,5 Millionen Euro.

"Das ist selbst für den FC Bayern ein Meilenstein", kommentierte Rummenigge die Zahl, die Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen stolz verkündete.

Es war aber nicht der einzige Rekord des Abends. "Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Mai habe ich gesagt, dass wir bald der größte Sportverein der Welt sein werden. Dieses Ziel haben wir erreicht", verkündete Hopfner mit Stolz, was SPORT1 zuvor exklusiv berichtet hatte.

FC Bayern deutlich vor Barcelona

Der Klub zählt nun 251.315 Mitglieder - so viel wie kein anderer. Damit haben die Münchner Benfica Lissabon (224.000) von Platz eins verdrängt. Der FC Barcelona kommt dahinter auf rund 177.000 Mitglieder.

Beim Merchandisiging gab es ebenfalls einen neuen Höchstwert. "Wir haben im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Trikots verkauft - das sind mehr als alle anderen Bundesligisten zusammen", sagte Rummenigge.

Gewinn soll in Kader fließen

Bei all den Gewinnen, bei all den Rekorden: Das erwirtschaftete Geld wollen die Münchnern nicht einfach bloß auf einem Festgeldkonto parken. Denn "wir wollen den maximalen sportlichen Erfolg. Daher müssen wir die steigenden Einnahmen auch in die Qualität des Kaders investieren", beteuerte der Finanzvorstand.

Rummenigge pflichtete dem bei. In seiner 59-minütigen Rede kam der Vorstandschef auch nicht umhin, Giftpfeile an die Konkurrenz zu senden.

Giftpfeile Richtung Watzke

"Es wird ja immer behauptet - von diversen Märchenerzählern, dass Bayern München sein Geld nur einsetzt, um teure Transfers zu realisieren", holte er aus. "Ich habe mir das mal angeschaut. Wir haben mehr Eigengewächse als jede andere europäische Top-Mannschaft."

Seine Beispiele: Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller, David Alaba und Holger Badstuber.

Dabei versicherte er, dass er sich gar nicht über derartige Aussagen ärgere, "sondern immer nur schmunzeln muss. Neid ist die größte Form der Anerkennung. Das sollte sich vielleicht so mancher Märchenerzähler zu Gemüte führen."

Namen oder Vereine nannte er nicht. Doch es liegt auf der Hand, dass er damit vor allem BVB-Chef Hans-Joachim Watzke meinte, mit dem sich der FCB-Funktionär seit Wochen Wortgefechte liefert.

Rummenigge will Guardiola lange halten

Doch angesichts der wirtschaftlichen wie auch sportlichen Erfolge konnte es Rummenigge egal sein. Denn sie geben ihm Recht: In allen drei Wettbewerben sind die Münchner auf Kurs - was selbst den Bayern-Boss angesichts der WM-Belastung und der kurzen Regenerations- und Vorbereitungsphase sogar ein wenig überrascht.

"Das ist eine großartige Leistung, die der Trainer da hingelegt hat", lobte er Pep Guardiola, den er als "Segen für den FC Bayern" bezeichnete. Der Coach sei "ein großartiger Trainer, ein taktisches Genie, aber auch ein großartiger Mensch. Und ich werde alles dafür tun, dass dieser großartiger Mensch so lange wie möglich in München bleibt."

Champions-League-Sieg im Visier

Um sportlich weiter anzugreifen. "Ich hoffe, dass uns dieses Jahr noch das ganz Große gelingt", sagte der Vorstandschef mit Blick auf die Champions League. "Aber wir sollten step by step denken. Erst kommt das Achtelfinale."

Die lauten Worte des Angriffs, die große Kampfansage an die europäische Konkurrenz - sie blieben ohne Hoeneß weitgehend aus.

Dennoch war das Thema Hoeneß allgegenwärtig. Bei den Wortmeldungen am Ende der knapp zweieinhalbstündigen Versammlung rief ein Mitglied in den Saal: "Wir fordern Freiheit für Uli."

Und wieder gab es Applaus für den abwesenden Ex-Präsidenten.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel