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SC Paderborn

München - Sechs in Dortmund ausgemusterte Paderborner sind gerüstet für den Aufstand gegen den BVB. Marvin Bakalorz erklärt SPORT1 warum.

Der SC Paderborn ist angekommen in der Bundesliga. Das dürfte inzwischen auch dem schärfsten Kritiker bewusst geworden sein.

Nach 11 Spieltagen steht der Aufsteiger auf einem beachtlichen neunten Platz in der Tabelle, noch vor den großen Nachbarn Schalke 04 (11.) und Borussia Dortmund (15.).

Jeder Experte und Fan reibt sich seit Wochen immer wieder verwundert die Augen. Denn vor dem Heimspiel gegen den BVB am Samstag (ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) sind die Paderborner die Nummer eins in Westfalen.

Und es scheint das Duell Dortmund II gegen Dortmund I zu sein.

Fünf Ex-Dortmunder

Gleich sechs Ex-Dortmunder tragen jetzt das Paderborner Trikot und überzeugen darin: Mario Vrancic, Lukas Kruse, Uwe Hünemeier, Marvin Ducksch, Mahir Saglik und Marvin Bakalorz.

Alle schafften in Dortmund nicht den Durchbruch. In Paderborn aber blüht das Sextett geradezu auf.

Ist der SCP also die Zweigstelle des BVB? Marvin Bakalorz muss bei der Frage schmunzeln.

"Dortmund bildet viele Spieler aus und es ist klar, dass manche ihr Glück woanders suchen", erklärt er im Gespräch mit SPORT1.

"Bei Mario Vrancic war es ähnlich wie bei mir. Jürgen Klopp hat Mario auch viel geholfen. Karrieren verlaufen nicht immer geradeaus. Vielleicht landet einer von uns noch einmal beim BVB."

"Viel vorgenommen"

Am Samstag dürften die Sechs erst mal bis in die Haarspitzen motiviert sein. "Wir haben uns viel vorgenommen", betont Bakalorz.

Gegen den Ex-Verein sei es schließlich "immer etwas Besonderes. Wir wollen auch den Dortmundern zeigen, dass wir zu Recht in der Bundesliga spielen."

Es sei "selten, dass so viele Spieler auf einmal gegen ihren Ex-Klub spielen. Ich freue mich darauf, aber ich muss niemandem etwas beweisen."

Er bleibt trotz des Erfolgs auf dem Teppich. "Ich sehe mich so wie jeder andere Spieler", meint Bakalorz zurückhaltend. Er ist glücklich mit der aktuellen Situation wohlwissend, dass es auch schon andere Zeiten in seiner Karriere gab.

Holpriger Weg für Bakalorz

"Ich hatte einen holprigen Weg hinter mir, kam weder in Dortmund zum Zug, wo ich nur Dritte Liga gespielt hatte, noch bei Eintracht Frankfurt, wo ich eine neue Chance sah, endlich in den Profibereich zu kommen."

Er sei aber "nie so richtig im Fokus" gewesen, doch "dann kam Paderborn wie gerufen mit einem Trainer, der komplett hinter mir stand, wo ich regelmäßig spielen darf. Endlich kann ich zeigen, was in mir steckt."

"Unfassbarer Charakter"

In der 146.000 Einwohner großen Stadt fühlt sich Bakalorz wohl, sportlich läuft es ohnehin.

"Wir bekommen jede Woche einen Plan mit auf den Platz, das Team ist in Takt und hat einen unfassbaren Charakter, das habe ich selten so erlebt. Jeder gibt auf dem Platz wirklich alles für den anderen", erklärt Paderborns Mittelfeldspieler die bisher so erfolgreiche Saison.

"Natürlich sollte das immer so sein, aber es ist leider nicht immer so. In anderen Klubs gibt es Spieler, die sich für wichtiger nehmen als die Mannschaft, das haben wir gar nicht."

Man wisse aus der vergangenen Saison, "dass wir uns das gar nicht leisten können, weil es sofort bestraft wird, wenn einer aus der Reihe tanzt."

Erfolgshungrig und positiv süchtig

Der 25-Jährige fügt noch hinzu: "Wir versuchen an die letzte Saison anzuknüpfen, erfolgreich zu sein, um nach dem Spiel unseren Sieger-Kreis bilden zu können. Jeder ist erfolgshungrig und positiv süchtig nach Siegen."

Das klingt nach einer recht einfachen Erklärung. Warum aber entsteht der Eindruck, dass Paderborn die Wohlfühloase der Liga ist?

"Keiner kommt morgens in die Kabine und meckert rum, weil die Rahmenbedingungen nicht optimal sind", erklärt Bakalorz das anhaltende Hoch. "Jeder kommt mit einem Lächeln zum Training, weil wir Bock darauf haben und über unsere Stärken Bescheid wissen. Da haben uns sicher viele unterschätzt. Diese Kritiker wollen wir mit guten Leistungen überzeugen."

Die starken Leistungen bekommt natürlich Bakalorz Umfeld mit.

Handschrift erkennbar

"Viele Freunde von mir sagen: 'Man sieht auf dem Platz, dass ihr eine Mannschaft seid'", sagt Bakalorz und erklärt dies: "Das ist die Handschrift des Trainers - und jeder versucht, den Plan voll umzusetzen. Weil jeder alles für den Erfolg gibt, sind wir so stark."

Paderborns Trainer Andre Breitenreiter ist der Vater des Erfolgs. Er kam 2013 an die Pader und schaffte gleich im ersten Jahr das Wunder Aufstieg in die Bundesliga.

"Dortmund unter Top drei der Liga"

Bakalorz ist voll des Lobes über den 41 Jahre alten Coach: "Die Mischung macht es aus beim Trainer. Er hat Spaß mit uns, kann aber auch richtig hart werden, wenn er merkt, dass man im Training nicht alles gibt."

Und weiter: "Es macht einfach jedem bei uns Spaß mit ihm zu arbeiten. Jeder fühlt sich bei ihm gleich stark und wichtig."

Auch den BVB schätzt Bakalorz weiterhin als stark ein: "Ich sehe Dortmund immer noch unter den Top drei der Liga, auch wenn sie gerade hinter uns stehen. Es lief einfach nicht in den ersten Spielen. Gegen Gladbach hat man gesehen, welche Klasse der BVB nach wie vor hat."

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